Katholische Kirche Wieviel Sünde ist erlaubt?

Steht der Zölibat auf der Kippe? Papst Franzsikus hat vorsichtige Änderungen angedeutet.

(Foto: dpa)
  • Salzburgs emeritierter Weihbischof Andreas Laun verglich die Segnung Homosexueller mit der Segnung eines KZ.
  • Wie viel Öffnung braucht oder verträgt die katholische Kirche? Darum geht der Streit im fünften Amtsjahr von Papst Franziskus.
  • Von Montag an treffen sich die katholischen Bischöfe des Landes zur Frühjahrsversammlung in Ingolstadt.
Von Matthias Drobinski

Salzburgs emeritierter Weihbischof Andreas Laun ist berüchtigt dafür, dass ihm schon mal die Worte und der Verstand durchgehen; doch was er auf dem konservativen Internet-Portal kath.net über den Segen für homosexuelle Paare und seine deutschen Amtsbrüder Kardinal Marx und Bischof Bode geschrieben hat, ist jenseits des üblichen Missgriffs. "Den Segen kann man für den Sünder, aber nicht für die Sünde erbitten", findet Laun, und dann: "Also könnte man kein Bordell einweihen, kein KZ oder Waffen segnen, die nicht ausschließlich zur Jagd oder zur legitimen Verteidigung bestimmt sind."

Eine lesbische oder schwule Liebe zu segnen ist so schlimm, wie ein KZ zu segnen - was treibt den 75-jährigen Kirchenmann da? Es ist die Empörung angesichts dessen, was da gerade in der katholischen Kirche geschieht. Anfang des Jahres hat der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode erklärt, er sei dafür, homosexuelle Paare zu segnen; dem hat sich der Münchner Kardinal und Bischofskonferenzvorsitzende Reinhard Marx angeschlossen - was aber nicht mit einem Ja zur Ehe für alle zu verwechseln sei.

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Für konservative Bischöfe ist das dennoch ein Tabubruch. Der von Papst Franziskus geschasste Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sagt: "Wenn ein Priester ein homosexuelles Paar segnet, ist das ein Gräuel an heiliger Stätte."

Wie viel Öffnung braucht oder verträgt die katholische Kirche? Darum geht der Streit im fünften Amtsjahr von Papst Franziskus. Und das nächste Thema wartet schon: Welche Zukunft hat der Zölibat, das Versprechen der katholischen Kleriker, ehelos zu leben? Im Oktober treffen sich die Bischöfe in Rom, um auch über die Frage zu debattieren, wie Priester und Ordensleute gewonnen werden können.

Priestermangel herrscht nicht nur in Deutschland, in Lateinamerika ist er oft noch dramatischer. Es mehren sich die Anzeichen, dass Franziskus die Weihe verheirateter, erfahrener Männer in Ausnahmen akzeptieren wird, wenn mit Priestern allein nicht mehr genügend heilige Messen angeboten werden können.

Die Debatte könnte lebhaft werden

Doch was heißt das für Deutschland? Von Montag an treffen sich die katholischen Bischöfe des Landes zur Frühjahrsversammlung in Ingolstadt und diskutieren auch über diese Frage. Bischöfe wie Franz-Josef Bode können sich eine Lockerung des Zölibats vorstellen (die Weihe von Frauen hat Papst Franziskus dezidiert ausgeschlossen); andere, zum Beispiel Passaus Bischof Stefan Oster oder Regensburgs Rudolf Voderholzer dagegen nicht - für manchen Bischof verbindet sich schließlich die Frage mit der eigenen Lebensentscheidung. Kardinal Marx sagt, er sehe die Debatte kommen - sie dürfe allerdings nicht dazu führen, dass die besondere Lebensform des Priesters infrage gestellt werde.

Die Debatte in Ingolstadt könnte lebhaft werden. Entgleisungen wie die von Weihbischof Laun sind aber eher nicht zu befürchten. Der hat sich am Freitag gegenüber dem Spiegel ein bisschen entschuldigt: Er habe niemanden beleidigen wollen und missachte Homosexuelle nicht - "diese Menschen können ja auch die Heilige Messe besuchen und gesegnet werden".

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