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"Plaudernummer" für Senioren:Bei Anruf Karneval

Kölner Dreigestirn besucht Seniorenheim

Eine Pflegerin und eine alte Dame verfolgen einen Auftritt des Kölner Dreigestirns vor ihrem Seniorenheim.

(Foto: dpa)

Weiberfastnacht fällt dieses Jahr zwar aus. In Köln betreiben Ehrenamtliche aber heute von 11.11 bis 15.15 Uhr ein Karnevalshotline für Menschen ab 60. Wie feiert man am Telefon?

Interview von Jana Stegemann

Mia Hiestand und Tina Damm haben Ende November eine "Plaudernummer" für Menschen ab 60 Jahren eingerichtet. Am anderen Ende der Leitung sitzen vier Tage pro Woche abwechselnd Ehrenamtliche - von der 24-jährigen Studentin bis zur 81-jährigen Krimiautorin. Für Weiberfastnacht haben sich Hiestand und Damm etwas Besonders ausgedacht: Von 11.11 bis 15.15 Uhr ist eine Karnevalshotline für Seniorinnen und Senioren geschaltet. Unter der erreicht man auch Günter Stommel. Der 73-Jährige war bis zum Ruhestand Kölns berühmtester Standesbeamte, weil er als Erster Trauungen auf Kölsch anbot. 2000 löste er Willi Weber im Fernsehen als Standesbeamter der "Traumhochzeit" mit Linda de Mol ab.

SZ: Herr Stommel, wenn ich jetzt nicht 34, sondern 74 wäre, wie würden wir beide jetzt gemeinsam Karneval am Telefon feiern?

Günter Stommel: Erst mal will ich wissen: Wie geht es Ihnen?

Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Ganz gut, danke

Dann quatschen wir ein bisschen über dies und das. Und wir singen Karnevalslieder. Es geht ja darum, ein bisschen Spaß zu haben. Ich habe hier zu Hause mein Keyboard stehen. Damit mache ich jeden Tag Musik. Sie können sich Karnevalslieder wünschen oder ich schlage Ihnen welche vor.

Ja, machen Sie mal.

"Und wenn et Trömmelje geht" passt immer, das kennt jeder, das ist 'ne richtige Aufwecknummer. Das würde ich jetzt für Sie spielen. Ich habe auch ein paar Karnevalslieder aus den 40er-, 50er- und 60er-Jahren im Repertoire. Dann die Höhner und Bläck Fööss, klar. Das Wichtigste ist aber, dass ich den Anrufern für wenig Geld viel Spaß bringe. Wissen Sie, ich bin 73 und sitze gerade auch immer nur zu Hause rum. Ich gehe wegen Corona nicht mehr raus, meine Frau macht die Einkäufe. Da muss man schauen, dass man ein wenig Vergnügen in seinen Alltag bekommt. Es muss immer irgendwie weitergehen.

Günter Stommel

Auch ihn erreicht man in der Karnevalshotline: Kölns bekanntesten Standesbeamten Günter Stommel

(Foto: privat)

Sie freuen sich richtig auf die Anrufer, oder?

Ja! Mit Menschen zu plaudern, Gedanken auszutauschen und für ein paar fröhliche Gesichter zu sorgen - da geht mir das Herz auf. Als ich noch fitter war, habe ich regelmäßig in Altenheimen Musik gemacht, auch Karnevalslieder habe ich immer gespielt. Jetzt bin ich nicht mehr so fit, aber telefonieren und singen kann ich noch. Wir sind keine Telefonseelsorge, aber ich finde die Plaudernummer ist das ideale Mittel, um mit Senioren in Kontakt zu kommen, die vereinsamen. Kostet fast nix und beide brauchen nur ein Telefon.

Die Plaudernummer soll auch nach Karneval fortgesetzt werden.

Ja, da mache ich künftig auch mit. Da singe ich dann was von Conny oder Peter Kraus. Eigentlich hätte man die Plaudernummer schon vor zwei Jahren zur Dauereinrichtung machen können. Wissen Sie, Musik ist das Beste auf der Welt, nach der Liebe. Mir können Sie das glauben, ich bin zum fünften Mal verheiratet.

Und die Gesprächsthemen gehen Ihnen nie aus?

Nee. "Wat ham Se heute gekocht?" "Wat gibbet Neues im Fernsehen?" Einfach locker vom Hocker. Für so was hat doch jeder am Tag ein bisschen Zeit. Vielleicht nehmen sich andere Städte ein Beispiel an uns. Das fände ich gut. Zum Kreis der Ehrenamtlichen hier gehört eine Frau, die ich vor 40 Jahren getraut habe. Die habe ich direkt etwas gefragt.

Was denn?

Klappt noch? Nö, sagt die.

© SZ/olkl
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