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SZ-Kolumne "Mitten in":Vorsicht, Lüftchen!

Unser Japan-Korrespondent dachte, er sei mit den technischen Feinheiten fernöstlicher Toiletten inzwischen vertraut. Aber es gibt immer wieder Überraschungen. Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... Tokio

Illustration: Marc Herold

Als erfahrener Nutzer öffentlicher Toiletten in Japan weiß man natürlich, dass man sich vor dem Geschäft mit der stillen Örtlichkeit vertraut machen muss. Aber man kann ja nicht immer an alles denken. Und jetzt sitzt man also auf der beheizten Klobrille und verdreht absurd den Oberkörper, um irgendwo die Spülvorrichtung zu finden. Japans Toiletten sind mit viel Standard-Elektronik ausgestattet. Trotzdem sind nicht alle gleich. Insbesondere die Spülvorrichtung ist mal ein Knopf an der Seite, mal ein Hebel hinten, diesmal irgendwas Anderes. Aber was? Auf gut Glück rumzudrücken, ist keine gute Idee, sonst geht plötzlich die Analdusche los. Oder der Alarm. Rechts auf der Armatur ist ein Knopf mit drei Wellenlinien. Interessant. Draufgedrückt. Ein strammer Luftstrom bläst von hinten unten. Der Gesäßföhn. Den gibt es also auch. Thomas Hahn

Mitten in... Brüssel

Illustration: Marc Herold

Wenn man in Brüssel zu dieser Jahreszeit an einem Werktag nicht in völliger Dunkelheit mit einer depperten Grubenlampe joggen gehen möchte, bleibt einem kaum mehr als diese dürre Stunde zwischen acht und neun Uhr morgens. Also gut. Ein Blick aufs Thermometer - ein kurzes und ein langes Oberteil übereinander werden wohl reichen. Auf den ersten Metern ist es kalt, aber es geht. Der Park, der am Wochenende noch so gesteckt voll war, dass man Slalom laufen musste, ist fast leer, bis auf den telefonierenden Radler auf dem Weg zur Arbeit und das gute Dutzend Läufer. Alle tragen Mützen, viele Handschuhe und jeder ein weißes Atemwölkchen hinter sich her. Kurz vor dem Ende der Runde aber taucht einer auf: kurze Hose (Achtziger-Jahre-kurz!), Tank Top und kaum sichtbare Socken in den Schuhen. Bleibt die Frage: Was trägt der bloß im Sommer? Christian Tönsmann

Mitten in... München

Illustration: Marc Herold

Ein Supermarkt in München-Giesing, routinierte Trostlosigkeit eines Feierabendeinkaufs. Vor dem Laden aber, bei einer Gruppe Teenagermädchen, herrscht pure Fröhlichkeit. Derart laut ist das Glucksen und Kichern, dass Passanten stehen bleiben. Anlass der Freude: der junge Kassierer an der Kasse, adrett und sportlich. "Habt ihr gehört, was er zu mir gesagt hat: schöne Augen", jubiliert ein Mädchen. Hihihi, glucks, wohou! "Zuuuu miiir auuuch", weiß die Freundin zu berichten. Es sind wohl diese kleinen Höhepunkte im zwischenmenschlichen Umgang, die in Zeiten flirtkillender Kontaktbeschränkungen dringend gebraucht werden. Also wird gekichert und geschmachtet, bis ein drittes Mädchen leider alles verdirbt. "Zu mir hat er das auch gesagt. Zu jedem Kunden", sagt sie. "Aber nicht schöne Augen - sondern schönen Abend." Johann Osel

© SZ/nas
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