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Keine Vergiftung:Ärzte sprechen von "Massenhysterie" an Hamburger Schule

Aufregung, Übelkeit, Magenkrämpfe, Bauchschmerzen: Als Dutzende Schüler der Unter- und Mittelstufe nach einer Feier über Vergiftungserscheinungen klagten, rückten Feuerwehr und Sanitäter mit einem Großaufgebot aus. Doch jetzt geben Ärzte und Polizei Entwarnung.

Eine Massenhysterie hat möglicherweise eine morgendliche Abiparty an einem Gymnasium in Hamburg aus dem Ruder laufen lassen. Die Feier der Abiturienten, die im Rahmen einer Mottowoche stattfand, hatte am Donnerstag einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Jüngere Schüler der Unter- und Mittelstufe hatten über Übelkeit und Bauchschmerzen geklagt. 32 von ihnen wurden in Krankenhäuser gebracht.

"Wir trafen etwa zeitgleich mit der Polizei ein. Den kleinen Kindern war übel, manche Mädchen weinten, einige hielten sich die Bäuche, hatten erweiterte Pupillen. Sie machten einen Eindruck, der nicht normal ist. Wir haben sie behandelt, ihnen Flüssigkeit zu trinken und Infusionen gegeben", sagte Martin Schneider, Sprecher der Feuerwehr Hamburg, der vor Ort war.

Zunächst hatte es geheißen, dass die Schüler Wodka mit Limo getrunken hatten. Nachdem mehr als 30 jüngere Schüler mit Vergiftungserscheinungen in Kliniken gebracht wurden, gaben die Mediziner Entwarnung. "Die Untersuchungen auf Drogen und Alkohol waren negativ. Einige Schüler wiesen Symptome wie vergrößerte Pupillen auf, was auch auf Aufregung zurückzuführen sein könnte", sagte Franz Jürgen Schell von den Asklepios-Kliniken, "Im Raum steht deshalb eine kollektive Massenhysterie."

"Hier darf die Schule kein Risiko eingehen"

Auch im Universitätsklinikum Eppendorf wurde bei Schülern kein Alkohol nachgewiesen. "Ich weiß nur, dass die Kinder hier völlig unauffällig und unbeeinträchtigt waren", sagte Oberärztin Daniela Nolkemper dem NDR. Aber sie seien sehr aufgeregt gewesen und hätten Angst gehabt. Die Ärztin vermutete ebenfalls "eine Massenhysterie". Sie sei möglicherweise durch eine Durchsage der Schulleitung ausgelöst worden, in der es hieß, dass die Feier abgebrochen werde, weil Drogen und Alkohol gefunden worden seien.

Die Polizei hat die Ermittlungen zu dem Vorfall abgeschlossen. Holger Vehren, Sprecher der Polizei Hamburg, sagte: "Bei niemandem wurden Alkohol oder andere Drogen nachgewiesen. Für uns ist der Fall damit erledigt."

Im Namen der Schulbehörde bedankte sich Pressesprecher Peter Albrecht bei der Schulleiterin des Gymnasiums Bondenwald für ihr Krisenmanagement: "Gesundheitliche Probleme dieses Ausmaßes müssen von den Verantwortlichen auf jeden Fall ernst genommen werden. Hier darf die Schule kein Risiko eingehen."

© dpa/jst/feko
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