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Nach Todesfällen:Behörden schließen drei Apotheken in Köln

Ermittlungen: Mutter und Baby sterben an Mittel aus Apotheke

Die Kölner Apotheke, aus der die ums Leben gekommene Mutter das Glukosegemisch erhalten hat.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)
  • Nach zwei Todesfällen durch eine vergiftete Arznei hat das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium die sofortige Schließung von drei Apotheken in Köln angeordnet.
  • Eine junge Mutter und ihr Baby waren nach der Einnahme eines Glukosegemisches gestorben. Die Ermittler fanden einen toxischen Stoff.
  • Die Mordkommission ermittelt in alle Richtungen. Bislang ist unklar, ob Fahrlässigkeit der Grund für die Verunreinigung des Mittels war oder ob jemand vorsätzlich handelte.

Nach zwei Todesfällen durch eine vergiftete Arznei haben die Behörden die sofortige Schließung von drei Apotheken in Köln angeordnet. Es gehe um den vorbeugenden Gesundheitsschutz während der laufenden Ermittlungen, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Eine junge Mutter und ihr Baby waren nach der Einnahme eines Glukosegemisches am 19. September gestorben. Nachdem die Ermittler einen toxischen Stoff in einem Vorratsgefäß für Glucose aus der Apotheke fanden, übernahm die Mordkommission den Fall. Man könne nicht ausschließen, dass weiteres giftiges Material im Umlauf sei, teilte die Polizei mit. "Da eine Gefährdung weiterer Kunden durch von der Apotheke abgegebene Arzneimittel nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, ist die vorübergehende Schließung des gesamten Apothekenbetriebs erforderlich", teilte die Bezirksregierung Köln mit.

Die 28-jährige Frau hatte das Mittel, das in der Heilig-Geist-Apotheke im Stadtteil Longerich hergestellt worden ist, eingenommen. Als es ihr rapide schlechter ging, sei ein Notkaiserschnitt eingeleitet worden, um wenigstens ihr ungeborenes Kind zu retten. Doch die Rettungsversuche blieben erfolglos. Die Mutter starb und kurz nach der Geburt auch das Baby. Die Obduktion ergab, dass beide an multiplem Organversagen starben.

Auch bei einer anderen Frau, die das gleiche Mittel eingenommen hatte, traten schwere gesundheitliche Beschwerden auf. Sie fühlte sich unwohl und brach die Einnahme daraufhin ab. Glukosetests werden nach Informationen der Deutschen Diabetes Gesellschaft durchgeführt, um mögliche Diabetes-Erkrankungen während einer Schwangerschaft erkennen zu können. Nun soll die nordrhein-westfälische Opferschutzbeauftragte den Geschädigten helfen.

Bei dem giftigen Stoff soll es sich um ein Betäubungsmittel handeln

Ein Arzt hatte beide Fälle am vergangenen Donnerstag gemeldet. Polizei und Stadt hatten am Montagabend ausdrücklich davor gewarnt, Mittel mit Glukose einzunehmen, die in der Heilig-Geist-Apotheke in Köln-Longerich zusammengestellt wurden. Patienten, die glukosehaltige Präparate dieser Apotheke besitzen, sollten sie umgehend bei der nächsten Polizeiwache abgeben.

Die Stadt hat der Heilig-Geist-Apotheke vorerst untersagt, selbstproduzierte Medikamente zu verkaufen. Zunächst hatte es geheißen, andere Apotheken seien nicht betroffen. Bei den nun geschlossenen Apotheken handelt es sich um drei Filialen desselben Verbundes. Am Donnerstagmorgen war jedoch mindestens eine der Apotheken noch geöffnet, berichtet ein Reporter der Deutschen Presseagentur. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums konnte das auf SZ-Anfrage zunächst weder bestätigen noch dementieren.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen unbekannt eingeleitet; die Mordkommission ermittelt in alle Richtungen. Bislang ist unklar, ob Fahrlässigkeit der Grund für die Verunreinigung des Mittels war oder ob jemand vorsätzlich handelte. Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien soll es sich bei dem giftigen Stoff um ein Betäubungsmittel handeln. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Stadt Köln wollten das allerdings zunächst nicht kommentieren.

Von der Bezirksregierung hieß es am Donnerstag: "Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte staatsanwaltschaftlich nicht abschließend ermittelt werden, wer die Verantwortung für die Verunreinigung trägt oder ob es sich möglicherweise um eine absichtliche Manipulation handelt."

© SZ.de/dpa/afis
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Apotheke in Köln
:Gift in Glukosemittel 

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