bedeckt München 17°

Kirche - Mainz:Bischofskonferenz erstmals seit 2000 wieder in Mainz

Deutschland
Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Mainz (dpa/lrs) - Die katholische Kirche entscheidet in der kommenden Woche in Mainz über wichtige Weichenstellungen für ihre Zukunft. Die Deutsche Bischofskonferenz wählt auf einer Vollversammlung einen neuen Vorsitzenden, nachdem der Münchner Kardinal Reinhard Marx seinen Rückzug von diesem Amt angekündigt hat. Und sie berät über die weiteren Schritte im Reformprozess des Synodalen Wegs, der gemeinsam mit Laienverbänden beschritten wird. Es ist das erste Mal seit dem Jahr 2000, dass die Bischöfe in Mainz zu einer Vollversammlung zusammenkommen.

Die 68 Mitglieder der Bischofskonferenz - ein Geistlicher hat seine Teilnahme abgesagt - kommen am Montagabend (2.3.) zu einem Eröffnungsgottesdienst im Dom zusammen. Am Tag danach schreiten sie dann zur Wahl des Vorsitzenden und eines Stellvertreters.

Das Statut der Deutschen Bischofskonferenz sieht eine geheime Wahl vor, wobei eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder erforderlich ist. Nach zwei erfolglosen Wahlgängen genügt dann die Mehrheit der anwesenden Mitglieder.

"Wir sind nicht in einer Partei, es gibt keine Kandidaten und keinen Wahlkampf", sagt ein Kirchenmann des Bistums Mainz. Der Verzicht des bisherigen Vorsitzenden Marx habe alle Bischöfe überrascht. In den Tagen danach wurden dem Vernehmen nach etliche Gespräche zur Nachfolge geführt. Einen klaren Favoriten scheint es nicht zu geben, auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf ist trotz seiner erst kurzen Amtszeit seit August 2017 mit Blick auf seine Fähigkeiten als Moderator für den Vorsitz denkbar. Ob jemand seinen oder ganz andere Namen auf einen Zettel für den ersten Wahlgang schreibt, ist völlig offen.

Die Versammlung tagt im Erbacher Hof, wenige Schritte hinter dem Dom. Dort übernachten auch die Bischöfe - mit 73 Zimmern bietet das Tagungsgebäude der katholischen Kirche den Bischöfen ausreichend Platz. Am Mittwoch wird das Schreiben des Papstes zu den Ergebnissen der Amazonas-Synode im Mittelpunkt der Beratungen stehen. Der Brief mit der Überschrift "Querida Amazonia" (Geliebtes Amazonien) hat die Hoffnung gedämpft, dass der Synodale Weg der Kirche in Deutschland zu einem wirklichen Aufbruch mit einer Lockerung der Machtstrukturen und einer Öffnung gegenüber Frauen führen könnte.

Die katholischen Frauenverbände kfd und KDFB wollen in Mainz mehr als 130 000 Unterschriften "für eine geschlechtergerechte und glaubwürdige Kirche" übergeben - an das Präsidium des Synodalen Weges mit Kardinal Marx und dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sowie Thomas Sternberg und Karin Kortmann vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), dem Zusammenschluss der Laienverbände.

"Die Zeiten sind vorbei, in der die Bischöfe hinter verschlossenen Türen über den Zustand und die Zukunft der Kirche sprechen", sagt Christian Weisner von der katholischen Basisbewegung "Wir sind Kirche". Daher sei es auch gut, dass die Bischofskonferenz nicht in einem abgelegenen Kloster, sondern mitten in der Stadt tagen werde. Der Beginn des Synodalen Weges sei eine Zäsur und mache "die gemeinsame Verantwortung der Bischöfe mit dem Kirchenvolk" deutlich - den etwas abfälligen Begriff der Laien vermeidet "Wir sind Kirche".

Die erste Versammlung des Synodalen Weges - Anfang Februar in Frankfurt am Main - sei von einer guten Aufbruchsstimmung erfüllt gewesen, sagt Andrea Keber von der katholischen Frauenbewegung Maria 2.0. Aber das Schreiben des Papstes habe viele ernüchtert. "Große Hoffnung, dass sich wirklich etwas bewegt, habe ich nicht." Die reformfreudigen Frauen wollen den von Kardinal Marx zelebrierten Eröffnungsgottesdienst mitfeiern - "mit einem weißen Schal, um sichtbar zu sein und deutlich zu machen, dass wir weiter da sind".

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite