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Katastrophengebiet US-Ostküste:Nach "Sandy" bleibt die Verwüstung

Mehr als 50 Tote, verwüstete Stadtviertel, überschwemmte Landstriche: "Sandy" habe Amerika ins Herz getroffen, sagt Präsident Obama. New Yorks Bürgermeister spricht vom "vielleicht schlimmsten Sturm, den wir je erlebt haben". Bis das öffentliche Leben an der Ostküste vollständig wiederhergestellt ist, wird es wohl noch Tage dauern - wann die verheerenden Schäden des Unwetters beseitigt sind, kann zur Stunde niemand sagen.

"Herzzerreißend" nennt Barack Obama die Folgen von Sandy. Und auch wenn dieser emotionale Begriff sicher kalkuliert ist, eine Woche vor der Wahl - Barack Obama spricht damit wohl vielen Amerikanern aus der Seele. Mit zerstörerischer Kraft ist Sandy über die Ostküste der USA hereingebrochen. Wo der Sturm wütete, sind Land und Leute gezeichnet.

Mehr als 50 Menschen haben jüngsten Angaben zufolge ihr Leben verloren, noch immer werden Personen vermisst. Allein in New York starben nach Angaben von Bürgermeister Michael Bloomberg 18 Menschen. Die New York Times berichtet sogar von 22 registrierten Opfern in der Metropole am Hudson River.

Zwei Opfer ertranken in ihrem Zuhause. Eine Person wurde in ihrem Bett erschlagen, als ein Baum auf die Wohnung stürzte. Eine 23-Jährige erlag den Folgen eines Stromschlags, nachdem sie in eine Pfütze in der Nähe eines abgerissenen Starkstromkabels getreten war.

Vor den zerstörerischen Naturgewalten kapitulierte auch New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg: "Dieses war ein verheerender Sturm, vielleicht der schlimmste, den wir je erlebt haben", sagte er. "Die Natur ist verdammt viel mächtiger, als wir es sind."

Als wären die Auswirkungen von Sandy nicht schlimm genug für die New Yorker, müssen sie sich nach der Katastrophe Kriminellen erwehren. Plünderer seien in den besonders in Mitleidenschaft gezogenen Vierteln Brooklyn und Queens unterwegs, berichtet das Wall Street Journal in seiner Onlineausgabe. Mehrere Personen seien festgenommen worden. Aus Furcht vor Plünderungen hätten mehrere kleine Ortschaften in den Bundesstaaten New Jersey und Virginia vorsorglich nächtliche Ausgangssperren verhängt, berichteten lokale Medien.

Wahrzeichen von Atlantic City in Trümmern

Sturmfluten und heftige Regenfälle überschwemmten ganze Städte. In Atlantic City, dem "Las Vegas der Ostküste", wurde der weltberühmte hölzerne Pier fast vollständig zerstört, geblieben ist ein Trümmerhaufen aus Holzplanken.

Nicht Wasser, sondern Feuer richteten im New Yorker Stadtteil Queens verheerende Schäden an: Auf der dem Viertel vorgelagerten Halbinsel Rockaway fielen ganze Straßenzüge Bränden zum Opfer. Von schmucken Wochenendhäuschen und Bungalows blieben nur verkohlte Gerippe. Auch Manhattan wurde von Sandy schwer getroffen. Niedrig gelegene Gebiete wurden überflutet; im Battery Park, einer Parkanlage am südlichsten Zipfel der Insel, lag der Pegel zeitweise vier Meter über Normal.

Mehr als 8,2 Millionen Menschen an der Ostküste waren zeitweise ohne Strom, bis die Elektrizität überall wiederhergestellt ist, wird es wohl noch Tage dauern. Auch der öffentliche Nahverkehr ist vielerorts weiter gestört.

In New York liefen mehrere U-Bahn-Stationen voll Wasser, wann der normale Betrieb wiederaufgenommen werden kann, ist unklar. Allerdings sollen heute zumindest am wichtigsten Flughafen der Stadt, dem John F. Kennedy Airport, wieder Maschinen starten und landen. Auch der Fährverkehr nach New Jersey läuft teilweise wieder an.

Zwar schwächte sich "Superstorm" Sandy auf seinem Weg über Pennsylvania und den Westen des Staates New York weiter ab. Doch das Jahrhundertunwetter dürfte nach Ansicht von Meteorologen weitere Überschwemmungen und heftigen Regen verursachen.

So warnte der Präsident vor verfrühter Sorglosigkeit: "Der Sturm ist noch nicht vorbei", sagte Obama bei einem Besuch in der Zentrale des Roten Kreuzes in Washington. Angesichts der von Sandy verursachten Schäden verzichtete der Amtsinhaber vorerst auf weitere Wahlkampfauftritte. Zusammen mit Gouverneur Chris Christie will er sich im besonders schwer betroffenen Bundesstaat New Jersey ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung machen.

Experten schätzen den wirtschaftlichen Gesamtschaden des Sturms auf bis zu 50 Milliarden Dollar (38,7 Milliarden Euro). Die direkten Schäden könnten sich dabei auf etwa 20 Milliarden Dollar belaufen, zusätzlich wird mit Gewinneinbußen von bis zu 30 Milliarden Dollar gerechnet. Nach Auffassung von Ökonomen dürfte der Sturm der Volkswirtschaft der USA langfristig allerdings keinen weiteren Schaden zufügen.

Linktipp: Lesen Sie hier, wie Sturm Sandy Amerikas Schwachstellen aufdeckt.

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/rela/jobr
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