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Massaker in US-Kirche:Angehörige vergeben Attentäter von Charleston

Vigil after mass shooting in Charleston USA

Menschen trauern vor der Methodistenkirche in Charleston, in der neun Menschen getötet wurden.

(Foto: dpa)
  • Bei der ersten Anhörung des mutmaßlichen Täters von Charleston, Dylann Roof, haben mehrere Angehörige der neun Todesopfer dem 21-Jährigen vergeben.
  • Der Richter sorgte mit einer persönlichen Erklärung für Irritationen: Darin verglich er das Schicksal der Opfer mit dem Leid, das die Familie des Täters derzeit erfahre.
  • US-Präsident Obama äußerte seine Bewunderung für die Reaktion der Angehörigen und forderte erneut eine Verschärfung der Waffengesetze.
  • Roof soll am Mittwoch in einer Methodistenkirche in Charleston neun Afroamerikaner erschossen haben. Justizministerium und FBI ermitteln.

Angehörige vergeben Täter

Nach dem Massaker in einer US-Kirche haben einige Angehörige der Toten dem mutmaßlichen Täter öffentlich vergeben. Die Angehörigen durften sich überraschend am Freitag vor dem Haftrichter äußern, als der 21-jährige Dylann Roof per Video zugeschaltet war.

Sie sei zwar böse und traurig, sagte eine Frau, deren Schwester erschossen worden war. Es dürfe aber "keinen Raum für Hass" geben, fügte sie hinzu. "Wir müssen vergeben." "Ich vergebe dir, meine Familie vergibt dir", sagte ein weiterer Angehöriger einer Toten. Die Familien der Opfer würden gerne sehen, dass Roof Reue zeige. "Tue das und dir wird es besser gehen", sagte der Mann. Eine Frau sagte, obwohl ihr Großvater und die anderen Opfer durch eine Tat des Hasses gestorben seien, werde der Hass nicht gewinnen.

Roof, der sich wegen neunfachen Mordes sowie wegen Waffenbesitzes zur Durchführung eines Verbrechens verantworten muss, verfolgte die kurze Prozedur vor dem Haftrichter mit regungsloser Miene.

Richter sorgt für Irritationen

Beim ersten Auftritt des mutmaßlichen Todesschützen vor Gericht sorgte Richter James Gosnell mit einer persönlichen Erklärung für Irritation. Gosnell verglich das Schicksal der neun ermordeten Afroamerikaner mit dem Leid der Angehörigen von Dylann Roof. "Wir haben Opfer, neun an der Zahl", sagte der Richter. "Aber wir haben auch Opfer auf der anderen Seite. Das sind sind Opfer auf der Seite der Familie dieses jungen Mannes."

Die Familie des mutmaßlichen Todesschützen sei einem "Wirbelwind von Ereignissen" ausgesetzt. "Wir müssen (...) jenen helfen, die Opfer sind, aber auch seiner Familie helfen", sagte Gosnell.

Die Familie des mutmaßlichen Todesschützen äußerte ihrerseits Beileid für die Angehörigen der Toten. "Wir sind bestürzt und traurig", schrieben sie in einem in einer Lokalzeitung veröffentlichten Brief. Worte könnten den Schock und die Trauer nicht ausdrücken.

Der Richter legte die Kaution auf eine Million Dollar (880 000 Euro) fest. Ein erster Gerichtstermin wurde auf den 23. Oktober angesetzt.

Obama fordert erneut Verschärfung der Waffengesetze

US-Präsident Barack Obama hat seine Bewunderung für die Reaktion der Angehörigen der Massakeropfer ausgedrückt. Auf einer Spendenveranstaltung in San Francisco sagte Obama, die Antwort der Familien der neun Toten sei "ein Ausdruck von Glauben, der unvorstellbar ist, aber der die Güte des amerikanischen Volkes widerspiegelt".

Der US-Präsident verwies erneut auf einen vermutlich rassistischen Hintergrund des Verbrechens. "Rassismus bleibt ein Übel, das wir gemeinsam bekämpfen müssen." Zugleich kritisierte er die laxen Waffengesetze.

FBI-Ermittlungen wegen Verdacht auf "Verbrechen des Hasses"

Roof, ein Amerikaner weißer Hautfarbe, soll am Mittwoch in einer Methodistenkirche in Charleston während einer Bibelstunde neun Afroamerikaner erschossen haben. Er habe rassistische Sprüche von sich gegeben und das Feuer eröffnet, berichtete eine Überlebende. Das Justizministerium und die Bundespolizei FBI ermitteln wegen des Verdachts eines "Verbrechen des Hasses".

Die Gouverneurin von South Carolina, die Republikanerin Nikki Haley, sprach sich dafür aus, den Täter mit dem Tode zu bestrafen. Ähnlich äußerte sich auch der Bürgermeister von Charleston, Joseph Riley.

US-Medien beschrieben den Täter als Einzelgänger, der 2010 seine Schulausbildung abgebrochen habe. Zuletzt sei er mehrmals mit der Polizei in Konflikt geraten, etwa wegen unerlaubten Besitzes von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Er habe häufig in seinem Auto geschlafen und sei wegen sonderbaren Verhaltens aufgefallen.

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© SZ vom 22.06.2015/jobr
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