In den europäischen Ländern, die sich ein Königshaus leisten, hat dieses zwei Funktionen: Halt und Unterhaltung. Für beides müssen die Monarchen präsent sein. Von der verstorbenen britischen Königin Elisabeth II. ist dazu überliefert, dass sie sich deswegen immer in Bonbonfarben kleidete. Ihre Untertanen müssten sie schließlich sehen können, auch von Weitem, auch in einer Menschenmenge.
Insofern ist es kein kleines Problem, dass das britische Königshaus seinem Volk in diesem Jahr viel zu wenige Gelegenheiten für die beliebte Disziplin des Royal-Watchings gegeben hat. Der Monarch selbst leidet an Krebs und nimmt seit Monaten nur wenige, ausgewählte Termine wahr. Und – für die meisten Fans noch schlimmer – auch Publikumsliebling Kate hat man seit einem halben Jahr nicht gesehen. Im Januar unterzog sich Fürstin Catherine einer nicht näher benannten Operation im Bauchbereich, im März kam heraus: Auch bei ihr ist es Krebs.
Genaueres weiß man bei beiden nicht, was Verschwörungserzähler nicht nur auf Social Media zu Höchstform auflaufen lässt. Ist sie tot? Lässt sie sich scheiden? Oder in Südamerika einer Schönheitsoperation unterziehen? Missglückte PR-Aktionen wie das manipulierte Foto zum britischen Muttertag taten ihr Übriges.
Die traditionelle Parade zum Geburtstag am Samstag sollte daher ein Befreiungsschlag sein. Dort sah man Fürstin Catherine zum ersten Mal seit fast einem halben Jahr wieder öffentlich. Mit ihren drei Kindern Prinz George (10), Prinzessin Charlotte (9) und Prinz Louis (6) fuhr sie in einer Kutsche zur traditionellen „Trooping the Colour“-Parade. Ihr Ehemann Prinz William nahm an der Parade zu Pferd teil. Die Zuschauer begrüßten die Princess of Wales mit großem Jubel.

Mit Tausenden Soldaten in Paradeuniform und Bärenfellmützen feierte Großbritannien an diesem Samstag den Geburtstag von König Charles III. Aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit nahm der Monarch die Parade aber anders als im Vorjahr nicht auf dem Pferd ab. Der 75-Jährige legte die kurze Strecke vom Buckingham-Palast zum Paradeplatz in einer Kutsche zurück.

Für die Präsentation der als „Colour“ bezeichneten Flaggen saß er gemeinsam mit Königin Camilla auf einem Podest. Im vergangenen Jahr saß auch Kate an dieser Stelle, sie ist Ehrenobristin der Irish Guards. In diesem Jahr ließ sie sich dort allerdings vertreten und wohnte der Parade vom Inneren des Buckingham-Palasts aus bei.

Die Zeremonie „Trooping the Colour“ entstand vermutlich zur Regierungszeit von König Charles II. (1660-1685). 1748 wurde festgelegt, dass mit der Parade der offizielle Geburtstag des Königs gefeiert wird. Grund ist vor allem, dass beim Termin im Juni in der Regel besseres Wetter herrscht als bei den tatsächlichen Geburtstagen der Monarchen. Charles III. ist bereits am 14. November 75 Jahre alt geworden.

Doch in diesem Jahr war es in London leider kalt und verregnet, auf dem Paradeplatz bildeten sich Pfützen und Königin Camilla musste ihren Hut wegen des Windes festhalten. Den Soldaten war das aber möglicherweise lieber als so große Hitze wie 2023, als der ARD-Kommentatorin Leontine Gräfin von Schmettow zufolge einige von ihnen unter ihren Bärenfellmützen ohnmächtig wurden.
Eine vollständige Rückkehr zu ihren repräsentativen Pflichten stelle die Teilnahme an der Parade nicht dar, das teilte Fürstin Catherine in ihrer Botschaft vom Freitag mit. Ihre Behandlung dauere an, schrieb die Princess of Wales. „Ich mache gute Fortschritte, aber wie alle wissen, die eine Chemotherapie durchmachen, gibt es gute und schlechte Tage“, erklärte Kate. „An den schlechten Tagen fühlt man sich schwach, müde und muss seinem Körper Ruhe gönnen. Aber an den guten Tagen, wenn man sich stärker fühlt, möchte man das Beste aus seinem Wohlbefinden machen.“ Zumindest auf den Fernsehbildern sah der Samstag wie ein guter Tag aus – für Kate, für die britische Monarchie und für ein Volk, dass sich von den Royals Halt und Unterhaltung wünscht.

