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Kleingarten-Mord in Gifhorn:Eine Frage des Prinzips

Wilfried R. ist ein alteingesessener Gifhorner. Sein Großvater und sein Vater lebten schon hier, und das 7000 Quadratmeter große Gartengrundstück der Reineckes ist seit mehr als hundert Jahren im Familienbesitz. In Gifhorn gibt es vier Kleingärtnervereine. "Ein Stück Heimat", heißt der eine, "Klein, aber mein" ein anderer.

Am östlichen Stadtrand, am Dannenbütteler Weg, liegt das Gelände des Vereins "Vor der Steinriede", 56 Parzellen, sehr gepflegt, schon viermal haben die Steinrieder den Preis für die schönste Kleingartenanlage im Landkreis gewonnen.

Das Grundstück von R. grenzt unmittelbar an das Vereinsgelände der Steinrieder an, käme aber für einen Schönheitspreis eher nicht in Frage. Ursprünglich hatte Wilfried R. sein Grundstück in neun Parzellen unterteilt, die alle verpachtet waren, heute gibt es nur noch eine Pächterin.

Alles ist geregelt

"Die anderen haben das aus Alters-, Todes- oder Gesundheitsgründen aufgegeben", sagt Reinecke. Bis zum Januar 2005 zählte auch die Familie Kaczmarek zu R.s Pächtern. Die kündigten allerdings nicht aus Alters-, Todes- oder Gesundheitsgründen, sondern weil ihre Laube abgebrannt war, mitsamt einigen Dutzend Kaninchen.

Die Kaczmareks waren damals überzeugt, dass R. ihre Hütte angesteckt hatte. Sie bewirtschafteten von da an einen Garten auf dem Grundstück des Nachbarn Karl Heinrich N., direkt gegenüber auf der anderen Seite des grasbewachsenen Zufahrtswegs.

Zu diesem Zeitpunkt war das Verhältnis zwischen Wilfried R. und der Mehrheit seiner Pächter schon zerrüttet. R. hatte die ganze Anlage eigentlich schon längst seinen beiden Kindern übertragen, aber er fühlte sich persönlich ganz entschieden zuständig für die Einhaltung von Ruhe, Sauberkeit und allen gesetzlichen Vorschriften, von den Kleingartengesetzen des Bundes und des Landes Niedersachsen bis zur Straßenverkehrsordnung.

Man glaubt ja gar nicht, was da alles geregelt ist: die maximale Größe des Gartens (400 Quadratmeter) und der darin errichteten Laube (24 Quadratmeter), die Höhe der Bäume (vier Meter), die Tierhaltung und sogar die Aufteilung in Nutz- und Ziergartenfläche.

Eine Frage des Prinzips

Die Kaczmareks und andere, klagt Wilfried R., hätten sich da äußerst renitent gezeigt. Die Lauben zu groß, die Bäume zu hoch, zu viele Kaninchen. Und wenn er die Einhaltung der Vorschriften angemahnt habe, hätten sie ihm bedeutet, er solle abhauen, das gehe ihn überhaupt nichts an.

Am schlimmsten aber war die Sache mit dem Zufahrtsweg. Die Grundstücke von Wilfried Reinecke und des Nachbarn N. werden von einem knapp vier Meter breiten, grasbewachsenen Weg erschlossen. Auf diesem Weg nun pflegten die Kaczmareks und andere ihre Autos abzustellen, und das trieb Wilfried R. zur Weißglut.

Eigentlich störten die Autos nicht, es gab auch mehrere in die Gärten hinein angelegte Parkbuchten, aber für R. war das eine Frage des Prinzips. Autos gehörten da nicht hin. Er hat es denen wieder und wieder gesagt, aber es nützte nichts. Also hat er eine Schranke angebracht, und die Pächter mussten für 15 Euro einen Schlüssel kaufen. Der junge Kaczmarek, sagt R., sei aber immer über die Schranke geklettert. Neunmal habe er sie reparieren müssen, dann habe er sie wieder abgebaut und stattdessen einen massiven Poller in die Mitte der Einfahrt gesetzt.