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Kletterhelme im Test:Mangelnder Kopfschutz

Kletterhelme gehören heute zum Bergsteigen dazu.

(Foto: Birgit Gelder)
  • Beim neuesten Helmtest der Fachzeitschrift Alpin fällt die Hälfte der getesteten Modelle komplett durch, fünf Helme erhielten die Note "mangelhaft".
  • Die Kletterhelme wurden im Labor und beim Praxistest von Kletterern getestet. Die meisten Ausreißer zeigten sich bei der Festigung der Riemen und Verschlüsse.
  • Die Modelle "Storm" von Camp, "Wall Rider Mips" von Mammut und "Meteor" von Petzl erhalten die Note "sehr gut".

Ein Helm gehört zum Klettern wie der Schläger zum Golf, aber lange Zeit war es üblich, oben ohne zu klettern. Bergsteiger trugen in der Frühzeit des Alpinismus allenfalls Wollmützen oder Filzhüte, unter die man Socken oder Zeitungspapier stopfte - diese Knautschzone half bei Steinschlag allerdings nicht besonders viel. Der erste Kletterhelm kam im Herbst 1955 auf den Markt, eine Art eierschalenförmiger Kunststoffdeckel, der anfangs doch ziemlich belächelt wurde. Heutige Kletterhelme bringen gerade mal um die 200 Gramm auf die Waage, die meisten werden im sogenannten In-Mold-Verfahren hergestellt; dabei wird ein Schaum um eine Art Skelett gespritzt, meist Styropor.

Eine dünne Schale aus Polycarbonat schützt den Schaum vor Stößen. Das bietet allerdings nicht immer den optimalen Schutz: Beim neuesten Helmtest der Fachzeitschrift Alpin bekommen einige Hersteller ordentlich eins auf den Deckel. Die Hälfte der getesteten Modelle fiel bei den Sicherheitsprüfungen komplett durch, fünf Helme erhielten die Note "mangelhaft". Grund für die schlechten Noten sind Sicherheitsmängel, die im Fall eines Sturzes für die Gesundheit des Kletterers eine große Gefahr darstellen. "Auch wenn sich die Hersteller besonders in Sachen Gewicht an das technisch Machbare rantasten, muss der Puffer der Produkte so groß sein, dass sie unter allen Umständen und in allen zertifizierten Labors die Mindestanforderung erfüllen", sagt Olaf Perwitzschky, Testredakteur bei Alpin. Alle Helme wurden im Auftrag der Zeitschrift bei Newton, einem zertifizierten Labor in Italien, das auch für den TÜV Nord arbeitet, geprüft. Seit den 1970er-Jahren gibt es Prüfnormen für Bergsteigerhelme.

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Die Norm CE EN 12492 besagt: Ein fünf Kilo schweres Gewicht, das aus zwei Metern Höhe auf den Helm trifft, darf mit nicht mehr als zehn Kilonewton Kraft auf den Prüfkopf einwirken. Die restliche Energie muss der Helm absorbieren. Außerdem überprüfte das Labor, ob sich der Helm mit einer vorgegebenen Kraft nach vorne oder hinten abstreifen lässt sowie die Festigkeit des Verschlusssystems. Für den Praxistest waren mehrere Personen mit den Testhelmen beim Klettern, dabei bewerteten die Tester Passform, Tragekomfort und Belüftung.

Einer der Testhelme, der "Kong" von Kosmos, bestand den Stabilitätstest nicht. Dieses Modell, das auch als Rad-, Ski- und Inlinehelm zugelassen ist, hielt die Kraft beim Steinschlagtest nicht aus und verformte sich zu stark. Die meisten Ausreißer beim Test zeigten sich bei der Festigung der Riemen und Verschlüsse. Bei dieser Prüfung fielen drei der zehn Testhelme durch. Bei den Modellen von Austrialpin und Stubai riss die Befestigung eines Riemens, bei Edelrid brach die zentrale Schließe.

Ein bedenkliches Ergebnis, findet die Alpin-Fachredaktion: "Was bei solchen Ergebnissen Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass diese Produkte nicht im Handel sein dürften, ohne diese Prüfungen bestanden zu haben." Dass man bei extrem geringen Gewicht keine Abstriche bei der Sicherheit machen muss, beweisen die Sieger des Helmtests: Die Modelle "Storm" von Camp, "Wall Rider Mips" von Mammut und "Meteor" von Petzl wiegen jeweils wenig mehr als 200 Gramm und erhielten jeweils die Note "sehr gut".

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