GroßbritannienSchummelei bei der Kastanien-WM

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David Jakins, 82, gewann die „World Conker Championships“ letztmals 1977. Nun muss er wegen einer Stahlnuss um seinen aktuellen Titel fürchten.
David Jakins, 82, gewann die „World Conker Championships“ letztmals 1977. Nun muss er wegen einer Stahlnuss um seinen aktuellen Titel fürchten. (Foto: Phil Noble/Reuters)

Nach den Kastanien-Weltmeisterschaften in England zeichnet sich ein Skandal ab: Ausgerechnet „King Conker“, der 82 Jahre alte Sieger, könnte mit einer Stahlnuss betrogen haben. Ja, ist im Sport denn nichts mehr heilig?

Von Martin Zips

Betrug im Sport ist immer eine hässliche Sache. Menschen, offenbar getrieben von fanatischem Ehrgeiz, kommen hier auf die verrücktesten Ideen. Sie schlucken ungesunde Arznei, führen noch im Strafraum ihre Hand gegen einen Ball oder benutzen Sportgeräte, die für bestimmte Wettbewerbe überhaupt nicht zugelassen sind. Glücklicherweise finden da und dort Doping- sowie Videokontrollen statt – dem Bösen allerdings scheint auch weiterhin kein Kraut gewachsen zu sein.

So zu beobachten bei den jüngsten „World Conker Championships“, den Kastanien-Weltmeisterschaften, die seit dem Jahr 1965 immer am zweiten Sonntag im Oktober in der englischen Grafschaft Northamptonshire ausgetragen werden. Dort könnte am vergangenen Wochenende der pensionierte englische Ingenieur David Jakins mit einer Stahlkastanie betrogen haben. Noch ist das nicht bewiesen, der Fall wird von unabhängigen Expertinnen und Experten untersucht. Sollte Jakins allerdings tatsächlich eine stählerne Betrugskastanie benutzt haben, so wäre dies schon ein Skandal. Das Regelwerk des Turniers sieht vor, dass zunächst mehr als 2000 Rosskastanien mit einer Mindestbreite von drei Zentimetern eingesammelt, von einer Jury durchbohrt und mit Schnüren versehen werden müssen. Anschließend ziehen die Teilnehmer – sie stammen aus aller Welt – die Kastanien blind aus einem Beutel und lassen diese an den Schnüren gegeneinanderschlagen. Wessen Kastanie zuerst zerbricht, der hat verloren – ähnliche Wettbewerbe sind mit Ostereiern bekannt. Benutzer von Stahlkastanien (oder Stahleiern) wären hier klar im Vorteil.

Ein Beutel mit Turnierkastanien.
Ein Beutel mit Turnierkastanien. (Foto: Phil Noble/REUTERS)

Der 82-jährige Rentner Jakins hatte seinen letzten Turniersieg als Kastanienmeister im Jahr 1977 eingefahren, das ist schon lange her. Dieses Jahr soll er – wie britische Zeitungen unabhängig voneinander berichten – auch für das Bohren und Einfädeln der Kastanienschnüre mitverantwortlich gewesen sein. Jakins bestreitet, andere Kastanien zur Verbesserung seiner Siegeschancen manipuliert oder gekennzeichnet zu haben. Zu der bei der abschließenden Kontrolle bei ihm in einer Tasche entdeckten Stahlkastanie erklärte er laut Telegraph, er führe diese nur als „Scherzartikel“ mit sich, habe sie im fraglichen Wettbewerb jedoch nicht verwendet. Sein Gegner, der 23 Jahre alte Alastair Johnson-Ferguson, soll sich bei den Organisatoren des Turniers beschwert haben: Seine Nuss sei während des Herrenfinales gegen Jakins „mit einem Schlag zerfallen“, er gehe daher von Foulspiel aus.

Bis zur abschließenden Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe bleibt David Jakins weiter „King Conker“, so der offizielle Siegertitel, das erklärte ein Sprecher der World Conker Championships. Ursprünglich war der Kastanien-Wettbewerb von Fischern erfunden worden, da man das Wetter für einen Angelwettbewerb als zu schlecht empfand und nach einer sportlichen Alternative suchte. Seinen bisher größten Rückschlag erfuhr das Turnier im Jahr 1976, als wegen allgemeiner Kastanienknappheit in Northamptonshire Nüsse aus Jersey eingeflogen werden mussten. Man hätte freilich ersatzweise auch Stahlkastanien verwenden können. Aber dann bitte für alle.

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