Kölner Moschee Großer Krach um Großmoschee

In Köln tobt ein Kulturkampf um die Errichtung eines islamischen Gemeindezentrums: Bei der Bürgeranhörung musste die Polizei anrücken und die Moscheegegner erhielten prominente Unterstützung von Ralph Giordano.

Von Johannes Nitschmann

Die Luft ist stickig, die Stimmung aufgeladen. In die muffige Aula des Kölner Gymnasiums Kreuzgasse drängen an diesem Dienstagabend 800 Menschen. "Bürgeranhörung" steht draußen an den Glastüren.

Die geplante Moschee als Modell.

(Foto: Foto: dpa)

Drinnen tobt ein Kulturkampf. "Nazis raus!", brüllen die einen. "Zensur!", empören sich andere. Schließlich ruft der Versammlungsleiter die in den Nebenräumen postierte Polizei. Drei laute Rechtspopulisten werden abgeführt. Der geplante Bau einer Zentralmoschee im Kölner Traditionsviertel Ehrenfeld erregt seit Monaten die Gemüter.

Mit der Bürgeranhörung beginnt die auf vier Wochen befristete Beteiligung der Öffentlichkeit an der Bauplanung der umstrittenen Großmoschee. Es hagelt Einwände und Kritik von allen Seiten.

Als dröhnendes Sprachrohr der Moschee-Gegner fungiert die rechtspopulistische "Bürgerbewegung Pro Köln". Deren Wortführer verbreiten Angst und Schrecken: Mit dem Gebetshaus der Muslime entstehe ein "Zufluchtsort für Extremisten". Zudem drohten Verkehrschaos, Parkplatznot und Lärmbelästigung - etwa durch stündliche Muezzin-Rufe.

Überraschend ist der linke Schriftsteller Ralph Giordano den Rechten beigesprungen: "Stoppt den Bau dieser Moschee! Es ist ein falsches Signal", sagte der jüdische Autor und Holocaust-Überlebende. "Die Integration der muslimischen Minderheit ist gescheitert."

Im Großraum Köln leben 120.000 Muslime. Alle großen Parteien im Stadtrat befürworten mehrheitlich den Bau einer repräsentativen Moschee in der Domstadt. Architekt ist der bekannte Kirchenbaumeister Paul Böhm. Das von ihm entworfene Gotteshaus überwölbt eine aufwendige 17 Meter hohe Kuppel, weithin sichtbar ragen zwei 55 Meter hohe Minarette heraus. Dies sei "keine Replik einer osmanischen Baukultur", sondern "ein modern dastehendes Bauwerk", verteidigte Böhm seine Architektur bei der Bürgeranhörung.

Doch bei vielen Anliegern bleibt Befremden. Die Minarette ähnelten "Raketen", schimpfte eine Kölnerin. "Die haben nichts Rheinisches, nichts Gemütliches". Andere fühlen sich bei dem Bau an "ein Atomkraftwerk" oder einen "Science-Fiction-Tempel" erinnert.

Aber den meisten Kritikern geht es um mehr als Geschmacksfragen. Bei der Bürgeranhörung meldet sich ein junger Mann zu Wort, der sich selbst "einen Konservativen" nennt. Für ihn hat die Moschee an einer der vielbefahrenen Kölner Hauptverkehrsstraßen keinen Platz. "Dieses Land ist unser Deutschland. Wir dürfen unsere Heimat so gestalten, wie wir uns zu Hause fühlen", ruft er erregt in die Aula. "Nächstenliebe ist nicht das Gleiche wie Naivität." Ein anderer Kritiker, der sich von den Rechten ausdrücklich distanziert, hält den großzügigen Moscheebau "für eine Machtdemonstration einer totalitären Religion".

Im Gegensatz dazu treten Vertreter der Gewerkschaften und Jungsozialisten dafür ein, dass die Muslime in Köln endlich "vom Hinterhof ins gläserne Gemeindezentrum kommen". Manche schwärmen gar von einer "neuen Touristen-Attraktion". Im Umfeld der Moschee soll auf insgesamt 20000 Quadratmetern bebauter Fläche ein weitläufiges Kultur- und Einkaufszentrum entstehen. "Nur zehn Prozent des Gebäudes sind Gebetsraum", sagt Architekt Böhm. Schon spottet der Ehrenfelder CDU-Chef Jörg Uckermann, ein eingefleischter Moschee-Gegner, über ein "islamisches Disneyland".