Brandenburg130 Fälle sexuellen Missbrauchs: Klage gegen Kinderarzt in Klinik

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In dieser Klinik im brandenburgischen Rathenow soll ein Arzt in 130 Fällen Kinder sexuell missbraucht haben.
In dieser Klinik im brandenburgischen Rathenow soll ein Arzt in 130 Fällen Kinder sexuell missbraucht haben. Elisa Schu/Elisa Schu/dpa
  • Ein Kinderarzt der Klinik Rathenow wird wegen 130 Fällen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt, viele davon während seines Diensts.
  • Die Taten sollen sich über zwölf Jahre von Dezember 2013 bis November 2025 ereignet haben, der Arzt sitzt seit November in Untersuchungshaft.
  • Die Havelland-Kliniken kündigten eine Überprüfung ihrer Schutzmechanismen an, nachdem das Vier-Augen-Prinzip bei Untersuchungen verletzt worden war.
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Die Staatsanwaltschaft Potsdam wirft dem Arzt vor, seine jungen Patienten sexuell missbraucht zu haben – oft während seines Diensts in der Klinik in Rathenow. Der Mann sitzt seit November in Untersuchungshaft.

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Ein Kinderarzt an der Klinik Rathenow im Havelland in Brandenburg wird wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in 130 Fällen angeklagt. Hierzu zählen unter anderem die Vorwürfe des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Vergewaltigung, viele davon während seines Diensts, wie die Staatsanwaltschaft Potsdam mitteilte. Der Kinderarzt sitzt seit November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Die Dimension der Taten war bislang nicht bekannt. Die Straftaten sollen sich laut Anklagebehörde innerhalb von zwölf Jahren ereignet haben.

Im Januar dieses Jahres war bekannt geworden, dass der Arzt während des Diensts im Krankenhaus in Rathenow westlich von Berlin ein Kind sexuell missbraucht haben soll. Nach der Anzeige der Mutter eines Kindes kam es zu Durchsuchungen der Polizei. Die Ermittler stellten eine Vielzahl von Datenträgern sicher. Die Staatsanwaltschaft prüfte rasch, ob es weitere mutmaßliche Opfer gab. Als Haftgrund wurde auch Wiederholungsgefahr angeführt.

Die angeklagten 130 Straftaten sollen sich innerhalb von zwölf Jahren, im Zeitraum von Anfang Dezember 2013 bis zum 5. November 2025, ereignet haben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. „Einen Großteil der Taten soll der Beschuldigte im Rahmen der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit begangen haben.“

Klinik will ihre Schutzmechanismen für Kinder überprüfen

Die Staatsanwaltschaft hielt sich in dem Fall seit Monaten bedeckt. Zu weiteren Fragen machte die Behörde auch nach Bekanntgabe der Anklageerhebung am Nachmittag keine Angaben und verwies auf das Landgericht Potsdam. Dort hieß es, die Akte liege der Pressestelle noch nicht vor. Weitere Auskünfte könnten erst nach Durchsicht erteilt werden, so eine Sprecherin des Gerichts. Laut Staatsanwaltschaft wurde am 6. Mai Anklage gegen den Kinderarzt erhoben. Der frühere Landesinnenminister René Wilke (SPD) hatte im Januar gesagt, durch sehr zügige polizeiliche Ermittlungsarbeit nach einer Anzeige sei „jemand dingfest gemacht worden, von dem ansonsten weitere Gefahren auch für Kinder ausgegangen wären“.

Die Havelland-Kliniken hatten im Januar bereits angekündigt, ihre Schutzmechanismen zu überprüfen und den Fall mithilfe von Experten aufzuarbeiten. Bei der Untersuchung des Kindes sei das geltende Vier-Augen-Prinzip – wonach zwei Personen anwesend sein müssen – verletzt worden. Angesichts des Missbrauchsverdachts gegen den Kinderarzt wollte sich die Landeskrankenhausgesellschaft mit den Kinderschutzkonzepten aller Kliniken in Brandenburg befassen.

„Die Vorwürfe erschüttern das Vertrauen von Patientinnen und Patienten und ihren Familien“, hatte der Ärztliche Direktor, Mike Lehsnau, gesagt. Eine interne Aufarbeitung sei eingeleitet worden. Es wurde auch ein Hinweistelefon eingerichtet.

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