Katholische Kirche Bischof spricht von "Strukturen des Bösen" in der Kirche

Heiner Wilmer fordert "Wahrheitskommissionen" für die katholische Kirche.

(Foto: dpa)
  • Der neue Hildesheimer Bischof Wilmer fordert tiefgreifende Veränderungen in den Machtstrukturen der katholischen Kirche.
  • In einem Interview sagt er, Machtmissbrauch gehöre zur "DNA der Kirche".
  • Und weiter: Das Problem von sexualisierter Gewalt werde "immer noch nicht ernst genug" genommen.

Mit drastischen Worten hat der neue Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer die katholische Kirche zu einer konsequenteren Aufarbeitung ihres Missbrauchskandals aufgefordert. "Wir nehmen das Problem von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch in der Kirche immer noch nicht ernst genug", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. Es gebe "Strukturen des Bösen". Der Missbrauch von Macht stecke "in der DNA der Kirche".

"Wir können nicht mehr weitermachen wie bisher", sagte der 57-Jährige, der sich in seiner noch jungen Amtszeit als konsequenter Aufklärer im Missbrauchsskandal profiliert hat. Zu notwendigen Änderungen gehört seiner Ansicht nach mehr Partizipation für die Laien. "Um das Böse in der Kirche einzudämmen, brauchen wir eine wirksame Kontrolle der Macht in der Kirche. Wir brauchen Gewaltenteilung, wir brauchen ein System von 'Checks and Balances'."

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Ein zweiter Mann hat Vorwürfe gegen Heinrich Maria Janssen erhoben. Der vor vielen Jahren verstorbene frühere Bischof von Hildesheim soll ihn im Kindesalter sexuell belästigt haben.

Wilmer forderte, in erster Linie Gerechtigkeit für die Opfer des sexuellen Missbrauchs zu schaffen. Ein "klammheimliches Verschwindenlassen in irgendwelchen Schubladen" werde es mit ihm nicht geben. "Wir brauchen auch dringend so etwas wie Wahrheitskommissionen."

"Diese Kirche ist eine sündige Kirche"

Der seit dem 1. September amtierende Wilmer hatte kürzlich von einem Versagen seiner Hildesheimer Amtsvorgänger gesprochen und diese auch namentlich benannt. Gleichzeitig äußerte er sich jetzt aber zurückhaltend zu schon seit Jahren bestehenden Forderungen, das Grab des unter Missbrauchsverdacht stehenden Bischofs Heinrich Maria Janssen aus dem Hildesheimer Dom zu entfernen. "Tote soll man ruhen lassen - ich habe die Sorge, dass dieses schwierige Thema das Bistum spalten könnte."

Bereits 2015 hatte ein Mann dem verstorbenen Bischof Janssen sexuellen Missbrauch vorgeworfen und die Entfernung der sterblichen Überreste aus dem Dom gefordert. Zur Aufklärung der Vorwürfe gegen Janssen hat das Bistum Hildesheim das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung eingeschaltet.

Ende September veröffentlichten Wissenschaftler auf der Herbstvollversammlung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in Fulda eine Studie zum sexuellen Missbrauch durch katholische Amtsträger zwischen 1946 und 2014. Demnach wurden 3677 Minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs, 1670 Kleriker sind der Taten beschuldigt. Wilmer sagte, als Vertreter der "Täterseite" habe auch er Schuld, auch wenn er selbst kein Täter sei. "Wir werden den Glauben an die 'heilige Kirche' in Zukunft nur noch dann redlich bekennen können, wenn wir mitbekennen: Diese Kirche ist auch eine sündige Kirche."

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