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Kölner Stadtarchiv:Intakter Keller unter Trümmern entdeckt

Schnelle Bergung: Bis Ende Mai sollen die verschütteten Archivschätze in Köln nu aus dem Schutt gegraben werden. Die Rettungskräfte sind unterdessen zu einem intakten Archivraum vorgestoßen.

Die Bergung der verschütteten Archivalien in Köln wird voraussichtlich bis Ende Mai abgeschlossen sein. Das sei viel schneller als anfangs gedacht, sagte am Montag der Sprecher des Kölner Kulturamtes, Peter Schelenz. "Wenn Sie mal die Meldungen von Anfang März durchsehen, da war von vielen Monaten die Rede." Man gehe mittlerweile davon aus, dass 65 bis 80 Prozent der Archivbestände geborgen werden könnten - in ganz unterschiedlichem Zustand. Der Rest sei beim Einsturz des Archivs am 3. März zerstört worden.

Aufräumarbeiten an der Unglücksstelle: Zügige Bergung.

(Foto: Foto: ddp)

Unter den Trümmern des eingestürzten Kölner Stadtarchivs sind unterdessen "unerwartet intakte Kellerbereiche" mit hochwertigen Archivalien gefunden worden. Das teilte die Stadt am Sonntag mit.

Bei der am Freitag gemachten Entdeckung handele sich um den sogenannten Bibliothekskeller unter dem einstigen Lesesaal sowie den südlichen Teilbereich des Magazinkellers. Darin befänden sich insgesamt rund 1200 Regalmeter Archivgut, ein "nicht unwesentlicher Teil des Archiv- und Bibliotheksbestandes", hieß es. Die Archivalien sollen Anfang dieser Woche geborgen werden.

Das Archiv war am 3. März eingestürzt, zwei Menschen starben. Auslöser waren vermutlich Probleme beim Bau der U-Bahn. Archivdirektorin Bettina Schmidt-Czaia hatte am Donnerstag den bisherigen Stand der Bergungsarbeiten zusammengefasst: Insgesamt seien bisher 13 Kilometer Archivalien ins Kölner Erstversorgungszentrum - eine Halle zum Sichten und Sortieren - gebracht worden. Dazu kämen weitere vier Kilometer, die unmittelbar nach dem Einsturz aus den Kellern geholt worden seien. "Macht zusammen 17 von insgesamt 30 Kilometern."

Wegen der Entdeckung vom Freitag verzögern sich nun die weiteren Aufräumarbeiten an der Einsturzstelle. Zunächst müssten die Archivalien geborgen werden, hieß es. Der "Rückbau des hinteren Archivteils" sollte laut Stadt ursprünglich bis zum Ende der Osterferien in Nordrhein-Westfalen an diesem Wochenende abgeschlossen sein. Nun sei entschieden worden, vor Abschluss des Rückbaus zunächst das Archivgut in den Kellerbereichen zu bergen. Die hierfür notwendigen vorbereitenden Arbeiten seien inzwischen nahezu abgeschlossen.

Der Einsturz des Stadtarchivs könnte Schätzungen zufolge einen Schaden in Höhe von einer Milliarde Euro verursacht haben. Dies berichtete das Magazin Focus unter Berufung auf den für Verkehr zuständigen Hauptdezernenten bei der Bezirksregierung Düsseldorf, Matthias Vollstedt. Seine Abteilung prüft seit 2004 die U-Bahn-Bauarbeiten der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB).

© dpa/grc
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