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Kirche - München:"Durcheinander": Kardinal Marx kritisiert Vatikan-Papier

Bayern
Kardinal Reinhard Marx. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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München (dpa) - Ein umstrittenes Vatikan-Papier über die Leitung katholischer Kirchengemeinden hat nach Ansicht des Münchner Kardinals Reinhard Marx ein "Durcheinander" ausgelöst. Das Papier sorge dafür, dass "neu Misstrauen gesät, Gräben vertieft werden", sagte der Erzbischof von München und Freising am Freitag in seiner Predigt bei einem Gottesdienst für seinen 1976 gestorbenen Vorgänger, Kardinal Julius Döpfner, in der Münchner Frauenkirche.

Er habe nicht das Gefühl, dass die Belange der Ortskirchen im Vatikan gehört würden, sagte Marx, der bis zu diesem Frühjahr noch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) war: "Man spürt nicht, dass etwas von dem wahrgenommen wurde und das kann nicht gut gelingen." Das Miteinander von Rom und den Ortskirchen müsse "ein neues Miteinander" werden.

Das Schreiben der Kleruskongregation des Vatikans verbietet die Leitung von Pfarrgemeinden durch ein gleichberechtigtes Team von Priestern und Nicht-Klerikern. Außerdem wird die Zusammenlegung von Gemeinden abgesehen von begründeten Ausnahmefällen untersagt. Beides ist aber in Deutschland weit verbreitete Realität, weil es vielfach schlicht keine Priester mehr gibt.

Die DBK hat sich bisher noch nicht zu dem Papier geäußert, einzelne deutsche Bischöfe allerdings schon. "Es wäre besser gewesen, diese Instruktion so nicht zu veröffentlichen, weil sie für die Gemeinschaft der Kirche und ihrem missionarischen Auftrag mehr Schaden als Nutzen bringt", sagte beispielsweise der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bereits am Donnerstag. "Wozu die Kleruskongregation diese Instruktion herausgeben hat, wird nirgends deutlich: Weder Anlass noch Zweck werden ausdrücklich genannt. Das ist ein großes Manko. Es eröffnet Raum für alle möglichen Spekulationen, die Schaden anrichten."

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