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Katholische Kirche:Weder Armut, noch öbszoner Reichtum

Das Domkapitel, das bislang dort die Ausgaben überwachte, entmachtete er und übertrug die Kontrolle auf ein Dreiergremium, dem enthielt er dann auch die Zahlen vor. Im Grunde genommen darf ein Bischof innerhalb bestimmter Regeln über das Geld des Bischöflichen Stuhls frei verfügen und auch darüber entscheiden, wer ihn kontrolliert. Und die Öffentlichkeit muss über dieses Vermögen schon gar nicht unterrichtet werden.

Die katholische Kirche (wie auch die evangelische) ist im Prinzip niemandem Rechenschaft schuldig außer sich selbst. Das bestimmt das Grundgesetz so, das 1949 die Kirchenartikel der Weimarer Reichsverfassung von 1919 übernahm: Zur Religionsfreiheit gehört, die inneren Angelegenheiten selber regeln zu dürfen. Da darf dann auch nicht der Staat hineinreden, der immerhin die Kirchensteuer eintreibt. Im Jahr 2012 waren das knapp 5,2 Milliarden Euro; ein Rekorderlös, obwohl die Zahl der Gläubigen sinkt. Das meiste davon fließt in die Pfarreien, die Gemeindearbeit. Dorthin, wo die Leute getauft, getraut und beerdigt werden, die Kirche ihren Anhängern am nächsten ist - und wo auch Kirchenverwaltungsräte zumindest ein Mitspracherecht haben, wie das Geld ausgegeben wird.

Doch weil die katholische Kirche niemandem Rechenschaft schuldet, kann letztlich niemand sagen, wie reich sie ist. Die Höhe der Kirchensteuer ist bekannt, die Bistümer veröffentlichen ihre Haushalte; das Erzbistum Köln hat mit fast 940 Millionen Euro den größten, ein mittleres Bistum wie Mainz einen mit 300 Millionen, in Magdeburg sind es nicht einmal 27 Millionen. Hinzu kommen die Staatsleistungen, Ausgleichszahlungen also für die Enteignungen von Kirchenbesitz vor allem durch die Säkularisation von 1803; 2010 erhielten die katholischen Bistümer fast 200 Millionen Euro.

Kirchenvertreter blieben Gegenrechnung schuldig

Doch wie hoch sind zum Bispiel die Rücklagen der Bistümer? Bei dieser Frage wurden bislang die Finanzverantwortlichen schweigsam. Zum einen reden sie nicht gerne über jene Posten, die manchmal mehr über Wohlstand oder Armut der Bistümer aussagen als die Haushalte - die einen können mit Mühe die Pensionszahlungen ihrer Pfarrer absichern, die anderen verfügen Gerüchten zufolge über Milliardenvermögen; und selbst, als sich vor einiger Zeit die Generalvikare trafen, sollen sie, als es um den Besitz des eigenen Bistums ging, wortkarg geworden sein. Und dann weiß oft nicht einmal der Bischof genau, wie reich das Bistum ist, der Besitz ist zersplittert und zerstreut. Das Erzbistum München-Freising zum Bespiel besitzt 5000 Hektar Wald - verteilt allerdings auf 850 verschiedene Rechtsträger.

Einer hat immerhin versucht, in jahrelanger Kleinarbeit das Vermögen der Kirchen zu summieren: Es ist der Publizist und Kirchenkritiker Carsten Frerk. Seinen Schätzungen zufolge verfügen die Kirchen über ein Geldanlagevermögen von 150 Milliarden Euro und ein Grundvermögen von 200 Milliarden Euro. Das klingt gewaltig, doch auch Frerk gibt zu: Teilt man das Geld durch die Summe der von ihm zusammengezählten Rechtsträger, besitzt jeder drei Millionen Euro. Armut ist das nicht, obszöner Reichtum aber auch nicht. Kirchenvertreter halten Frerks Zahlen für zu hoch gegriffen - allein: Eine Gegenrechnung haben sie bislang auch nicht vorgelegt.