Eltern von "Maddie" bei "Aktenzeichen XY":"Wir brauchen Ihre Hilfe"

Neue Phantombilder bei Suche nach Maddie McCann

Ein Foto der damals dreijährigen Madeleine McCann, das als Fahndungsfoto genutzt wird. Rechts die neuen Phantombilder.

(Foto: dpa)

Mit eindringlichen Worten wendet sich eine erschöpft wirkende Kate McCann an die deutschen Fernsehzuschauer - sechseinhalb Jahre ist es her, dass ihre Tochter Madeleine verschwand. Nun präsentiert eine Sonderausgabe "Aktenzeichen XY" neue Hinweise in dem Fall.

Von Jana Stegemann und Lena Jakat

Den Abend des 3. Mai 2007 wird Kate McCann nie vergessen. An diesem Tag verschwand ihre kleine Tochter Madeleine spurlos. "Maddie" wird das blonde Mädchen von den Medien genannt. Kate McCann hasst diese Abkürzung.

Der Britin und ihrem Mann Gerry ist das Schlimmste widerfahren, was sich Eltern vorstellen können: Sie haben ihr Kind verloren. Und sie wissen bis zum heutigen Tag nicht, was passiert ist. Ob Madeleine lebt oder nicht. Ob sie gelitten hat oder nicht. Ob sie ihre Tochter jemals wieder sehen werden oder nicht. Nur eins steht fest: Die Suche nach ihr geht weiter. An diesem Mittwoch im deutschen Fernsehen, in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY...ungelöst.

In den vergangenen sechs Jahren haben die McCanns Millionen investiert und sind Zehntausende Kilometer geflogen, um ihre Tochter zu finden. In dieser Zeit hat das Kindergesicht mit den weit aufgerissenen Augen, das jetzt hinter Moderator Rudi Cerne prangt, traurige Berühmtheit erlangt. "Wer kennt den Fall nicht?", fragt Cerne. Eine rhetorische Frage.

Das Ehepaar McCann sitzt im Münchner XY-Studio. 7,26 Millionen Zuschauer haben eingeschaltet. Wenn das eigene Kind verschwinde, sagt Gerry McCann, "fühlt sich jede Sekunde an wie eine Stunde, jede Minute wie ein ganzes Leben". Er hält die Hand seiner Frau Kate, die routiniert über ihre verschwundene Tochter spricht, über den Kummer, die Suche der Familie nach Normalität. Wenn die Redewendung auf einen vom Schicksal gezeichneten Menschen auf jemanden zutrifft, dann auf Kate McCann. Die vergangenen sechseinhalb Jahre haben sich tief in das Gesicht der 45-Jährigen gegraben.

"Wir möchten sie finden, und auch den, der sie entführt hat", sagt sie auf Cernes Frage, wie sie mit dem Verdacht umgehe, dass Madeleine vor ihrem Verschwinden womöglich beobachtet wurde. Die eigentliche Frage will sie offenbar nicht beantworten. Die McCanns haben beschlossen, sich auf keine "hätte, wäre, wenn"-Überlegungen mehr einzulassen. "Wir wollen nach vorn sehen", formuliert es Gerry McCann. Die Suche nach Madeleine, sagt er "hält uns am Leben".

Von der europaweiten Medienoffensive - am Montag wurde in der britischen XY-Variante Crimewatch ein Aufruf ausgestrahlt, am Dienstag im niederländischen Fernsehen - erhofft sich Andy Redwood neue Erkenntnisse. Der Chefermittler der Londoner Polizei, der seit 2011 die erneute Überprüfung der Ermittlungsergebnisse leitete, bringt neue Hinweise mit nach München.

Präsentiert werden sie den ZDF-Zuschauern in einem Einspielfilm, einer Collage aus nachgestellten Szenen, Archivbildern, Grafiken und Phantombildern sowie Interviewsequenzen mit den McCanns. Die jüngsten Ermittlungen von Redwood und seinen Kollegen konzentrieren sich auf drei Männer. Zwei große blonde Männer mit Badeshorts, die sich in den Tagen vor Madeleines Verschwinden auffällig verhalten haben sollen. Sie könnten Deutsch oder Niederländisch gesprochen haben. Und dann ist da noch der andere Mann, von dem Scotland Yard zwei recht unterschiedliche Phantombilder veröffentlicht hat. Der Mann wurde mit einem schlafenden Kleinkind im Arm nahe der Ferienanlage gesehen. Madeleines Entführer?

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