Kölner DomLügen spart Geld

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Der Kölner Dom in seiner ganzen christlichen Wucht. Mit jährlich etwa sechs Millionen Gästen ist er das meistbesuchte Touristenziel Deutschlands.
Der Kölner Dom in seiner ganzen christlichen Wucht. Mit jährlich etwa sechs Millionen Gästen ist er das meistbesuchte Touristenziel Deutschlands. Rolf Vennenbernd/dpa

Der Kölner Dom kostet künftig zwölf Euro Eintritt. Es sei denn, man sagt: „Ich möchte beten.“ Wir haben den Vorsitzenden des Atheistenbundes gefragt: Würden Sie diesen Satz über Ihre Lippen bringen?

Interview von Martin Zips

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Vom 1. Juli an müssen Touristen zwölf Euro Eintritt für den Kölner Dom bezahlen. Gläubige und Betende oder solche, die vorgeben, gläubig und betwillig zu sein, kommen hingegen gratis rein. Rainer Ponitka, 60, Vorsitzender des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und damit quasi der oberste Nichtgläubige, betet nie. Was sagt er dazu?

SZ: Herr Ponitka, wann waren Sie das letzte Mal im Kölner Dom?

Rainer Ponitka: Vor etwa 18 Jahren war ich mal dort, mit meinem damals noch jungen Sohn. Wir sind den Turm hoch, weil man dort über die ganze Stadt schauen kann. Im Innenraum waren wir gar nicht, soweit ich mich erinnere. Nur in der Schatzkammer. Das war natürlich toll.

Ihnen hat der Dom gefallen?

Ja, klar. Ich hab mal als Veranstaltungstechniker und Lichtdesigner gearbeitet. Da hab ich den Kölner Dom sogar von außen beleuchten dürfen, ich glaube, das war zur 700-Jahr-Feier. Was der unter der Erde für Stromanlagen hat! Sehr beeindruckend und toll gewartet.

Herr Ponitka, das Kirchengebäude zählt sechs Millionen Besucher pro Jahr und kostet jährlich zwölf Millionen Euro Unterhalt. Da ist es doch ganz vernünftig, ab 1. Juli zwölf Euro Eintritt zu verlangen, nicht?

Nö, das finde ich nicht gut. Der Staat, also wir alle, zahlt ja eh schon einiges für den Erhalt des denkmalgeschützten Bauwerks. Was soll da noch eine Gebühr?

Um gratis reinzukommen, müssen Sie am Eingang lediglich behaupten: „Ich möchte beten.“ Würden Sie diesen Satz denn als Vorstand des „Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten“, also als überzeugter Nichtgläubiger, über Ihre Lippen bringen?

Ja, klar. Warum denn nicht? Wenn ich da rein will, aber die zwölf Euro nicht habe oder nicht zahlen möchte, wieso sollte ich den Satz nicht sagen?

Rainer Ponitka ist im Alter von 15 Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil er nicht an außerweltliche Mächte glaubt.
Rainer Ponitka ist im Alter von 15 Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil er nicht an außerweltliche Mächte glaubt. Björn Daheim

Na ja, vielleicht, weil es sich dabei um so eine Art Täuschungsmanöver handeln könnte. Aus christlicher Sicht: eine moralische Verfehlung.

Och, ja. Die ganze Kirchengeschichte ist doch voller Sünden. Und trotz hoher Austrittszahlen dürfte die Institution sicher noch genügend Geld haben, um auch den Dom weiter zu unterhalten. Die sagen ja nicht: Schaut mal, wir haben hier ein kulturell bedeutendes Bauwerk, dafür müssen wir Eintritt verlangen, also so wie im Louvre. Die sagen: Bei uns kann man beten, das ist eine Kultstätte, da ist jeder willkommen. Warum sollte man davon keinen Gebrauch machen? Ich fände es auch legitim, sich als Atheist einfach in den Gottesdienst zu setzen, um sich von der Kirchenbank aus einfach nur den Dreikönigsschrein anzuschauen.

Sie brauchen keinen speziellen Ort für Frömmigkeit?

Ich bete nicht. Mit 15 Jahren bin ich aus der katholischen Kirche ausgetreten. Meine Eltern, eine Protestantin und ein Katholik, haben mir völlige Freiheit gelassen. Bis heute kann ich einfach nicht glauben, dass es da eine außerweltliche Macht gibt, die mein Schicksal anders lenken würde, wenn ich fromm wäre. Aber klar, es kann natürlich jeder denken, was er will. Nur missionieren sollte man mich nicht.

Wäre es Ihnen grundsätzlich denn auch egal, wenn man ungenutzte Kultstätten an Konzerne, Investoren oder Privatpersonen abgeben würde?

Natürlich fände ich es besser, wenn man aus denen neue Zentren der menschlichen Begegnung machen würde. Aber dann mehr für die Allgemeinheit. Und auch finanziert von ihr.

Weitere Folgen der Serie „Ein Anruf bei …“ finden Sie hier.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir fälschlicherweise von 600 Millionen Besuchern des Kölner Doms im Jahr gesprochen. Richtig sind sechs Millionen Besucher.

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