Köln "Man sah, dass die Polizei nichts ausrichten konnte"

Aus der Menge kam ein junger Kerl auf sie zu und machte anzügliche Bemerkungen. 'Kann ich dir helfen? Ich weiß, dass ich dir helfen kann', sagte er mit starkem Akzent - und machte obszöne Bewegungen mit der Hand. Als sie weggehen wollte, folgte er ihr. Da habe ich sie zu mir gezogen und dem Typen gesagt, dass er sich verpissen soll. Zum Glück war in der Nähe ein Minitrupp Polizisten. Wir gingen in ihre Richtung. Als ich mich umdrehte, war der Typ weg. Letztendlich haben wir gar nicht mit den Beamten gesprochen, man sah schon, dass sie nichts würden ausrichten können. Es sind ja ständig Mädchen und junge Frauen auf die paar Polizisten zugelaufen und haben auf irgendjemanden gezeigt. Die sind hinterher, haben in der Menge aber niemanden erwischt.

Für die Masse an besoffenen Vollidioten waren viel zu wenig Polizisten da! Überall wurden Mädchen beschimpft und begrabscht. Ich habe noch nie so viele heulende Frauen gesehen - Frauen, die so voller Angst waren. Schlimm war, dass ich die ganze Zeit nicht wusste, was eigentlich los war. Zwischenzeitlich dachte ich, es gäbe eine Bombendrohung oder irgendwo sei eine Massenschlägerei. Die Situation war völlig entfesselt. Auch wenn man selbst nicht angegrabscht oder ausgeraubt wurde, fühlte man sich arg bedroht und bedrängt.

Schockierte Männer

Das Schlimmste aber war, dass man niemanden um Hilfe bitten konnte. Da standen nur Männer, die selbst total schockiert waren und versucht haben, ihre Freundinnen zu beschützen oder Männer, die offensichtlich zu dieser Gruppe gehörten, die dich mit höhnischem Blick auslachten.

Die Freundin, die ich treffen wollte, hatte Glück. Sie war mit syrischen Freunden unterwegs und wurde in Ruhe gelassen. Sie ist einfach nur zu ihrem Zug gegangen und glimpflich davon gekommen - abgesehen von Beschimpfungen. Das blonde Mädchen habe ich schließlich im Getümmel verloren. Ich habe keine Ahnung, was ihr passiert ist. Ich weiß auch nicht, ob sie Anzeige erstattet hat - aber ich hoffe es.