Katholische Kirche Neuer Missbrauchsvorwurf gegen deutschen Altbischof

Der Hildesheimer Dom.

(Foto: Ole Spata/dpa)

Ein zweiter Mann hat Vorwürfe gegen Heinrich Maria Janssen erhoben. Der vor vielen Jahren verstorbene frühere Bischof von Hildesheim soll ihn im Kindesalter sexuell belästigt haben.

Gegen den ersten deutschen Bischof, der unter dem Verdacht des Kindesmissbrauchs steht, ist ein weiterer Vorwurf bekannt geworden. Der heutige Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer kündigte eine unverzügliche Untersuchung der Vorwürfe an. Experten sollen nun untersuchen, was sich unter Altbischof Heinrich Maria Janssen im Erzbistum Hildesheim zugetragen hat. "Es liegt nahe, dass eine solche mögliche Tat eng mit den seinerzeitigen diözesanen Strukturen in Zusammenhang stand, insbesondere mit den katholischen Kinder- und Jugendheimen in Hildesheim", sagte Wilmer.

Das Bistum teilte am Dienstag mit, Anfang Oktober habe sich ein Mann, der heute Mitte 70 ist, bei Wilmer gemeldet und Janssen sexuellen Missbrauch vorgeworfen. Janssen starb bereits im Jahr 1988. Der Mann habe berichtet, dass er Ende der fünfziger Jahre als Heimkind von Bischof Janssen aufgefordert worden sei, sich nackt vor ihm auszuziehen. Der Bischof habe ihn anschließend mit den Worten weggeschickt, er könne ihn nicht gebrauchen. Zum Bischof gebracht und wieder abgeholt wurde das damalige Heimkind nach seiner Schilderung vom Leiter des damaligen Hildesheimer Kinderheims Bernwardshof, der ihn auch sexuell missbraucht haben soll, ebenso wie ein Priester und ein Kaplan. Die beiden Letzteren seien dem Bistum als Missbrauchstäter bekannt, hieß es. Sie sind ebenfalls bereits tot.

Schon im Jahr 2015 gab es einen ersten Vorwurf gegen Altbischof Janssen. Er soll in der Anfangsphase seiner Amtszeit (1957 bis 1982) einen Messdiener sexuell missbraucht haben. Da sich das mutmaßliche Opfer aber erst nach 50 Jahren meldete, ließen sich trotz intensiver Nachforschungen keine Zeugen mehr ausfindig machen.

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