Katholische Kirche Erster Priester im Vatikan outet sich

  • Zum ersten Mal outet sich ein im Vatikan tätiger Priester als homosexuell.
  • Die katholische Kirche enthebt ihn umgehend des Amtes in der Glaubenskongregation.
  • In der am Sonntag beginnenden Familiensynode beraten Hunderte Bischöfe über die Standpunkte der Kirche zu Themen wie Abtreibung, Scheidung und Homosexualität.

Priester Krzysztof Charamsa outet sich

Zu wichtigen und umstrittenen Themen wie Scheidung, Abtreibung oder Homosexualität will die katholische Kirche in ihrer Familiensynode, die von Sonntag an in Rom stattfindet, neue Standpunkte finden. Ein hochrangiger Theologe des Vatikans hat nun einen ganz eigenen Diskussionsbeitrag geleistet - und sich als homosexuell geoutet.

Der polnische Priester Krzysztof Charamsa sagte der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera: "Ich möchte, dass die Kirche und meine Gemeinschaft wissen, wer ich bin: ein homosexueller Priester, glücklich und stolz auf meine eigene Identität." Er sei bereit, die Konsequenzen zu tragen, auch wenn ihn sein Coming-out die berufliche Existenz koste.

Bei einer Pressekonferenz in Rom, bei der ihn sein Partner begleitete, sagte Charamsa, er wolle sich nun "als Anwalt für alle sexuellen Minderheiten und ihre Familien einsetzen, die im Stillen gelitten haben". Zugleich dankte er "unserem fantastischen Papst, der es uns erlaubt hat, wieder an den Dialog zu glauben".

Charamsa stellte ein Zehn-Punkte-Manifest gegen "institutionalisierte Homophobie in der Kirche" vor und kündigte zudem ein Buch über seine Erfahrungen in der Vatikan-Verwaltung an. Diese hatte sich gerade erst von einem Skandal um den Einfluss einer mutmaßlichen "homosexuellen Lobby" unter ranghohen Geistlichen während der Amtszeit von Papst Benedikt XVI. erholt.

Vatikan reagiert erbost

Auf eine Reaktion musste der Priester nicht lange warten. Der Vatikan reagierte prompt und enthob Charamsa seines Amtes in der Glaubenskongregation der Kurie, wo er bislang als Assistenzsekretär tätig war. Charamsas zuständiger Bischof, Ryszard Kasyna, sprach gegenüber Charamsa eine Verwarnung aus, damit dieser "zum Amt Christi" zurückkehre. In einer auf der Webseite der Diözese veröffentlichten Erklärung forderte der Bischof Gläubige auf, für Charamsa zu beten. Dessen Äußerungen stünden im Widerspruch zum Evangelium und der Lehre der katholischen Kirche.

Zugleich verurteilte Vatikansprecher Federico Lombardi Charamsas Äußerungen als "sehr schwerwiegend und unverantwortlich". Er warf dem Priester außerdem vor, mit dem Zeitpunkt seiner Äußerung die Kurie unter ungebührlichen Mediendruck vor der Synode zu setzen.

Diesen hatte der 43-Jährige durchaus beabsichtigt. Sein Ziel sei es, eine "zurückgebliebene" und "paranoide" Kirche zu bewegen. Er wolle die Kirche nicht zerstören, sondern ihr helfen, sagte Charamsa dem Corriere della Serra. Der polnischen Newsweek-Ausgabe sagte er zudem, der Klerus sei "überwiegend homosexuell und traurigerweise auch homophob bis zur Paranoia, weil es an Akzeptanz der eigenen sexuellen Orientierung mangelt".

Sein Coming-out solle ein Appell an die Synode sein, ihr paranoides Handeln gegenüber sexuellen Minderheiten aufzugeben, sagte der Pole der italienischen Tageszeitung. Seiner Meinung nach ist die homosexuelle Liebe eine familiäre Liebe, eine Liebe, die Familie braucht. Überdies habe er das Gefühl, dass er ein "besserer Priester, der bessere Predigten hält", geworden sei, seit er zu seiner Homosexualität stehe.

"Ich weiß, dass die Kirche mich als jemanden ansieht, der seiner Pflicht nicht nachgekommen ist, der sich verloren hat und der noch dazu nicht mit einer Frau, sondern mit einem Mann zusammen ist", sagte Charamsa. Doch die katholische Kirche müsse hinsichtlich gläubiger Homosexueller "die Augen öffnen und verstehen, dass ihre Lösung, totale Abstinenz und ein Leben ohne Liebe zu leben, unmenschlich ist".

Hohe Erwartungen an die Familiensynode

Die Erwartungen vor der Synode zum Thema Ehe und Familie sind hoch. Es werden wegweisende Beschlüsse zum künftigen Kurs der Kirche erwartet, unter anderem zum Umgang mit Geschiedenen und Homosexuellen. Hunderte Bischöfe werden drei Wochen lang über die Themen reden. Welche Folgen die Beratungen haben, wird Papst Franziskus entscheiden.

Der hat sich in der vergangenen Zeit eher zurückhaltend zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften geäußert. Bei seiner Rede vor dem US-Kongress sagte er über das seit Juni geltende Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe: "Grundlegende Beziehungen wie die eigentliche Basis von Ehe und Familie werden in Frage gestellt."

Kurz danach traf er sich mit Kim Davis, der amerikanischen Standesbeamtin, die sich geweigert hatte, ein homosexuelles Paar zu trauen und betonte öffentlich das Recht, Gewissensvorbehalte zu haben. Später teilte der Vatikan mit, das Treffen solle nicht als Unterstützung ihrer Position interpretiert werten.

Am Freitag wiederum traf sich Franziskus mit einem schwulen Paar in der vatikanischen Botschaft in Washington. "Ein rein privates Treffen" sei das gewesen, sagte Vatikan-Sprecher Lombardi.