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Kirche: Missbrauchsskandal:Eine wenig offene Diskussion

Die hohe Zahl der Opfer zeigt: Das Thema betrifft nicht nur die Jesuiten, nicht nur die katholischen Schulen, sondern die gesamte Kirche. Am Montag beginnt die Frühjahrsversammlung der Bischöfe in Freiburg, dort steht der Umgang mit sexuellem Missbrauch auf der Tagesordnung. Erzbischof Robert Zollitsch, der Bischofskonferenzvorsitzende, will vor diesen Beratungen nicht Stellung nehmen - um der Konferenz nicht vorzugreifen, sagt er.

Es gibt noch einen anderen Grund: Mehrere Bischöfe wünschen offenbar, dass der Vorsitzende endlich etwas gegen die Medienkampagne sagt, die aus ihrer Sicht gegen die Kirche läuft, was wiederum Zollitsch nicht möchte. Diese Bishöfe sehen mittlerweile den Zölibat und die gesamte katholische Sexualmoral an den Pranger gestellt. Wenn der Augsburger Bischof Walter Mixa sagt, auch die sexuelle Revolution sei eine Ursache für Missbrauch, dann hat das zwar den gleichen Erkenntniswert wie die Behauptung, der Zölibat führe direkt zum Missbrauch - aber manchem Bischof spricht das aus dem Herzen.

Eine wenig offene Diskussion

So dürften die Beratungen in Freiburg spannend werden: Ein Teil der Kirchenmänner wünscht, dass die Kirche sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen geißelt, aber alle Fragen nach der Kirchenstruktur oder der katholischen Sexualmoral abwehrt.

Andere Bischöfe halten dagegen Selbstkritik für angebracht: Der Osnabrücker Bischof Franz Josef Bode hat erklärt, man sei zu leichtfertig mit den Tätern umgegangen. Vor allem dürften die Hirten diskutieren, ob die Leitlinien der Bischofskonferenz zum Umgang mit sexuellem Missbrauch überarbeitet werden sollen.

Hier setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Beauftragten der Bistümer für Missbrauchsfälle kirchenunabhängige Personen sein müssen - oft ist das nicht so. Auch könnte die Zusammenarbeit der Kirche mit den Staatsanwaltschaften vorgeschrieben, die Priesterausbildung verbessert werden. Insider rechnen aber damit, dass zunächst nur eine Arbeitsgruppe eingerichtet wird. Die Idee, einen Runden Tisch zum Thema sexuelle Gewalt einzurichten, habe keine Chance.

In der Kirche Maria Regina Martyrium, singen sie an diesem Abend "Schweige und höre". Pater Herwartz bittet, jene hervorzutreten, die über ihre Erlebnisse sprechen möchten. Zwei Männer und drei Frauen verlassen ihre Bank. Was sie sagen, bleibt ihr Geheimnis.