Katholische Kirche in den USA:Kirchenobere deckten die Täter

"Priester haben kleine Jungen und Mädchen vergewaltigt. Und die Männer Gottes, die dafür verantwortlich waren, haben nichts dagegen unternommen. Sie haben alles verheimlicht. Jahrzehntelang", schreiben die Ermittler in dem Bericht. Die Täter seien nicht nur geschützt, sondern teilweise sogar befördert worden.

Fünf Jahre lang habe er mit seinem Anliegen immer wieder bei zwei Bischöfen vorgesprochen, erzählt etwa Priester James Faluszczak, der als Kind missbraucht wurde und nun als Zeuge aussagte, der New York Times. "Sie haben mich ignoriert und meine Anschuldigungen heruntergespielt", sagt Faluszczak. "Diese Geheimniskrämerei hat die Täter gedeckt."

Wegen der Verheimlichung können viele Vergehen nun nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden. Einem Gesetz des Bundesstaates Pennsylvania zufolge können Opfer nämlich keine Klage gegen die Kirche mehr einreichen, wenn sie das 30. Lebensjahr überschritten haben. Gegen eine Änderung dieser Regelung wehrt sich die Kirche seit Langem vehement.

Auch der Erzbischof von Washington wurde aus dem Amt entfernt

Die Taten erstrecken sich über einen Zeitraum von 70 Jahren und über das Gebiet von sechs der acht Diözesen im Bundesstaat Pennsylvania. Generalstaatsanwalt Josh Shapiro sagte, ranghohe Kirchenobere in Pennsylvania und im Vatikan hätten die Täter über Jahrzehnte gedeckt. Shapiros Ermittlungen gehören zu den umfangreichsten zum Kindesmissbrauch durch Priester in den Vereinigten Staaten.

Erst im Juni 2018 entfernte die katholische Kirche Kardinal Theodore McCarrick, den damaligen Erzbischof von Washington, aus dem Amt, nachdem Fälle von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen bekannt wurden. Auch in anderen Diözesen wurden in jüngster Zeit Beschuldigungen laut, Kirchenoberhäupter würden sexuellen Missbrauch bewusst unter den Tisch kehren und die Täter schützen.

Etwa zwei Dutzend der Beschuldigten hatten vor Gericht zudem erfolgreich erwirkt, dass ihre Namen in dem nun veröffentlichten Bericht gestrichen beziehungsweise anonymisiert wurden. Selbst da hätten sie mit ihrer Heimlichtuerei noch weitergemacht, sagte Staatsanwalt Shapiro.

Er hofft jedoch, demnächst den vollständigen Bericht inklusive aller Namen an die Öffentlichkeit zu bringen. Für die Opfer wäre es ein wichtiger Schritt zur Bewältigung ihres lebenslangen Traumas.

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