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Prozess in Wuppertal:Wenn der Karnevalsprinz Nacktfotos verschickt

Karneval

Ein bekleideter Karnevalist (Symbolbild).

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Thomas II. von Wuppertal fotografierte sich unbekleidet, als die Aufnahmen publik wurden, wurde er als Karnevalsprinz entlassen. Dagegen kämpft er vor Gericht.

Von Matthias Kohlmaier

Aus "Der kleine Prinz", der wunderbaren Erzählung des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry über Freundschaft und Menschlichkeit und überhaupt das große Ganze, haben es zwei Sätze ins kollektive Bewusstsein geschafft, nämlich: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Und damit nach Wuppertal.

Dort sorgt ein nicht mehr ganz kleiner Prinz seit ein paar Monaten schon für einiges Aufsehen, nämlich ein gewisser Thomas, der in der vergangenen Session als Karnevalsprinz Thomas II. Hof hielt - jedenfalls bis Bilder von ihm auftauchten: obenrum im Ornat, untenrum ohne alles. Das Wesentliche, um es mal so zu sagen, soll für die Augen hier absolut sichtbar gewesen sein.

Diese Selfies, die der Prinz zu Hause vor dem Spiegel gemacht haben soll, schickte er an seinen Ex-Freund, "als Spaß und in der Hoffnung, dass er dies auch so verstanden hat", wie er in der Wuppertaler Rundschau zitiert wird. Jener Ex-Freund jedoch war wohl so in Sorge um das Ansehen des Karnevals, dass er die Bilder anonym an Wilfried Michaelis weiterleitete. Der ist Präsident des Carneval Comitee Wuppertal (CCW) und war von den Aufnahmen wenig angetan.

Wenige Tage später hatte der Prinz die Kündigung auf dem Tisch liegen. "Du bist im Prinzen-Ornat in unmöglicher, schamverletzender, fast pornographischer Pose und damit eines Prinzen der Stadt Wuppertal unwürdiger Art abgebildet, deine Amtszeit ist mit dem heutigen Tag, dem 8. März, beendet", heißt es in dem Kündigungsschreiben. Ein schiefgegangener Spaß und seine etwas unrühmlichen Folgen: Damit hätte es gut sein können.

Thomas, plötzlich Ex-Prinz, wollte es aber nicht dabei belassen und klagte gegen den Rausschmiss, weshalb sich nun das Wuppertaler Amtsgericht mit dem Fall zu befassen hat. Der Prinz argumentiert, er sei ja für die Verbreitung der Bilder nicht verantwortlich gewesen. Mit der Klage wollte der Mann wohl hauptsächlich sicherstellen, dass er vom CCW gemeinsam mit Partnerin Christin I. in die Chronik der Wuppertaler Prinzenpaare aufgenommen wird.

Im Prozess hat der Ex-Partner von Thomas, dem ehemals II., nun abgestritten, die Bilder an den Karnevalspräsidenten geschickt zu haben. Lediglich an einen im Karneval aktiven Bekannten will der 41-jährige Friseur die Aufnahmen weitergeleitet haben. Der geschasste Prinz blieb derweil bei seiner Argumentation: Falls ein Schaden in der Öffentlichkeit entstanden sein sollte, trage dafür nicht der Prinz die Verantwortung, sondern der, der die Bilder strafbar weiterverbreitet habe, sagte sein Anwalt Klaus Specht. Der Richter will am 8. Januar eine Entscheidung verkünden.

Sollte die Kündigung durch das CCW dann nicht aufgehoben werden, hätte übrigens nicht nur Thomas seine reguläre Amtszeit bis zum 11.11.2020 nicht zu Ende bringen können. Auch seine Prinzessin Christin I. war bereits vor Dienstende ausgeschieden, allerdings freiwillig. Sie ist auch abseits der närrischen Zeit die Ehefrau von Thomas und begründete ihren Rücktritt im vergangenen Februar damit, dass die Karnevalsverpflichtungen zu wenig Zeit für das Kind gelassen hätten.

© SZ/nas
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