Promis Kim Kardashian will unter die Juristen gehen

Offenbar meint die Reality-TV-Darstellerin es wirklich ernst damit, Anwältin zu werden. Wenn nur die lästigen Bücher nicht wären.

Was ist passiert?

Kim Kardashian ist am Ziel. Zumindest nach eigenem Bekunden. Sie wird auf dem Cover der nächsten Ausgabe der US-Vogue zu sehen sein, und zwar ganz alleine. Auf Instagram ließ sie ihre rund 134 Millionen Follower an diesem persönlichen Meilenstein teilhaben. Sie postete zum Beweis eine Fotostrecke und tippte dazu: "Ich habe so lange von diesem Moment geträumt." Eigentlich könnten Worte auch gar nicht zum Ausdruck bringen, was für eine Ehre es sei, erstmals allein auf dem Titel des Magazins zu stehen. Gemeinsam mit Ehemann Kanye West war sie dort schon einmal, im April 2014 (Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour nannte das Cover später "nicht zutiefst geschmackvoll"). Im Heft kann man dann nun nachlesen, was wirklich viele Menschen bewegt: Dass Mrs. Kardashian ein Ziel verfolgt, mit dem man sie bislang eher nicht in Verbindung gebracht hätte - und bei dem es sehr wohl darauf ankommt, Sachverhalte möglichst präzise in Worte fassen zu können: Sie will in nicht allzuferner Zukunft in Kalifornien als Anwältin zugelassen werden.

Kim Kardashian als Jura-Studentin? Nicht ganz.

Das allgemeine Erstaunen über dieses Bekenntnis ist groß. Bereits vergangenen Sommer habe sie eine auf vier Jahre angelegte Ausbildung bei einer Kanzlei in San Francisco begonnen, verriet sie dem für die Titelgeschichte zuständigen Vogue-Reporter. 2022 möchte Kardashian die Anwaltsprüfung ablegen. Einen Hochschulabschluss erwerben muss sie dafür nicht. In einigen wenigen US-Bundesstaaten, Kalifornien ist einer davon, reicht auch die mehrjährige Mitarbeit in einer Kanzlei in Kombination mit dem Besuch begleitender Kurse, um für die Prüfung zugelassen zu werden. Für diese allerdings muss Kardashian büffeln. Eine Prüfung in Kriminalrecht, sagt sie, habe sie schon hinter sich gebracht. Mit 100 von 100 Punkten. "Super easy", alles ganz leicht, sagt sie. Schadensregulierungsrecht hingegen sei schon schwieriger. Wenn nur die dicken Wälzer nicht wären. "Das Lesen macht mich fertig", sagt Kardashian, "es ist so zeitraubend".

Wie kam es zu dem späten Karrierewunsch?

Nicht erst seitdem sie mit Hiphop-Gigant West verheiratet ist, muss sich Kardashian um Geld keine Sorgen machen. Sie selbst ist zur Marke gewordener, ein millionenschweres One-Woman-Unternehmen. Pekuniärer Zwang scheint also nicht der Grund zu sein, warum sich die Älteste von vier Geschwistern nun der Juristerei zuwendet. Sie habe sich den Schritt "sehr genau überlegt", sagt Kardashian der Vogue. Im vorigen Sommer hatte sich die Reality-TV-Darstellerin für die Verkürzung einer lebenslangen Haftstrafe einer Frau eingesetzt, die in den 90er-Jahren im Zusammenhang mit Drogendelikten verurteilt worden war. US-Präsident Donald Trump hatte der Haftverkürzung stattgegeben, die Frau wurde freigelassen. Bei dem Fall arbeitete Kardashian mit der in San Francisco ansässigen Menschenrechtsanwältin Jessica Jackson zusammen. Sie habe damals den Wunsch verspürt, mehr wissen zu wollen, um juristisch mehr ausrichten zu können. Dann habe sie sich für ein Praktikum in der Kanzlei entscheiden.

Vielleicht spielte auch das Vermächtnis ihres Vaters eine Rolle. Wenn Kardashian die Prüfung bestünde, könnte sie in dessen Fußstapfen treten: Robert Kardashian (1944-2003) war als Prominenten-Anwalt tätig und gehörte 1995 zum Verteidigerteam des früheren Footballspielers O. J. Simpson, der im wohl berühmtesten Mordprozess der US-Justizgeschichte freigesprochen wurde.

Erwartet uns jetzt eine grundlegende Verwandlung der Kim K. W.?

Die Vogue schreibt vom "Erwachen der Kim Kardashian West". Und es wäre ja auch tatsächlich wie im Märchen: Ein 38-jähriges Luxus-Dornröschen, das bislang stolz seine besonders großen Kurven in die Kameras hielt, lässt sich von der glamurösen Instagram-Luxus-Welt nicht korrumpieren und geht - wie die meisten anderen Zeitschriftenleserinnen und Leser - von neun bis 17 Uhr einer ganz normalen Arbeit nach. Bislang aber gibt es noch keine Anzeichen dafür, dass sich die Zuschauer der Serie "Keeping Up with the Kardashians" künftig auf Dialoge über Gesetztestexte und Gerichtsakten einstellen müssten. Die Vogue-Homestory lichtet Kim noch immer so ab, wie man sie bislang kannte: Sie räkelt sich, schiebt die Hüfte in Pose, sie posiert mit ihren Kindern in einer blitzblanken Küche. Auf dem Cover zu sehen ist sie mit tropffeuchten Haaren in einem hauteng anliegenden, sehr grobmaschigen Top, das mehr zeigt als verdeckt. Ganz anders als eine Anwaltsrobe.

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