Drohende Anklage Kevin Spacey meldet sich mit bizarrem Video

Anfang 2019 muss Kevin Spacey (Archivfoto) vor einen Haftrichter in Massachussetts treten.

(Foto: dpa)
  • Sexuelle Nötigung und Körperverletzung eines damals 18-Jährigen - das sind die Vorwürfe, wegen derer der Schauspieler Anfang nächsten Jahres vor Gericht erscheinen muss.
  • Spacey soll am 7. Januar dem Haftrichter im Bezirk Nantucket vorgeführt werden, teilt die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Massachusetts mit.
  • Als Reaktion veröffentlicht der 59-Jährige auf Twitter und Youtube ein Video.

Der Vorfall, um den es geht, liegt mehr als zwei Jahre zurück, nun könnte er für Kevin Spacey ein juristisches Nachspiel haben: Der US-Schauspieler wird wegen des Vorwurfs sexueller Übergriffe vor Gericht zu einer Anhörung erscheinen müssen, teilte die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Massachusetts mit. Spacey soll am 7. Januar 2019 dem Haftrichter im Bezirk Nantucket vorgeführt werden. Ihm wird vorgeworfen, im Juli 2016 in einem Restaurant auf der Insel Nantucket einen 18-Jährigen bedrängt und unsittlich berührt zu haben. Bei einer Verurteilung wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung könnte Spacey bis zu fünf Jahre Gefängnis bekommen.

Kurz nach Bekanntwerden des Vorwurfs brach Spacey sein langes öffentliches Schweigen und meldete sich auf Twitter und YouTube mit einem bizarren Video zu Wort. In dem dreiminütigen Auftritt mimt der frühere "House of Cards"-Star seine TV-Figur, den skrupellosen Politiker Frank Underwood, der offenbar auf Vorwürfe gegen sich reagiert.

"Ihr würdet doch nicht ohne Beweise das Schlimmste glauben und ohne Fakten vorschnell urteilen, oder?", sagt Spacey in die Kamera. Er werde bestimmt nicht den Preis für Dinge zahlen, die er nicht getan habe. Bald werde die "ganze Wahrheit" ans Licht kommen. "Ihr wollt mich zurück", sagt er zudem in dem Video. Es war sein erster Tweet seit Oktober 2017.

Im Herbst 2017 waren zahlreiche Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Spacey vorgebracht worden. Der Erste, der mit Missbrauchsvorwürfen gegen Spacey an die Öffentlichkeit gegangen war, war der Schauspieler Anthony Rapp. Er sagte, er sei im Jahr 1986 als 14-Jähriger von Spacey sexuell bedrängt worden. Spacey entschuldigte sich daraufhin bei Rapp, sagte aber, er könne sich nicht an den Vorfall erinnern.

Der jetzt zur Anklage zugelassene Fall in Massachusetts dreht sich um den damals 18-jährigen Sohn der ehemaligen TV-Moderatorin Heather Unruh. Ihr zufolge soll der Schauspieler den jungen Mann in einem Restaurant auf Nantucket betrunken gemacht und dann unsittlich berührt haben. Ihr Sohn sei aus dem Restaurant geflohen, als Spacey auf Toilette gegangen sei, sagte Unruh. Er habe den Übergriff nicht sofort gemeldet, weil es ihm peinlich gewesen sei.

Gegen Spacey wird weiter wegen des Verdachts auf einen sexuellen Übergriff in Los Angeles ermittelt, der sich 2016 ereignet haben soll. Spacey wird auch sexuelles Fehlverhalten während seiner Zeit als künstlerischer Direktor des Old Vic Theatre in London vorgeworfen.

Spacey ist eine der prominentesten Persönlichkeiten, gegen die im Zuge der #MeToo-Bewegung Vorwürfe erhoben wurden. Die Bewegung wurde durch den Fall des Hollywood-Studiobosses Harvey Weinstein im Oktober 2017 in Gang gesetzt, dem Dutzende Frauen sexuelle Übergriffe vorwarfen.

Der Fall von Kevin Spacey auf Nantucket ist ein seltener Fall von strafrechtlicher Verfolgung in dem Zusammenhang. Viele andere Fälle sind zu alt, um ihnen strafrechtlich nachzugehen. So lehnte es die Staatsanwaltschaft ab, Anklage wegen eines möglichen Vorfalls von 1992 zu erheben, weil die Verjährungsfrist abgelaufen sei.

Der Streaming-Dienst Netflix kündigte im Zuge der Enthüllungen die Zusammenarbeit mit dem Oscar-Preisträger bei der Polit-Serie "House of Cards" auf. Seine Figur Frank Underwood wurde durch den Tod des Protagonisten aus der Serie gestrichen. Die Karriere des Schauspielers liegt seither brach. Nach Angaben einer Sprecherin hatte sich Spacey 2017 in therapeutische Behandlung begeben.

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