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Konklave im Vatikan:Wie die Kardinäle den Papst wählen

Von heute an sucht die katholische Kirche ein neues Oberhaupt. 115 Kardinäle versammeln sich zur Papstwahl in der Sixtinischen Kapelle, draußen wartet die Welt auf den weißen Rauch. Doch wer darf überhaupt Papst werden? Wer ist wahlberechtigt? Antworten auf zentrale Fragen zum Konklave.

Knapp 1,2 Milliarden Katholiken schauen nach Rom. Wenn sich die 115 Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle versammeln und einen Nachfolger für den abgedankten Papst Benedikt XVI. wählen, treffen sie eine Richtungsentscheidung für die katholische Kirche. Von der Außenwelt abgeschirmt entscheiden sie auf 548 Quadratmetern über die Zukunft der größten Glaubensgemeinschaft der Welt. Doch der Weg zu einem neuen Pontifex maximus ist lang. Die wichtigsten Informationen zum Konklave im Vatikan.

Wer darf Papst werden?

Jeder männliche, getaufte Katholik über 35 könnte zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt werden, sofern er ledig ist. So weit die Theorie. Denn faktisch sind seit dem Mittelalter nur Kardinäle auf den Stuhl Petri gelangt. Der letzte Papst, der vor seiner Wahl kein Purpur getragen hat, war Urban VI. (1378-1389).

Vakantes Papstamt

Wer Benedikt XVI. nachfolgen könnte

Wer leitet das Konklave?

Üblicherweise obliegt die Leitung des Konklaves dem Kardinaldekan. Da Angelo Sodano aber schon 85 Jahre alt ist, übernimmt dies der älteste wahlberechtigte Kardinalbischof, der 79 Jahre alte Giovanni Battista Re. Vor dem Konklave nimmt der Kardinaldekan den Kardinälen den Eid ab, dass sie den Ablauf der Wahl geheim halten und keinerlei Einmischung zulassen werden. Beim letzten Konklave hieß der Kardinaldekan übrigens Joseph Ratzinger.

Wer ist wahlberechtigt?

Wahlberechtigt sind nur Kardinäle - wenn sie noch nicht ihr 80. Lebensjahr vollendet haben. Diesmal gibt es eine Ausnahme: Der deutsche Kardinal Walter Kasper darf seine Stimme abgeben, obwohl er 80 ist - weil sein Geburtstag in die Sedisvakanz, die Zeit nach dem Rücktritt Benedikts, fiel. Zwei Kardinäle sind bei diesem Konklave verhindert. Deshalb wählen 115 Purpurträger das neue Kirchenoberhaupt. Früher bestand das Kardinalskollegium mehrheitlich aus Europäern. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) hat sich jedoch eine Internationalisierung vollzogen. Diesmal stellen die Europäer 60 Kardinäle - darunter allein 28 Italiener.

Wie wird gewählt?

Nachdem die Kardinäle feierlich in die Sixtinische Kapelle eingezogen sind, werden sie eingeschlossen. (Hier finden Sie Bilder und Informationen zur Sixtinischen Kapelle.) Dort bleiben sie von der Außenwelt abgeschirmt, bis ein neuer Papst mit Zweidrittelmehrheit gewählt ist. Bei diesem Konklave benötigt ein Kandidat folglich 77 Stimmen, um neuer Pontifex zu werden. Der neue Papst wird ohne vorherige Reden möglicher Kandidaten gewählt. Für den ersten Tag des Konklaves ist ein Wahlgang geplant. An den folgenden Tagen gibt es jeweils vier Wahlgänge, zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag. Nach drei Wahltagen ist eine maximal eintägige Pause vorgesehen. Es folgen sieben Wahlgänge, dann wieder eine Pause. In diesem Rhythmus geht es weiter. Falls es nach dem 34. Wahlgang immer noch keinen Papst gibt, kommt es zur Stichwahl der beiden Namen mit den meisten Stimmen. Wieder ist eine Zweidrittelmehrheit nötig - Benedikt XVI. hat das so festgelegt.

Sixtinische Kapelle

Göttliche Werke

Wann war das Konklave besonders kurz?

Die Kardinäle bestimmten 1503 innerhalb weniger Stunden Julius II. zum Papst. 1939 erfolgte die Wahl des umstrittenen Pius XII. ebenfalls am ersten Tag.

Welches Konklave dauerte am längsten?

Etwa drei Jahre dauerte die längste Papstwahl. Zwischen 1268 und 1271 konnten sich die 18 Kardinäle, die sich in Viterbo zur Papstwahl versammelt hatten, erst nach Druck von außen einigen: Die Stadtväter mauerten das Kardinalskollegium im Bischofspalast ein, zeitweise soll sogar das Dach abgedeckt worden sein - um die Papstfindung durch Wind und Wetter zu forcieren. Gewählt wurde schließlich ein Außenstehender: Gregor X., der sich damals gerade im Heiligen Land aufhielt.

Was passiert zwischen den Wahlgängen?

Gebete und Beichtmöglichkeiten während des Konklaves prägen den religiösen Charakter, der Klerus hofft auf das Wirken des Heiligen Geistes. Nach drei Wahltagen ist eine maximal eintägige Pause vorgesehen, für das Gebet, für ein zwangloses Gespräch unter den Wählern und für eine kurze Ansprache durch den ranghöchsten Kardinal aus der Ordnung der Diakone. Während des Konklaves wohnen die Kardinäle im Gästehaus Domus Sanctae Marthae.

Wer begleitet die Kardinäle?

Die Papst-Wähler verfügen über etliche Helfer wie den Sekretär des Kardinalskollegiums, den Päpstliche Zeremonienmeister mit zwei Zeremoniären und zwei Ordensleuten der Päpstlichen Sakristei. Hinzu kommen ein Kleriker als Assistent des Kardinaldekans. Einige Ordenspriester verschiedener Sprache sollen für die Beichte zugegen sein, ferner zwei Ärzte für eventuelle Notfälle. Zudem muss für Tisch- und Putzpersonal gesorgt sein.

Was bedeutet weißer Rauch, was bedeutet schwarzer Rauch?

Bei der Wahl eines Papstes im abgeschotteten Konklave verkündet schwarzer oder weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle das Ergebnis der Abstimmung. Nach jedem Wahlgang werden die Stimmzettel und aus Gründen der Geheimhaltung auch alle Notizen zur Wahl verbrannt. Das geschieht in zwei gusseisernen Öfen, die vor Beginn des Konklaves in der Kapelle installiert wurden. In einem Ofen, der seit 1939 verwendet wird, werden die ausgezählten Wahlzettel verbrannt. Im zweiten Ofen wird mit Hilfe von Chemikalien schwarzer oder weißer Rauch produziert. Steigt schwarzer Rauch auf wird damit verkündet: Es ist keine Entscheidung gefallen. Ist über dem Kamin der Sixtinischen Kapelle allerdings weißer Rauch zu sehen, wird damit das Zeichen für die erfolgte Wahl des neuen Papstes gegeben.

Ist die Farbe des Rauches immer eindeutig?

Seit Jahrhunderten gibt es diesen Brauch, doch immerhin ein Detail wurde inzwischen geändert: Die dunkle Farbe des Rauchs kommt nicht mehr zustande, indem feuchtem Stroh Öl oder Pech hinzugefügt wird. Der Ursprung dieser Tradition ist weitgehend unbekannt. Allerdings ist die Farbe des Rauches nicht immer klar zu deuten. Nach der Wahl von Johannes Paul II. 1978 verwirrte grauer Rauch die Wartenden auf dem Petersplatz. Auch bei der Wahl von Benedikt XVI. 2005 war minutenlang nicht klar, ob der Rauch nun schwarz oder weiß ist.

Was passiert, wenn der Pontifex gewählt ist?

Steigt weißer Rauch auf und erklingen die Glocken des Petersdoms, ist ein neuer Papst gewählt. Die Rauchsignale werden an jedem Wahltag gegen 12 Uhr und 19 Uhr erwartet. Sollte allerdings in einem ersten Wahlgang am Vormittag oder Nachmittag eine Entscheidung fallen, könnte schon früher das Rauchsignal kommen. Ist die Entscheidung gefallen, muss der Kandidat die Wahl zunächst annehmen. Dann wird er gefragt, welchen Namen er sich gibt.

Wann tritt der neue Papst an die Öffentlichkeit?

Kurz nach dem Aufsteigen des weißen Rauchs tritt der Kardinalprotodiakon auf die Benediktionsloggia des Petersdoms und präsentiert der Welt das neue Kirchenoberhaupt mit den Worten "Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus Papam" (Lateinisch für: Ich verkünde euch große Freude: Wir haben einen Vater). Dann nennt der aktuelle Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran auch zum ersten Mal den Namen, den sich der neue Papst gegeben hat. Der neue Pontifex spricht und erteilt erstmals den Segen: "Urbi et Orbi" - "Der Stadt (Rom) und dem Erdkreis". Das neue Pontifikat hat begonnen.

Hier finden Sie eine Übersicht der Kardinäle, die für "papabile" gehalten werden.

Mit Material von dpa, Reuters und AFP.

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