SZ-Serie "Ein Anruf bei ...":"Ich kann auch zaubern"

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Kinder-Zahnärztin empfängt ihre kleinen Patienten als Eiskönigin

Sie nennt sich selbst Zahnprinzessin: Anne Heinz (links), Kinderzahnärztin, in ihrer märchenhaften Praxis in Wandlitz, Brandenburg.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Um Kindern die Angst vor dem Zahnarztbesuch zu nehmen, greift Anne Heinz zu einem ungewöhnlichen Mittel: Sie tritt als Eiskönigin Elsa auf.

Interview von Kerstin Lottritz

Zwei Jahre lang hat Anne Heinz ihre erste eigene Praxis für Zahnmedizin geplant und dafür eine siebenstellige Summe investiert. Aber es ist ja auch keine gewöhnliche Praxis: Die 32-Jährige empfängt in Wandlitz in Brandenburg in einem hellblauen Kleid und mit einem Krönchen auf dem Kopf - als Eiskönigin Elsa.

SZ: Frau Heinz, Ihre Zahnarztpraxis nennen Sie Dentiland und sich selbst die Zahnprinzessin des hohen Nordens. Warum geht es bei Ihnen so märchenhaft zu?

Anne Heinz: Als Kind habe ich davon geträumt, nach Disneyland zu fahren, konnte es mir aber finanziell nicht leisten. Vor zweieinhalb Jahren hat mir mein Mann dann eine Reise dorthin geschenkt. Als ich da stand und das strahlende Lachen der Kinder gesehen habe, kam mir die Idee, für kranke Kinder eine märchenhafte Atmosphäre zu schaffen, in der sie genesen können - statt in einer kalten Krankenhausumgebung. Und da ich Kinderzahnärztin bin, habe ich mit der Planung der Kinderzahnarztpraxis angefangen.

Nun haben Sie seit zwei Monaten eine Praxis, in der der Anmeldetresen aus gestapelten Märchenbüchern gebaut, der Wartebereich eine grüne Baumhöhle ist und Sie als Eiskönigin Elsa auftreten. Da dürften die Kinder direkt beim Betreten der Praxis ganz schön staunen.

Die meisten Kinder sind tatsächlich total glücklich. Wir hatten beispielsweise mal ein Kind in der Praxis, dessen Mutter extra vier Stunden angereist ist, weil das Kind so ängstlich war, dass es bei drei anderen Zahnärzten den Mund nicht mehr aufgemacht hat. Nach der völlig problemlosen Behandlung hier fing das Kind dann an zu weinen - weil es ihm so gut bei uns in der Praxis gefallen hat, dass es nicht mehr gehen wollte.

Also braucht es eigentlich nur eine Märchenkulisse, und schon ist die Angst vor dem Zahnarztbesuch weg?

Das ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Für die einen mag schon das märchenhafte Ambiente ausschlaggebend sein, um die Angst zu verlieren, bei den anderen ist es vielleicht der emphatische Umgang der Zahnarzthelferinnen. Wir achten beispielsweise auch darauf, dass es nicht nach Zahnarztpraxis riecht, wenn man reinkommt.

Wie geht denn das?

Mit einem speziellen Duftkonzept. Wir haben gemeinsam mit einer Spezialistin entschieden, welche Duftkomposition wir haben wollen, haben die extra herstellen lassen und verteilen die jeden Tag in unserer Praxis. Und jetzt riecht es hier nach einem frischen Wald.

Welche Tricks haben Sie als Eiskönigin denn noch so auf Lager, um ihre Patienten zur Untersuchung zu bewegen? Also, die echte Elsa kann ja alles zu Eis gefrieren lassen.

Ich kann auch zaubern. Auch meine Mitarbeiter haben einige Tricks auf Lager. Zusätzlich sind wir fit in Hypnose. Ganz oft ist das Zauberwort aber Zeit, auf jedes Kind individuell einzugehen und sie nicht im Zehnminutentakt durchzuschleusen. Das ist das eigentliche Geheimnis.

Und wenn dann doch mal die Tränen kullern?

Dann trösten wir. Eine Träne kann ja auch eine Glücksträne sein, wenn eine Behandlung erfolgreich war und man einfach erleichtert ist. Dann sind wir für die Kinder da.

Da ich Sie am Telefon nicht sehen kann: Tragen Sie denn gerade auch eine Krone?

Jetzt gerade trage ich einen Schlafanzug, weil ich erkältet bin und mich ausruhe. Aber es ist schon so, dass wir immer außergewöhnliche Verkleidungen anhaben, und wenn es die Hygienevorschriften erlauben, dann trage ich auch mein komplettes Elsa-Kostüm, von dem ich zehn Stück im Kleiderschrank habe. Sobald aber eine Behandlung stattfindet, müssen wir uns den Hygienevorschriften anpassen und tragen dann kindgerechte Arztkittel mit Olaf, Elsa oder anderen Comicszenen darauf.

Das Konzept könnte doch auch bei erwachsenen Angstpatienten funktionieren. Wären Sie denn bereit, in die Rolle von James Bond, Lara Croft oder ähnliche Superhelden für Erwachsene zu schlüpfen?

Wir sind derzeit nur auf Kinder spezialisiert, planen aber, das Konzept deutschlandweit zu verbreiten und das dann auch auf erwachsene Angstpatienten auszuweiten. Ich bin übrigens selbst Angstpatientin, weil mir als Kind ein Zahnarzt eine Backpfeife gegeben hat, als ich den Mund nicht aufmachen wollte. Und da ich großer Marvel-Fan bin, wäre ich sofort dabei, wenn es darum ginge, Erwachsene in einem Marvel-Kostüm zu behandeln.

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