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Kirche - Limburg an der Lahn:Psychologe kritisiert kirchliche Missbrauchs-Aufarbeitung

Deutschland
Der Psychologe Heiner Keupp gestikuliert während einer Pressekonferenz. Foto: picture alliance / dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Limburg (dpa/lhe) - Die Kirchen haben nach Experten-Einschätzung noch großen Lernbedarf bei der Aufarbeitung der Missbrauchsskandale. "In Fragen der Betroffenenbeteiligung haben die Kirchen noch einen schmerzlichen Lernprozess vor sich", sagte Psychologe Heiner Keupp (77) in einem Interview der "Frankfurter Rundschau" (Dienstag). Er ist Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Zudem gehörte er dem Beirat an für einen große Untersuchung (MHG-Studie) zur Untersuchung der Fälle in der katholischen Kirche.

Mit Blick auf die Aufarbeitung im Bistum Limburg sagte Keupp, die damit betraute Kommission sei von einem Übergewicht an sehr kirchennahen Personen geprägt. Es gebe Stimmen, die eine von der Kirche völlig unabhängige Kommission favorisierten. "Auf jeden Fall sollten die Kirchenleute nicht die Mehrheit haben", sagte Keupp. Und: Es sei bis jetzt offenbar nicht gelungen, Opfer aus dem Bistum für eine Mitarbeit zu gewinnen. Es könne Jahrzehnte dauern, bis die Kirche das verloren gegangene Vertrauen wieder herzustellen vermöge. Es hänge auch davon ab, dass das Bistum Strukturen aufbaue, die glaubhaft seien.

Das Bistum Limburg hatte Mitte Juni ein Projekt vorgestellt, mit dem Vorschläge zur Prävention und Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch umgesetzt werden sollen.

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