Katholische Kirche Papst trifft sich in Irland mit Missbrauchsopfern

  • Im Rahmen seiner Reise zum Weltfamilientreffen nach Irland wird Papst Franzikus auch Opfern sexuellen Missbrauchs begegnen.
  • In einem offenen Brief an die katholische Gemeinde hatte der Papst solche Taten als "abscheulich" bezeichnet.
  • Vertretern irischer Missbrauchsopfer aber auch des irischen Klerus reicht das nicht.

Papst Franziskus will sich am kommenden Wochenende in Irland mit Missbrauchsopfern treffen.

(Foto: REUTERS)

Fast 40 Jahre lang war kein Papst mehr in Irland - mit seinem Besuch am kommenden Wochenende in der irischen Hauptstadt Dublin will Papst Franziskus offenbar einiges nachholen, was lang versäumt worden ist. Wie heute bekannt wurde, wird das Oberhaupt der katholischen Kirche auch Menschen begegnen, die von katholischen Priestern sexuell missbraucht wurden. Vatikan-Sprecher Greg Burke sagte, Franziskus treffe immer Opfer, wenn er Länder besuche, wo Missbrauch "eine Realität" sei. Auch das überwiegend katholische Irland ist immer wieder von Missbrauchsskandalen erschüttert worden.

Zu Wochenbeginn hatte sich der Papst bereits in einem offenen Brief "an alle Christen" gewandt. Darin bezeichnete er sexuellen Missbrauch als "abscheulich" und rief zu Solidarität mit den Opfern auf. Anlass für die Äußerung war der bekanntgewordene langjährige Missbrauch von mehr als 1000 Kindern durch katholische Priester im US-Bundesstaat Pennsylvania.

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Vertreter irischer Missbrauchsopfer haben sich enttäuscht geäußert über den Inhalt des Papst-Briefes. Man habe genug von "bedeutungslosen Entschuldigungen und Solidaritätsbekundungen", wird die Vorsitzende des Selbsthilfevereins One in Four, Maeve Lewis, in irischen Medien zitiert. Man vermisse einen "klaren Aufruf zum Handeln". Der bevorstehende Papstbesuch in Dublin wecke bei vielen dort lebenden Missbrauchsopfern "alte Gefühle von Scham, Erniedrigung, Verzweiflung und Wut", so Lewis. Eine klare Leitlinie und Verpflichtung, wie die Kirche mit historischen Fällen von sexuellem Missbrauch in ihren Institutionen umgeht, wäre "das Mindeste, was sie verdienen", fordert Lewis. Auch Dublins Erzbischof Diarmuid Martin forderte, der Papst müsse in Irland "offen über unsere Vergangenheit, aber auch über unsere Zukunft sprechen". Es reiche nicht, sich nur zu entschuldigen. Ob Franziskus in Irland konkretere Maßnahmen nennt als in seinem Brief, ist indes unsicher.

Wann und mit wie vielen Betroffenen das katholische Kirchenoberhaupt im Rahmen seiner Reise zusammenkommen wird, war bislang nicht bekannt. Der Besuch des Papstes findet im Rahmen des Weltfamilientreffens statt, das an diesem Dienstag beginnt. Wie ein Sprecher mitteilte, werde Papst Franziskus am Samstag in der Kathedrale von Dublin für die Missbrauchsopfer beten. Dort wurde bereits ein Licht für Opfer aufgestellt.

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