Klagen gegen den US-Präsidenten Dreifacher Ärger für Donald Trump

Von links nach rechts: Stephanie Clifford, Karen McDougal und Summer Zervos.

(Foto: dpa)
  • Summer Zervos wirft Donald Trump vor, sie sexuell belästigt zu haben, als sie 2007 Kandidatin in seiner Fernsehshow "The Apprentice" war.
  • Das ehemalige Playboy-Model Karen McDougal und die Pornodarstellerin Stephanie Clifford klagen gegen Schweige-Deals, die ihnen verbieten, öffentlich über ihre mutmaßlichen Affären mit Trump zu sprechen.
  • Der Streit zwischen Clifford und Trump steht kurz vor der Eskalation: Grund ist ein Interview mit ihr, das am Sonntag ausgestrahlt werden soll.
Von Hubert Wetzel, Washington

Als Donald Trump noch Immobilienunternehmer in Manhattan sowie Gastgeber einer Fernsehshow war, gab es zwei Konstanten in seinem Leben. Zum einen hat er dauernd Prozesse geführt. Zum anderen hatte er immer wieder Sex mit Frauen, mit denen er nicht verheiratet war. Insofern ist es kaum überraschend, dass Trump es jetzt auch als US-Präsident gleich mit mehreren Frauen zu tun hat, die ihre Affären mit ihm oder seine unerwünschten Annäherungsversuche nun öffentlich in Gerichtssälen ausbreiten.

Am Dienstag musste Trump eine Niederlage einstecken. In New York stellte ein Gericht fest, dass Summer Zervos das Recht hat, den amtierenden Präsidenten der USA wegen sexueller Belästigung zu verklagen. Zervos war vor einigen Jahren Kandidatin bei Trumps Fernsehshow "The Apprentice". Sie wirft ihm vor, sie 2007 begrapscht, sexuell bedrängt und gegen ihren Willen geküsst zu haben. Trump leugnet das, hat aber seine Drohung, Zervos wegen Verleumdung zu verklagen, bisher nicht wahr gemacht.

In solchen Privatdingen genießen Präsidenten keine Immunität

Das kann auch daran liegen, dass der Präsident dann unter Eid hätte aussagen müssen. Genau das wollte Zervos durch ihre Klage erreichen. Ihre Anwälte dürfen nach dem Urteil vom Dienstag belastendes Material gegen Trump sammeln und eventuell auch den Präsidenten persönlich befragen. Das Gericht fällte sein Urteil passenderweise auf der Grundlage einer alten Entscheidung des Verfassungsgerichts. Dieses hatte 1997 mit Blick auf Bill Clinton festgestellt, dass Präsidenten in solchen Privatdingen keine Immunität genießen. Clinton wurde damals von Paula Jones wegen sexueller Belästigung verklagt.

Ebenfalls am Dienstag beantragte das ehemalige Playboy-Model Karen McDougal vor einem Gericht in Los Angeles, ein Abkommen für nichtig zu erklären, das ihr de facto verbietet, öffentlich über eine angeblich zehnmonatige Affäre mit Trump im Jahr 2006 zu sprechen. McDougal hatte ihre Geschichte für 150 000 Dollar - angesichts des heutigen Marktwerts des Materials eine eher niedrige Summe - an den Verlag American Media verkauft, der das Boulevardblatt National Enquirer herausgibt. Statt die Geschichte zu veröffentlichen, begrub der Verlag sie jedoch, angeblich in Zusammenarbeit mit Trump. Nun will McDougal in einem Prozess die Erlaubnis erstreiten, auch mit anderen Medien über ihre Affäre sprechen zu dürfen.

McDougals Prozess ähnelt dem Verfahren, das auch Stephanie Clifford gegen Trump angestrengt hat. Die Pornodarstellerin - bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Stormy Daniels - hat nach eigenen Angaben vor mehr als zehn Jahren eine Nacht mit Trump verbracht und geht nun gerichtlich gegen ein Stillhalteabkommen vor. Darin hatte sie sich 2016 gegen Zahlung von 130 000 Dollar dazu verpflichtet, nicht über diese Affäre mit Trump zu sprechen. Auch das war im Rückblick wohl ein eher schlechtes Geschäft, heute könnte Clifford deutlich mehr mit ihrer Geschichte verdienen. Das Abkommen wurde von einem Anwalt Trumps unterzeichnet, der auch das Geld bezahlte. Clifford will nun von der Schweigeverpflichtung entbunden werden. Sie argumentiert, da Trump das Dokument nicht persönlich unterschrieben habe, sei es ungültig. Zudem steht die Frage im Raum, ob die 130 000 Dollar nicht eine Wahlkampfausgabe gewesen sind, die deklariert hätte werden müssen.

Der Streit zwischen Clifford und Trump steht kurz vor der Eskalation: Der Fernsehsender CBS hat ein Interview mit ihr aufgenommen, das am Sonntagabend ausgestrahlt werden soll. Trumps Anwälte sehen darin bereits einen Bruch der Stillhaltevereinbarung und fordern 20 Millionen Dollar Strafe von Clifford. Zudem versuchen sie, die Sendung des Interviews zu verhindern.

Die politische Relevanz von Trumps Affären ist schwer einzuschätzen. Einerseits bricht dem Präsidenten derzeit die Unterstützung gerade der Frauen weg. Neue Berichte über Seitensprünge könnten diese Entwicklung verstärken und ihm und den Republikanern bei Wahlen schaden.

Andererseits hat Trump bisher alle Enthüllungen über sein moralisch fragwürdiges Privatleben überstanden. Selbst die sexistischsten Bemerkungen haben ihn nicht zu Fall gebracht. Es ist daher zweifelhaft, dass sich sehr viele Wähler draußen im Land wirklich dafür interessieren, mit wem Trump vor zehn Jahren einmal Sex hatte.

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Auch soll kein Schweigegeld an die Frau gezahlt worden sein, sagt die Sprecherin des US-Präsidenten.