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Katholische Kirche:Bischofssynode stimmt für Priesterweihe verheirateter Männer in Ausnahmefällen

Der Petersplatz in Rom

(Foto: AP)
  • Mit einem Votum für die Zulassung verheirateter Priester in entlegenen Regionen ist die Amazonas-Synode im Vatikan zu Ende gegangen.
  • Damit soll der extreme Mangel an Priestern in dem Gebiet bekämpft werden.
  • Auch wenn die Teilnehmer betonen, nicht am Zölibat als Ganzes rütteln zu wollen, sprechen Beobachter von einer "Sensation".

Die Bischofssynode im Vatikan hat sich für die Priesterweihe von verheirateten Männern ausgesprochen - allerdings als Ausnahme und beschränkt auf eine einzelne Region. Die Mehrheit der Teilnehmer des Bischofstreffen zu Problemen im Amazonas-Gebiet schlug in Rom vor "Viri probati" - also tugendhafte Männer - in dem Regenwaldgebiet zu katholischen Priestern weihen zu können, auch wenn sie eine Familie haben. So soll der extreme Mangel an Geistlichen in der Region bekämpft werden. Einige Teilnehmer hätten sich auch dafür ausgesprochen, dieses Thema auf "universaler" Ebene anzugehen, heißt es in dem Abschlussdokument.

Der Punkt auf der Tagesordnung hatte für Zündstoff gesorgt. Konservative Kritiker befürchten einen Angriff auf den Zölibat und die Kirche in ihrer Gesamtheit. In dem Abschlussdokument ist der Punkt der mit den meisten Gegenstimmen (41 zu 128). Ausdrücklich wird dabei betont, dass nicht der Zölibat - also die Pflicht zur Ehelosigkeit von Priestern - in Frage gestellt wird. Beobachter sprachen dennoch von einer "Sensation für die katholische Kirche".

Wörtlich heißt es in dem Dokument: "Wir schätzen den Wert des Zölibats als ein Geschenk Gottes (Sacerdotalis Caelibatus Kapitel 1), insofern dieses dem Priester im missionarischen Einsatz erlaubt, sich ganz dem Dienst am Heiligen Volk Gottes zu widmen. Dies fördert die seelsorgerische Hingabe, und wir beten dafür, dass es viele Berufungen gibt, die das ehelose Priestertum leben. Wir wissen, dass diese Disziplin 'zwar nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert ist (...) der Zölibat jedoch in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen ist' (Presbyterorum Ordinis Kapitel 16)."

Papst verfasst eigenes Schreiben

Das Abschlussdokument hat keine bindende Kraft, dient aber dem Papst zur Meinungsbildung im Blick auf ein eigenes Schreiben, das er bis zum Jahresende in Aussicht stellte. Auf der Synode hatten seit dem 6. Oktober 185 Mitglieder, größtenteils Bischöfe, sowie knapp 100 Ordensleute, Experten und Gäste über pastorale Herausforderungen im Amazonasgebiet beraten.

Die Synodenteilnehmer stimmten auch für eine neue Diskussion über Frauen in geistlichen Ämtern. Dabei sprachen sie sich zwar für mehr Frauen in Führungspositionen aus - was das genau bedeutet, bleibt aber schwammig. Stattdessen erinnert das Papier bei der Frage, ob Frauen zu Diakoninnen geweiht werden könnten, an eine Studienkommission, die der Papst schon 2016 dazu eingerichtet hatte. Die Synode wolle sich mit der Kommission austauschen. Über das Abschlussdokument durften nur die Männer abstimmen - was bei den teilnehmenden Frauen Irritationen ausgelöst hatte.

Die Streitthemen Frauen und Priesterweihe für Verheiratete überschatteten das eigentliche Thema der Synode, nämlich die Umweltzerstörung in der Amazonas-Region, die Abholzung des Regenwaldes und die Ausbeutung indigener Völker. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, betonte, die Debatte über die Synode dürfe nicht auf das Thema der "Viri probati" beschränkt werden. Das Überleben der Menschheit stehe im Zentrum. "Es ist Zeit zu handeln, wenn es um die Zukunft der Menschheit geht, der Erde", sagte er. Er empfinde die Synode "als Impuls weiterzudenken, sowohl in der ökologischen als auch in der pastoralen Frage".

© SZ.de/dpa/KNA/epd/jael
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