Süddeutsche Zeitung

Kolumbien:Escobars Auftragskiller in Freiheit

Er hat im Auftrag von Drogen-Boss Pablo Escobar mehr als 300 Menschen ermordet und mehr als 3000 weitere Morde in Auftrag gegeben. Jetzt ist Jhon Jairo Velázquez Vázquez, genannt Popeye, wieder frei - wegen guter Führung.

Wer in Kolumbien den Namen Popeye hört, der denkt nicht so sehr an die Comicfigur. Popeye steht vor allem für Jhon Jairo Velázquez Vázquez, einen der ehemals gefürchtetsten Verbrecher des Landes. Velázquez alias Popeye war Auftragskiller von Pablo Escobar, der jahrelang den Kokainhandel kontrollierte und 1993 in seiner Hochburg Medellín erschossen wurde.

Mehr als 300 Menschen hat dieser Vertraute Escobars ermordet, das gab Popeye selbst zu, nachdem er sich 1991 den Behörden gestellt hatte. Ungefähr 3000 weitere Morde und dazu diverse Entführungen soll er für den Paten Escobar in Auftrag gegeben haben. Die Schüsse und Bomben töteten außer Rivalen auch Polizisten, Journalisten, Richter, Politiker und Passanten, darunter den früheren Präsidentschaftskandidaten Luis Carlos Galán. 23 seiner 52 Lebensjahre verbrachte der Söldner im Gefängnis, nun kommt er wegen guter Führung vorzeitig frei.

Popeye galt als extrem kaltblütig, informierte in Haft aber die Fahnder über die Strukturen des Medellín-Kartells sowie deren Verbindungen zu Politik und Sicherheitskräften. Außerdem unterrichtete er Mitgefangene. Gegen Kaution darf er seine Zelle jetzt verlassen, was Angehörigen seiner vielen Opfer missfällt. In Freiheit muss der Entlassene vermutlich um sein eigenes Leben fürchten. "Wenn ich wieder auf die Straße darf", sagte er einmal, "dann werde ich mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit umgebracht."

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Quelle:
SZ vom 27. August 2014/chwa
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