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Seenotrettung:Die gescheiterte Mission des Klaas Heufer-Umlauf

Klaas Heufer-Umlauf sammelte Spenden für die Seenotrettung im Mittelmeer.

(Foto: Twitter)

Der Moderator sammelte 300 000 Euro, um ein Schiff zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer zu schicken. Doch die "Golfo Azzurro" durfte nie auslaufen. Eine Recherche wirft nun die Frage auf, ob das Geld verschwendet wurde.

28. Juni 2018, Claus-Peter Reisch, der Skipper des privat betriebenen Seenotrettungsschiffes Lifeline, wird auf Malta verhaftet, das Schiff festgesetzt. In den folgenden Tagen werden zwei berühmte deutsche Persönlichkeiten aktiv. Jan Böhmermann startet einen Aufruf, um Geld für die Rechtskosten des deutschen Aktivisten aufzutreiben. Auch Klaas Heufer-Umlauf meldet sich zu Wort, in einem Video. Es ist der 7. Juli 2018.

Darin fordert der TV-Moderator, dass die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer weitergehen müsse. "Es geht darum, Schiffe zu chartern und einfach auch, völlig egal mal, wie dieser Prozess jetzt gerade verläuft oder wie die Situation gerade ist, weiterzumachen und, inoffiziell von mir aus, wieder rauszufahren und weiterhin Menschen zu retten, weil was soll daran illegal sein?" Zu diesem Zweck ruft er zu Spenden auf und verspricht, er werde "persönlich dafür Sorge tragen, dass das Geld da ankommt, wo es hin muss".

Dieses Versprechen ist es, das Heufer-Umlauf in einer Recherche des österreichischen Medienprojekts Addendum, das über die gemeinnützige Stiftung "Quo Vadis Veritas" von Dietrich Mateschitz finanziert wird, nun zu seinem Nachteil ausgelegt wird. Von einer "Kluft" ist die Rede, "zwischen dem Versprechen, möglichst rasch zu helfen, und dem, was davon in der Realität übrig blieb", heißt es. "Warnungen, die die Mission gefährden könnten", seien "erst bagatellisiert und später ignoriert" worden. In einem Interview mit dem Medienblog Übermedien sagt Heufer-Umlauf, heute würde er wahrscheinlich "mit einem größeren Bewusstsein für das Risiko" an die Sache herangehen. "Aber das ändert nichts daran, dass ich es wieder tun würde."

Was ist passiert? Klaas Heufer-Umlauf sammelte über das Portal leetchi.com von 7428 Spendern insgesamt 297 036 Euro ein. Ein Rettungsschiff lief allerdings nie aus. Diese Zahlen, über die Addendum berichtet, sind unwidersprochen. Der Verein Civilfleet, der nach der Spendenaktion gegründet wurde, bestätigt sie in einer umfangreichen Stellungnahme. Die Interpretationen darüber, wie das Scheitern der Mission letztlich vonstattenging, fallen sehr unterschiedlich aus.

Im Oktober 2018, einige Wochen nach der Spendenaktion, teilte Civilfleet auf seiner Homepage mit, dass man "nun endlich ein Schiff gechartert" habe, "das wir im zentralen Mittelmeer ein paar Monate für Seenotrettungseinsätze nutzen wollen". Im November sollte es demnach losgehen. In der Mitteilung findet sich zudem der Hinweis, dass Panama einem anderen Rettungsschiff die Flagge entzogen habe. Auch die von Civilfleet gecharterte und für die Flüchtlingsrettung vorgesehene Golfo Azzurro fuhr unter panamaischer Flagge. Panama fiel in der Folge als Flaggenstaat aus. Das Projekt verzögerte sich, ein neuer Flaggenstaat musste gefunden und das Schiff neu registriert werden. Ein Vorgang, der als sehr aufwendig und kostenintensiv gilt.

Addendum beruft sich auf einen anonymen Insider, der sagt, dies hätte "der logische Zeitpunkt für Civilfleet sein müssen, um aus dem Projekt noch vergleichsweise unbeschadet auszusteigen und hohe Folgekosten zu vermeiden". Dass die Verantwortlichen nicht aufgaben, habe "in den folgenden Monaten einen wahren Ausgabemarathon in Gang" gesetzt, heißt es dort weiter. Dieser Darstellung widerspricht Civilfleet vehement. Auch Heufer-Umlauf verteidigt das Vorgehen: "Zu diesem Zeitpunkt kann man entweder sagen: Lassen wir das jetzt komplett, bevor wir noch mehr verlieren? Oder nutzen wir die letzte Tür, die uns noch offen steht, und versuchen, dass jetzt zu Ende zu machen."

Die letzte Tür war in diesem Fall der Inselstaat Vanuatu, unter dessen Flagge die Golfo Azzurro nach dem Ausscheiden Panamas Flüchtlinge aus dem Mittelmeer retten sollte. Doch dieses Unterfangen scheiterte letztlich.

Nun stellt sich natürlich die Frage nach dem Verbleib des gespendeten Geldes. Addendum zufolge belaufen sich die Gesamtkosten des gescheiterten Projektes auf 206 675 Euro, was knapp 70 Prozent der Spendensumme entspricht. Von Civilfleet heißt es, dass für das Jahr 2018 noch keine Abrechnung vorliege. Der Verein teilte mit, dass noch Rückforderungen von Seiten des Eigners ausstünden. Zudem würden Teile des teuren Equipments an Bord - es wurden eine Krankenstation sowie Sanitär- und Versorgungsstationen eingerichtet - bereits von anderen NGOs genutzt.

Klaas Heufer-Umlauf verweist auf ein Speedboot, das für das Rettungsschiff See-Eye 3 organisiert worden sei und das "aktiv Seenotrettung betrieben hat". Außerdem sei eine Mission von See-Eye bezahlt worden, "die ohne uns nicht stattgefunden hätte und bei der vor Weihnachten Dutzende Menschen gerettet wurden". Das Geld sei "dahingegangen, wo man es nach bestem Wissen und Gewissen investieren muss, um das zu erreichen, was wir versprochen haben". Der TV-Moderator zeigte sich überrascht, "wie systematisch Lebensrettern das Leben schwer gemacht" werde.