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Katalonien verbietet Stierkampf:Ende der Grausamkeit

Die rebellischen Katalanen sind den übrigen Spaniern mal wieder voraus: Kataloniens Parlament beschließt die Abschaffung des Stierkampfs. Konservative wittern Abtrünnigkeit.

Javier Cáceres, Madrid

Es brandete Jubel auf, als der Präsident der katalanischen Abgeordnetenkammer die wohl meistbeachtete Entscheidung verkündete, die je ein spanisches Regionalparlament traf. Mit den Stimmen von 68 Parlamentariern stimmte Katalonien als erste Region auf dem spanischen Festland überhaupt für ein Verbot von Stierkämpfen. 55 votierten dagegen, neun enthielten sich.

Stierkampf

In Katalonien soll es von 2012 an keine Stierkämpfe mehr geben.

(Foto: dpa)

Ab 2012 wird es in der Sieben-Millionen-Einwohner-Region keine "Corridas" mehr geben. "Heute sind fünf Jahrhunderte der Grausamkeit zu Ende", erklärte Elena Escoda von der Tierschützer-Plattform "Prou!", die das Verbot angestrengt und für ihr Volksbegehren mehr als 180.000 Unterschriften gesammelt hatten.

Die konservative Volkspartei PP kündigte umgehend an, vor dem zentralspanischen Parlament in Madrid eine Initiative einzubringen, die das Verbot rückgängig machen soll. Aus ihren Reihen kamen Stimmen, die das Verbot als neuerlichen Ausdruck der Abtrünnigkeit der Katalanen werten wollte. So erklärte der frühere Innenminister Jaime Mayor Oreja, der für die Rechte im Europaparlament sitzt, das Verbot zum Ausdruck einer "nationalistischen Offensive" der Katalanen sowie "eine Provokation oder Rache" für den kürzlichen WM-Erfolg der spanischen Fußballnationalmannschaft.

"Emotional und wirtschaftlich geschädigt"

Joan Puigcercós von den katalanischen Linksrepublikanern (ERC), der für das Verbot stimmte, erinnerte hingegen an die Verwurzelung des Stierkampfs in Katalonien. "Die katalanischen Traditionen können auch falsch liegen", erklärte er. Salvador Boix, Manager des zurzeit besten Stierkämpfers José Tomás, sagte nach der Abstimmung, er fühle sich aus seiner katalanischen Heimat "ausgeschlossen". Er fühle mit jenen, die durch das Verbot "emotional und wirtschaftlich geschädigt" werden. Stierkampfbefürworter haben den wirtschaftlichen Schaden auf eine dreistellige Millionen-Euro-Summe hochgerechnet. Allerdings hat der Stierkampf in den letzten Jahren wegen mangelnden Zuschauerzuspruchs gerade in Katalonien gelitten.

Ob das Verbot im restlichen Spanien Nachahmer findet, ist unwahrscheinlich.

Die andalusischen Sozialisten sagten, ein solches Verbot sei "undenkbar", in den Hochburgen Madrid, Valencia und Murcia soll der Stierkampf zum Kulturerbe erklärt werden. Der konservative Ministerpräsident Galiciens, Alberto Núñez Feijóo, erinnerte an den Jagdsport: "Wenn ein Mann einem Stier gegenübertritt und sein Leben aufs Spiel setzt, hat er ein größeres Verdienst als einer, der ein Gewehr in die Hand nimmt und ein Tier tötet."

© SZ vom 29.07.2010/jab
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