Anschlag in Kopenhagen:Tote und Verletzte im Einkaufszentrum

Lesezeit: 2 min

Anschlag in Kopenhagen: Dänemarks größtes Einkaufszentrum, das Field's in Kopenhagen. Wie viele Menschen dort bei der Bluttat am Sonntagabend getötet wurden, war zunächst nicht klar.

Dänemarks größtes Einkaufszentrum, das Field's in Kopenhagen. Wie viele Menschen dort bei der Bluttat am Sonntagabend getötet wurden, war zunächst nicht klar.

(Foto: Claus Bech/dpa)

Polizei nimmt "22-jährigen ethnischen Dänen" als mutmaßlichen Täter fest. Die Fahndung läuft weiter, eine Terrortat wird im Moment nicht ausgeschlossen.

Von Kai Strittmatter, Kopenhagen

Der Sonntagabend sollte für Dänemark der Ausklang eines riesigen Volksfestes werden: An dem Tag verabschiedeten die fahrradverrückten Dänen nach drei Tagen die Tour de France aus ihrem Land. Der Kronprinz selbst hatte eine Party geplant, auf der königlichen Yacht Dannebrog.

In den frühen Abendstunden dann kam der Schock. Es waren Schüsse gefallen, im Field's, dem Einkaufszentrum im Stadtviertel Amager im Süden Kopenhagens, wo sich viele Menschen zum Essen und zum Shoppen verabredet hatten. Das Field's ist das größte Einkaufszentrum Dänemarks, mit der Metro nur knapp zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Auf Videobildern sah man Hunderte von Menschen, die aus dem Einkaufszentrum rannten.

Am Ende sind mehrere Menschen tot und weitere verletzt. Die genaue Anzahl der Opfer wisse man noch nicht, sagte am Abend Søren Thomassen, ein Sprecher der dänischen Polizei. Er gab bekannt, die Polizei habe einen Schützen festgenommen: Es handle sich um einen "22-jährigen ethnischen Dänen". Der Täter habe offenbar auf zufällig ausgewählte Opfer gefeuert.

Die Polizei hat eine Fahndung eingeleitet im Großraum Kopenhagen und auf der Insel Seeland. Thomassen sagte, der mutmaßliche Schütze habe allem Anschein nach alleine gehandelt. Es gebe keine Hinweise, dass der festgenommene 22 Jahre alte Däne Komplizen gehabt habe. Der Mann habe sich in der Vergangenheit Hilfe in einer Psychiatrie gesucht.

Das Fernsehen zeigte Bilder von weinenden und sich umarmenden Menschen. Der Sender TV2 brachte ein Interview mit dem Augenzeugen Mahdi Al-Wazni, der sagte, er habe den Täter gesehen und auch mit ihm gesprochen. Der Mann habe Jagd- oder Militärkleidung getragen. "Er wirkte sehr gewalttätig und wütend", sagte Mahdi Al-Wazni. "Er sprach mich direkt an und sagte, es sei nicht real, während ich ihn filmte. Er schien sehr stolz zu sein auf das, was er tat." Ein Foto, das der Augenzeuge gemacht hatte, zeigt einen Mann in langen Bermudas und dunklem Oberteil der eine Waffe hält, die ein Jagdgewehr oder eine Schrotflinte sein könnte.

"Ich sah Blut auf dem Boden und zerbrochene Fenster"

Eine Frau namens Karina Ulfkær erzählte dem öffentlich-rechtlichen Sender DR, dass ihre Tochter sie aus dem Inneren des Einkaufszentrums angerufen habe. "Sie sagte: Mama, sie schießen, sie schießen", sagte Karina Ulfkær. "Sie hat geweint und geweint." Eine Augenzeugin namens Isabella berichtete, wie sie sich gemeinsam mit ihrem Freund zwei Stunden lang in einer Toilette versteckte. Zuvor habe sie bis zu zehn Schüsse gehört. Auf dem Weg nach draußen seien überall Spuren der Schießerei gewesen: "Ich sah Blut auf dem Boden und zerbrochene Fenster."

Die beiden waren im Field's gewesen, um sich die Zeit zu vertreiben bis zum Konzert des britischen Popsängers Harry Styles. Das Konzert sollte in der Royal Arena stattfinden, ein paar Hundert Meter entfernt nur vom Einkaufszentrum. Kurz vor acht Uhr teilte der Veranstalter noch mit, das Konzert solle wie geplant um 21 Uhr beginnen. "Die Polizei hat uns grünes Licht gegeben." Allerdings fuhr zu dem Zeitpunkt schon die U-Bahn nicht mehr und weite Teile der Gegend waren von der Polizei abgesperrt. Nachdem bekannt geworden war, dass Menschen gestorben waren, wurde das Konzert "aus Sicherheitsgründen" doch abgesagt. Tausende Besucher hatten bereits Einlass erhalten. Das Fest des Kronprinzen auf der königlichen Yacht war da schon längst abgesagt.

Zur SZ-Startseite
Nach Schüssen in Nachtclub in Oslo

Morde in Oslo
:Schwarzer Regenbogen

Die norwegische Polizei spricht von einem möglichen islamistischen Terrorakt. Der Täter hatte am Vorabend der Pride-Parade in einem Osloer Club der queeren Szene zwei Menschen erschossen und 21 weitere verletzt.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB