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Promi-Paar:Kim, Kanye, Krise

Mal ein glückliches Paar, mal nicht so, aber immer ein schönes Motiv für die Paparazzi: Kim Kardashian und Ehemann Kanye West.

(Foto: ESBP/STAR MAX)

Kim Kardashian will sich offenbar von Kanye West scheiden lassen. Solche Gerüchte gibt es immer wieder, doch diesmal scheint es wirklich ernst zu sein - weil der unberechenbare Rapper einfach nicht zu ihrem neuen, seriöseren Image passt.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es gibt eine Regel in Hollywood, die jeder kennen sollte, der sich für Gerüchte aus der Welt der Prominenten interessiert: Achte darauf, was Laura Wasser tut. Die Anwältin hat die Scheidungen von Angelina Jolie, Britney Spears, Johnny Depp oder Heidi Klum betreut sowie die Trennung Kim Kardashians von ihrem zweiten Ehemann Kris Humphries. Derzeit kursieren mal wieder Gerüchte um Kardashian, angeblich will sie sich auch von Ehemann Nummer drei, Entertainment-Gesamtkunstwerk Kanye West, scheiden lassen. Normalerweise würde man nun zwei Fragen stellen. Erstens: Was, schon wieder? Und zweitens: Ach, bringt Kanye wohl ein neues Album heraus, oder Kim eine Mode-Kollektion?

Es gibt nun allerdings übereinstimmende Berichte von gemeinhin bestens informierten Medien wie Page Six oder TMZ, dass Wasser seit Sommer für Kardashian arbeite. Der zweite Hinweis, dass zwischen West und Kardashian etwas im Argen liegt, ist deren beharrliches Schweigen. Zwei Menschen, die jedes Detail ihres Lebens auf sozialen Netzwerken protokollieren und die Öffentlichkeit suchen wie die Motten das Licht, bleiben nur dann in der Dunkelheit, wenn sie nicht wollen, dass jemand einen dunklen Fleck entdeckt.

Zur Erinnerung: Kardashian und West sind seit sechs Jahren verheiratet, sie haben die beiden Töchter North (sieben Jahre) und Chicago (zwei) sowie die Söhne Saint (fünf) und Psalm (eins). Streitereien zwischen den beiden sind nicht neu, sie sind regelmäßig in der TV-Show Keeping Up with the Kardashians zu sehen. West lieferte einen der schönsten Momente der Sendung: Kardashian fragt, was denn das Schönste am Elternsein sei. Sie hofft auf eine möglichst philosophische Antwort ihres Mannes, doch der sagt nur, und es kann keine bessere Antwort geben: "Die Kinder."

Wer wissen will, warum die Leute all die Gerüchte um diese Familie für gewöhnlich nicht so ernst nehmen, der sollte noch mal Wests Twitter-Einträge aus dem Sommer betrachten. "Ich will mich scheiden lassen, seit sich Kim mit Meek wegen Gefängnisreform getroffen hat", schrieb er im Juli, gemeint ist der Rapper Meek Mill. Kurz darauf bezeichnete West Schwiegermutter Kris Jenner, die Matriarchin der Familie, in Anlehnung an den nordkoreanischen Präsidenten als "Kris Jong-un" und warf ihr vor, dass die Kardashians sein Leben kontrollieren und ihn in eine psychiatrische Anstalt einweisen wollten.

Der Skandal als Geschäftsmodell

Der gut getimte Skandal gehört sowohl bei West als auch bei den Kardashians zum Geschäftsprinzip. Über Kim Kardashians öffentlich gewordenes Sex-Video mit dem Rapper Ray J vor 13 Jahren sagte Jenner, dass sie das zwar als Mutter schrecklich fände, als Geschäftsfrau jedoch grandios. Und es war sicherlich kein Zufall, dass West im Jahr 2009 bei den MTV Video Music Awards den Rebell der Unterhaltungsbranche gab und auf die Bühne stürmte, um gegen die Nicht-Auszeichnung von Beyoncé zu protestieren. Kurz darauf erschien das Album "My Beautiful Dark Twisted Fantasy", Thema: Kanye als dringend benötigter Rebell der Unterhaltungsbranche.

Jüngster Skandal: die 40-Millionen-Party auf Tahiti zu Kim Kardashians 40. Geburtstag. Die Familie flog inmitten der Pandemie auf eine Privatinsel, um mal so richtig die Sau rauszulassen (und natürlich alles auf den Social-Media-Kanälen zu zeigen), aber das ist auf der Kardashian-Richterskala eher eine Sechs als eine Zehn. Dass sich West dort nur kurz blicken ließ und auch sonst den Großteil seiner Zeit nicht auf dem 78-Millionen-Dollar-Familienanwesen im kalifornischen Calabasas verbringt, sondern auf seiner Ranch im Bundesstaat Wyoming: Kein Anlass zur Sorge, das tut er meist, wenn er an neuer Musik bastelt, er hat am Weihnachtstag das Gospel-Album "Emmanuel" veröffentlicht und weiteres Material angekündigt.

Die Leben der beiden haben nicht besonders viele Berührungspunkte - aber auch das ist nicht ungewöhnlich bei erfolgreichen Promis, weshalb Beobachter gar nicht mal zynisch fragten, ob die beiden nicht aus geschäftlichen Gründen miteinander verheiratet bleiben könnten.

Was ist also diesmal anders? Warum könnte es wirklich ernst sein? Die Reality-TV-Sendung wird nach 20 Spielzeiten eingestellt, Disney vermeldete kürzlich den Wechsel der Familie zum konzerneigenen Portal Hulu; und es heißt nun, dass "verrückt" kein Ausschlusskriterium für einen Künstler sei, ganz im Gegenteil - "psychisch instabil" aber schon.

Im Juli 2020 verkündete Kanye West, dass er für das Amt des US-Präsidenten kandidieren wolle.

(Foto: Lauren Petracca Ipetracca/AP)

West leidet an einer bipolaren Störung, das hat er selbst immer wieder gesagt, er soll jedoch seit Monaten auf Medikation verzichten. Er ist zuletzt mit erratischen Aktionen aufgefallen wie zum Beispiel dem bombastischen Gottesdienst-Konzert "Nebuchadnezzar" im Hollywood Bowl, seiner Freundschaft zu Donald Trump oder der eigenen Kandidatur für die US-Präsidentschaft inklusive eines grotesken Wahlkampfauftritts in kugelsicherer Weste. Er bekam 60 000 Stimmen. Irrelevanz ist schlimm für einen wie Kanye West, der immer wieder behauptet, dass er aufgrund seiner Kreativität noch viel reicher und berühmter sein sollte.

"Ich kenne niemanden, der derart verkorkst ist wie ich und dennoch so erfolgreich", sagte er mal, doch das wird nun zum Problem. Kim Kardashian nämlich will sich vom Berühmt-fürs-Berühmtsein-Image der Familie lösen und weniger an Reality-Formaten und Skandalen beteiligt sein. Sie möchte einen Abschluss in Jura schaffen und als Aktivistin oder gar Politikerin arbeiten. Ihr Thema: Gefängnisreform. Im vergangenen Jahr versuchte sie erfolglos, die Hinrichtung von Brandon Bernard zu verhindern, der vor 20 Jahren wegen Mordes verurteilt worden war, sich jedoch im Gefängnis so positiv entwickelte, dass sich auch Politiker wie Bernie Sanders gegen die Exekution aussprachen.

Die Kardashians sind bekannt dafür, alles dem Erfolg unterzuordnen, und vielleicht sollte man deshalb gar nicht mal so sehr auf die Skandale achten. Kim Kardashian plant gerade eine Neuausrichtung der Karriere, und in dieses Gesamtbild passt keiner, der abstoßende Sachen über Rassismus sagt und sich noch immer nicht von Trump distanziert hat.

Am vergangenen Freitag wurde die letzte Folge von Keeping Up with the Kardashians aufgezeichnet, West war nicht dabei. Am Sonntag besuchte Kardashian einen Gottesdienst, nicht den von West in Wyoming. Es wäre keine Überraschung, wäre bald ein Video zu sehen, auf dem Kardashian beim Mittagessen mit Anwältin Wasser zu sehen ist.

© SZ/nas
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