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Konferenz mit Scholl-Latour, Herman und Sarrazin:Wer hinter dem Magazin Compact steckt

Elsässer und die anderen Autoren von Compact sehen sich der Kritik ausgesetzt, Hetze gegen Homosexuelle betreiben zu wollen. "Das ist falsch", verteidigt sich der Chefredakteur. Bei der Konferenz wolle man einen Dialog führen. Auf den Hinweis, dass jedoch keine Pro-Position vertreten ist, antwortet Elsässer: "Wir denken darüber nach, jemandem vom Schwulen-und Lesbenverband einzuladen." Wirklich? "Naja, wir müssen erst mal wegen der Räumlichkeiten schauen."

Es wäre eine überraschende Wende. Denn obwohl sich das Magazin rühmt, linke und rechte Positionen abbilden zu wollen, liefert es bisher sehr einseitige Vorstellungen zum Thema. 2011 lautete der Titel der Septemberausgabe "Schulfach schwul - die sexuelle Umerziehung unserer Kinder". In dem dazugehörigen Artikel zeigt sich die Autorin schockiert über ein Schulprojekt, das Kindern Informationen zu Homosexualität vermittelt. Die Grundschüler lernten, dass die traditionelle Familie überholt ist, schrieb sie.

Bin Laden - der CIA-Agent

Nach der Grundsatzentscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Adoptionsrecht für Homosexuelle schilderte der Journalist Elsässer auf seinem Blog unter der Überschrift "Adoptionsrecht für Schwule? Nein Danke!" seine Vorstellung von Familie und Ehe. Die Begriffe seien eng mit der Möglichkeit zur biologischen Reproduktion verknüpft. "Aus einer homosexuellen Verbindung können keine Kinder entstehen - wer das nicht kapiert, ist ein Vollidiot", schrieb er. Die "Ehe für alle" und das Adoptionsrecht für Schwule seien deswegen abzulehnen.

Doch nicht nur mit dem Thema Familie geht das Magazin fragwürdig um. Compact ist dafür bekannt, Verschwörungstheorien zu verbreiten - etwa, dass Al-Qaida-Chef Osama bin Laden eigentlich CIA-Agent war. Darüber hinaus gilt das Heft als rechtspopulistisch. In der Selbstdarstellung des Magazins werden Faschismus und Zionismus gleichgestellt und Konzentrationslager verharmlost: Wer diesen Begriff auf die deutsche Vergangenheit beschränke, werde die Realität von Abu Ghraib und Guantanamo nicht beschreiben können, heißt es da etwa. Und weiter: "Wer vom 'Zionismus' nicht reden darf, muss auch vom Faschismus schweigen. Aber wir bei Compact lassen uns den Mund nicht verbieten."

Bei der Vorstellung einer Probeausgabe im Jahr 2010 saß der Chefredakteur der Jungen Freiheit auf dem Podium. Da war auch die Rapperin Dee Ex, die ihre Musik als "patriotisch" beschreibt und von der rechtsextremen Zeitung Zuerst! porträtiert wurde.

Die Kritik ist natürlich eine Verschwörung

Besonders die Äußerungen von Chefredakteur Elsässer bringen das Magazin immer wieder in Verruf. Als Ex-Linker und Sympathisant des ehemaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad griff er in einem offenen Brief einen ZDF-Journalisten an. Dieser hatte in einem Kommentar kritisiert, dass Ahmadinedschad vor laufender Kamera den Holocaust leugnete: "Wenn einer den Holocaust rechtfertigt oder verharmlost, würde ich immer scharf dagegenhalten und dies selbstverständlich auch von anderen Journalisten erwarten. Etwas anderes ist, ob man einen Ausländer in seinem Land - das Interview fand in Teheran statt - deutschen Gesetzen unterwirft", schrieb Elsässer.

Hinter der aktuellen Kritik an der Konferenz vermutet der Chefredakteur - wie sollte es auch anders sein - eine Verschwörung. Auf seinem Blog hat er mittlerweile eine Erklärung veröffentlicht. Unter der Überschrift "Lobby-Agitation gegen Compact-Konferenz" schreibt er, eine "bestimmte Szene" habe es wohl nicht überwunden, dass die vergangene Konferenz ein so großer Erfolg gewesen sei. Damals konnten die Referenten relativ unbehelligt von Medien und Aktivisten sinnieren. In diesem Jahr wird das wohl anders sein.