Katastrophenfolgen:Bedarf an Psychotherapie im Ahrtal weiter „riesig“

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Ein Mann sitzt vor einem Fenster. (Foto: Sina Schuldt/dpa/Illsutration)

Die traumatischen Folgen der Flutkatastrophe mit Toten und vielen Hundert Verletzten belasten die Menschen im Ahrtal auch zwei Jahre danach noch - und viele erheblich. Die psychosoziale Hilfe wurde zwar ausgebaut. Doch sie reicht nach Ansicht von Fachleuten nicht aus.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Mainz (dpa/lrs) - Zwei Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal ist der Bedarf an Psychotherapie in der Region nach Einschätzung der Landespsychotherapeutenkammer riesig. „Unzählige Menschen sind durch die Flutkatastrophe nach wie vor psychisch sehr belastet und finden keine Hilfe, da das Versorgungssystem überfordert ist“, teilte die Kammer der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. „Die Wartezeiten auf Psychotherapie sind sehr lang. Es gibt zu wenig Kassensitze für die große Zahl an Hilfesuchenden.“ Die wenigen Therapeuten arbeiteten am Rand ihrer Belastungsgrenze.

Landesgesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) setzt sich seit längerem beim Bund dafür ein, die psychotherapeutische Behandlung auszubauen, auch unabhängig vom Ahrtal.

Das Ende 2021 öffnete Traumahilfezentrum in Grafschaft-Lantershofen bietet kostenfreie offene Sprechstunden für Menschen aller Altersgruppen mit psychischen oder psychosozialen Problemen und für Helfer an. Insgesamt wurden seit der Eröffnung bis Ende März rund 2260 Einzelberatungen, 134 Gruppen und 42 Fortbildungen gezählt, wie das Gesundheitsministerium berichtete. Das Land finanziert die Arbeit des Traumahilfezentrums zunächst für drei Jahre mit gut 760.000 Euro.

Das Zentrum werde mit seinen niederschwelligen soziotherapeutischen und medizinisch-psychologischen Beratungen von Familien und Einzelpersonen unverändert stark genutzt. Auch Informationsgruppen für Flutbetroffene und andere akut-traumatisierte Menschen gibt es dort.

Die Landespsychotherapeutenkammer und die Kassenärztliche Vereinigung setzen sich zudem seit der Katastrophe für zusätzliche Therapeuten-Stellen ein. 2022 seien fünf Psychologische Psychotherapeuten und zwei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten genehmigt worden. Im April dieses Jahres seien fünf weitere Psychotherapeuten und im Mai noch ein Kinder- und Jugendlichentherapeut dazu gekommen.

„Wir freuen uns über die zusätzlichen Therapieplätze, die dazu beitragen, die Versorgungssituation zu verbessern. Es ist aber davon auszugehen, dass in dieser Ausnahmesituation weitere Genehmigungen folgen müssen“, teilte die Kammer mit.

© dpa-infocom, dpa:230710-99-344851/2

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