Süddeutsche Zeitung

Kölner Hauptbahnhof:Zentralrat der Muslime kritisiert Polizeieinsatz

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"Wir kontrollieren verdächtige Männer in weißen Gewändern. Sie sollen laut Zeugenangaben im Laufschritt den Bahnhof betreten haben": Das schrieb die Kölner Polizei am Dienstagmittag auf Twitter. Es bestehe aber "keine Gefahrensituation". Was genau die Männer verdächtig oder gar gefährlich gemacht haben könnte, blieb unklar. Der Polizeieinsatz sorgt im Nachhinein für Empörung. Auch der Zentralrat der Muslime übte am Mittwoch Kritik am Vorgehen der Polizei.

Offensichtlich hatten mehrere Menschen die Polizei gerufen, weil sie sich vor der Gruppe von zehn Männern fürchteten. Diese waren traditionell gekleidet, ihren eigenen Angaben zufolge, um Eid al-Fitr, das Fest des Fastenbrechens zum Ende des Ramadan, zu feiern. So wie viele unpünktliche Fahrgäste spurteten sie durch den Bahnhof, vermutlich um noch rechtzeitig ihren Zug zu kriegen. Einige Zeugen hörten von den Männern Rufe, die sie als "Allahu Akbar" interpretierten. Das bedeutet übersetzt "Gott ist groß" und wird nicht nur von Islamisten genutzt. Es ist ein aufgeregter Ausruf in vielen Situationen, ähnlich wie bei manchen Christen "Oh Gott".

Der Rheinischen Post zufolge schickte die Leitstelle der Polizei mehrere Streifenwagen los. Beamte sperrten den Ausgang zum Dom und den Vorplatz des Hauptbahnhofs weiträumig ab und überwältigten die Männer.

Am Nachmittag teilte die Polizei Köln dann mit, sie habe "am späten Vormittag zehn junge Männer im Alter von 18 bis 28 Jahren im Kölner Hauptbahnhof festgehalten, nachdem diese laut Zeugenaussagen kurz zuvor auf dem Vorplatz 'Allahu Akbar' gerufen haben sollen. Hierbei trugen sie lange Gewänder mit Westen." Sie seien festgenommen und zur Dienststelle gebracht worden. "Nach den Befragungen und dem derzeitigem Ermittlungsstand besteht gegen die zehn Männer in Bezug auf das beschriebene Verhalten kein strafrechtlicher Vorwurf." Bei einem sei ein Messer entdeckt und beschlagnahmt worden.

Der einstündige Polizeieinsatz wurde von einigen Umstehenden fotografiert und auf Twitter verbreitet. Die vorherrschende Reaktion dort ist Empörung: Die Männer seien grundlos als Terroristen verdächtigt worden, so die Kritik. Es handle sich um Racial Profiling, eine rassistische Polizeimethode. Diese ist in Deutschland rechtswidrig.

Manche Kritiker äußerten Verständnis für die Polizei, dennoch war die allgemeine Kritik deren Unkenntnis muslimischer Bräuche. In der Bundesrepublik leben knapp fünf Millionen Muslime.

Der Zentralrat der Muslime äußerte sich am Mittwoch ebenfalls in einer Mitteilung. "Wir erwarten, dass Polizisten kulturell besser geschult und sensibilisiert werden", sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek. Der Vorfall zeige, dass "rassistisches Profiling" ein ernstzunehmendes Thema bleibe. "Ich hoffe, dass die Polizei sich bei den Betroffenen in aller Form entschuldigt hat und sich selbstkritisch manch eigenen Vorurteilen und Bildern stellt und die richtigen Schlüsse aus dem fehlgeleiteten Einsatz zieht", sagte Mazyek.

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