Katholische Kirche Neuer Rekord bei Austritten

Im Jahr 2014 traten knapp 218.000 Menschen aus der katholischen Kirche aus.

(Foto: dpa)
  • Noch nie sind in Deutschland so viele Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten wie im vergangenen Jahr. Die Zahl der Austritte belief sich nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz auf 217 716.
  • Damit wurde das bisherige Rekordniveau von 2010, zum Höhepunkt des Missbrauchsskandals (181 193 Austritte), deutlich übertroffen.
  • Als Grund führen Kirchenvertreter auch die Verwirrung um ein neues Einzugsverfahren für die Kirchensteuer auf Kapitalerträge an.

Wie viele Menschen in Deutschland wirklich gläubig sind, ist schwer zu beziffern. Fest steht, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung einer christlichen Religionsgemeinschaft angehört. Doch vor allem die katholischen Kirche verliert immer mehr Mitglieder.

Die deutsche Bischofskonferenz legte in Bonn die Zahlen für 2014 vor. Demnach sind im vergangenen Jahr 217 716 Menschen ausgetreten - knapp 39 000 mehr als im Vorjahr. Damit ist die Zahl der Austritte auf einen Rekordstand gestiegen. Zugleich sank die Zahl der Eintritte und Wiederaufnahmen um mehr als 900 auf gut 9100.

Insgesamt lebten 2014 in Deutschland knapp 24 Millionen Katholiken - das waren 29,5 Prozent der Bevölkerung. 2013 hatte die Zahl der Katholiken noch bei fast 24,2 Millionen gelegen. In den 27 Diözesen und Erzdiözesen kehrten der Bischofskonferenz zufolge im vergangenen Jahr 217 716 Menschen den Rücken. 2013 hatte die Zahl der Kirchenaustritte noch 178 805 betragen.

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Mitgliederschwund in nahezu allen Bistümern

Die meisten Austritte verzeichneten die Statistiker in vier der fünf größten deutschen Diözesen: Im Erzbistum München und Freising waren es 20 552. Allerdings erreichte die Zahl der Austritte in Bayern anders als deutschlandweit nicht den Rekordwert aus dem Jahr 2010.

Im Erzbistum Köln, dem größten deutschen Bistum, verlor die Kirche 19 557, im Erzbistum Freiburg 18 697 und im Bistum Rottenburg-Stuttgart 18 169 Mitglieder. Im Bistum Münster, das mit den vorgenannten zu den größten Bistümern in Deutschland gehört, lag die Zahl der Austritte mit 11 859 niedriger.

Als Erklärung für die vielen Austritte führt der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, an, es handle sich um "persönliche Lebensentscheidungen, die wir in jedem einzelnen Fall zutiefst bedauern, aber auch als freie Entscheidung respektieren". Die katholische Kirche werde sich weiter darum bemühen, dass "viele Menschen in der Gemeinschaft der Kirche Heimat finden oder auch wiederfinden".

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Andere Kirchenvertreter spekulieren, dass bei der Austrittsentscheidung vielfach die Verwirrung um ein neues Einzugsverfahren für die Kirchensteuer auf Kapitalerträge eine Rolle spielt. Seit Anfang 2015 leiten Banken und Sparkassen die Kirchensteuer auf Kapitalerträge oberhalb des Sparerfreibetrags automatisch an die Finanzämter weiter. Viele Menschen hätten fälschlicherweise geglaubt, dass es sich um eine zusätzliche Steuer handle, sagte der Bischof von Münster, Felix Genn.