Karriere-Frau in Moskau "Ich weiß, dass sie Putins Tochter ist"

Katerina Tichonowa, einst Jekaterina Putina (Archivbild von einem Tanzwettbewerb im Jahr 2014).

(Foto: imago/Eastnews)

Mehrere Zeugen bestätigen: Katerina Tichonowa ist die Tochter des russischen Präsidenten.

Von Julian Hans, Moskau

Wer hätte damals gedacht, dass es das große Los bedeutet, 1986 in Dresden in diese eigenartige Hausgemeinschaft hineingeboren zu werden? Radeberger Straße 104, Stasi-Viertel. Dort waren auch eine Handvoll KGB-Agenten untergebracht.

100 Dollar Auslandszuschlag bekam die Familie Putin. Als sie sich nach der Wende auf den Heimweg nach Sankt Petersburg machte, war eine gebrauchte Waschmaschine der einzige Schatz, den sie mitbrachte.

Als unendlich wertvoller sollte sich das Netzwerk erweisen, das sich in den Jahren an der Elbe gebildet hatte. Man findet seine Mitglieder heute an der Spitze von russischen Staatsunternehmen, Banken und in Person von Wladimir Putin an der Spitze des russischen Staates selbst.

Wenn Posten und Privates sich vermischen

Lange war wenig bekannt über Putins Töchter Maria, geboren 1985 in Leningrad, und Jekaterina, die ein Jahr später in Dresden zur Welt kam. Beide besuchten die Deutsche Schule Moskau, danach verliert sich ihre Spur. Die Familie geht die Öffentlichkeit auch nichts an - solange ein Politiker nicht Posten und Privates vermischt.

Ein solcher Verdacht fiel Anfang des Jahres auf Jekaterina. Die Frau, die unter dem Namen Katerina Tichonowa ein Großprojekt zur Erweiterung der Moskauer Lomonosow-Universität leite, sei niemand anderes als Putins Tochter, argumentierte im Januar der Journalist Oleg Kaschin.

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Es handle sich um die gleiche Person, die an internationalen Tanzwettbewerben teilnimmt, Vizepräsidentin der World Rock'n'Roll Confederation ist und von der schon lange gesagt wird, sie sei die Tochter des Präsidenten. Den letzten Beweis blieb Kaschin damals aber schuldig.

Was ehemalige Schulkameraden sagen

Reporter der Agentur Reuters liefern ihn jetzt nach. Andrej Akimow, stellvertretender Vorsitzender der Gazprombank, sagte ihnen: "Ich weiß, dass sie Putins Tochter ist."

Auch ehemalige Lehrer, Schüler und Eltern, die Jekaterina Putina aus deren Zeit an der Deutschen Schule Moskau kennen, sagen, dass es sich bei Tichonowa um die Schülerin von damals handele. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow sagte, er verfüge über "keine Informationen".

Herrin über ein Milliardenbudget

Die 29-jährige Tichonowa ist Direktorin zweier Stiftungen, die mit einem Budget von 1,7 Milliarden Dollar ein Projekt namens Innopraktika betreiben. Im Verwaltungsrat sitzen unter anderem: Nikolaj Tokarew, einst KGB-Mann in Dresden, heute Präsident des staatlichen Pipeline-Betreibers Transneft; Sergej Tschemesow, einst KGB-Mann in Dresden, heute Chef der Rüstungsholding Rostec; Igor Setschin, KGB-Mann aus Petersburg, heute Chef des staatlichen Ölkonzerns Rosneft. Sowie Akimow, der das Zitat später dementierte. Reuters ist freilich bereit, die Aufnahme des Gesprächs zu veröffentlichen.

Liiert ist Tichonowa mit Kirill Schalamow, Sohn von Putins Freund Nikolaj Schalamow. Der 33-jährige Kirill besitzt 21 Prozent am Ölunternehmen Sibur. Die hat er von Gennadij Timtschenko gekauft, ebenfalls ein alter Freund Putins. Wert: zwei Milliarden Dollar.

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