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Komplizin von Kindermörder:Michelle Martin darf Vater von Dutroux-Opfer treffen

Darf die Komplizin eines Kindermörders Angehörige der Opfer empfangen? Ein belgischer Richter meint ja und macht den Weg frei für ein Treffen zwischen Michelle Martin, Ex-Frau von Marc Dutroux, und Jean-Denis Lejeune, einem betroffenen Vater. Martin hatte das Gespräch angeboten - Lejeune hat konkrete Erwartungen.

Die Ex-Frau und Komplizin des Kinderschänders und Kindermörders Marc Dutroux, Michelle Martin, darf den Vater eines der von ihrem Mann getöteten Mädchen treffen. Ein Gericht im westbelgischen Mons entschied, sie dürfe Jean-Denis Lejeune empfangen. Die Richter mussten zustimmen, da Martin als Bewährungsauflage hat, sich von den Angehörigen der Opfer fernzuhalten.

Die Begegnung soll unter Leitung eines Mediators in dem Klarissen-Kloster in Malonne stattfinden, in das die 52-Jährige nach ihrer vorzeitigen Freilassung gezogen war. Lejeune, Vater der vor 17 Jahren in Dutroux' Haus verhungerten Julie, sagte, das Treffen "gehört zu dem Weg, den seit 17 Jahren gehe, um die Wahrheit herauszufinden".

Martin hatte ihm Ende September ein Gespräch angeboten. Die Einladung habe ihn "destablisiert", sagte Lejeune. Daher habe er zunächst abgelehnt. "Ich wollte sie lieber nicht treffen, weil ich Angst vor meinen Reaktionen hatte. Ich glaubte, dass sie mich manipulieren würde wie sie es mit anderen gemacht hat." Dann habe er sich jedoch in der Hoffnung besonnen, "ein Stück Menschlichkeit" in ihr zu entdecken, sagte Lejeune. Er halte Martin allerdings weiterhin für verantwortlich am Tod seiner im Alter von acht Jahren gestorbenen Tochter.

Entwarnung nach möglichem Anschlag auf Kloster

Nach einem möglichen Anschlag auf das Kloster, in dem Martin lebt, gab außerdem der Staatsanwalt der Stadt Namur teilweise Entwarnung. Einer der beiden Umschläge, die das Kloster am Montag und Dienstag erhalten hatte, habe keine Milzbrand-Erreger oder andere gefährliche Stoffe enthalten. Der zweite werde derzeit noch geprüft.

Martin war 1996 mit Dutroux festgenommen und 2004 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Im Juli gab ein Gericht in Mons ihrem Antrag auf vorzeitige Entlassung aus der Haft statt, im September verließ sie das Gefängnis. Zu den Auflagen für die Freilassung gehört, dass Martin sich in dem Kloster nahe der Stadt Namur aufhalten muss.

Ihr damaliger Mann Dutroux hatte zwischen Juni 1995 und August 1996 sechs Mädchen und junge Frauen entführt und vergewaltigt. Vier von ihnen starben. Ein Antrag des 55-Jährigen auf vorzeitige Haftentlassung war im September abgelehnt worden. Er bleibt voraussichtlich für den Rest seines Lebens hinter Gittern.

Linktipp: Die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz über den Umzug der Dutroux-Komplizin Martin in ein Kloster - und das Böse im Menschen.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/jobr/odg
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