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Karneval:"Davon geht die karnevalistische Welt nicht unter"

Weiberfastnacht in Köln

Mittlerweile gibt es rein weibliche Prinz(essin)enpaare, sogar Dreigestirne - und das nicht nur weil kaum noch wer diese Ämter übenehmen möchte.

(Foto: dpa)

Zum Beginn der Karnevalssaison werden die Prinzenpaare vorgestellt. Doch immer mehr Vereine finden keine Majestäten. Ein Gespräch mit dem Präsidenten des Karneval-Komitees Kolping 1954.

Überall in Deutschland fehlen die Prinzenpaare. Die Kostüme müssen oft selbst bezahlt werden, über ein Jahr lang müssen zig Auftritte in der Freizeit absolviert werden, in Seniorenheimen, Kindergärten, anderen Karnevalsvereinen. Hans-Peter Peißer vom Karnevals-Komitee Kolping 1954 aus Kamp-Lintfort in Nordrhein-Westfalen sieht das pragmatisch: wenn sich nicht zwei Freiwillige melden, nimmt man halt einen - oder drei.

Herr Peißer, gut dass ich Sie erreiche am 11.11, so kurz nach elf.

Hans-Peter Peißer: Ja, wir haben schon vorgefeiert, am 8. November war bei uns schon der 11.11.

Bringt das nicht Unglück?

Nein, dem Bund Deutscher Karneval zufolge darf man bis zu sieben Tage vorher feiern. Ich war am 5. November auf dem ersten Karnevalserwachen, mit uns haben gleichzeitig zwei andere befreundete Vereine gefeiert. Gestern war ich bei zwei Vereinen zur Eröffnung. Alle haben das gleiche Problem: der 11.11. ist ein Werktag und da müssen die meisten arbeiten, dann passt das nicht. In Köln legen die Menschen vielleicht ihre Arbeit nieder, aber das ist eine Ausnahme.

Eine Woche lang 11.11. also. Und da gibt es Regeln und Karnevalsgesetze?

Klar, heute wird doch alles geregelt in Deutschland, das wissen Sie doch.

Hans-Peter Peißer

Hans-Peter Peißer, 67, ist Präsident des Karnevals-Komitee Kolping 1954 aus Kamp-Lintfort. Jedes Jahr wechselt der Verein sich mit dem anderen örtlichen Karnevalsverein beim Ernennen des Prinzenpaares ab. Nächstes Jahr ist Peißers Verein wieder dran und er ist optimistisch, wieder ein Paar oder sogar ein Dreigestirn zu finden.

(Foto: OH)

Haben Sie trotzdem heute um 11:11 Uhr angestoßen?

Nein, ich habe mir im Fernsehen angeguckt, wie die Menschen in Köln runterzählen und warten, bis der Karneval eröffnet ist. Ich habe ihn für meinen Verein eben schon früher eröffnet. Hier ist das alles ein bisschen lockerer als in Köln.

Die Tradition des Prinzenpaars erhalten Sie sich aber noch. Wie wichtig ist das Paar?

Das Prinzenpaar ist ja das Oberhaupt der Karnevalisten in einer Stadt. Es kommt natürlich darauf an, ob der Verein, der das Paar stellen möchte, jemanden hat, der das machen will. Wenn nicht, dann nicht. Das hatten wir auch schon zwei oder drei Mal in den letzten 20 Jahren.

Das ist kein Desaster?

Nein, das hält uns nicht davon ab, Karneval zu feiern. Das wird registriert und man sagt: Ok, ist eben so, fertig aus. Davon geht die karnevalistische Welt nicht unter. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel nur eine Prinzessin vom Nachbarverein. Und da ist nichts Negatives dran.

Hier in Bayern hört man, es wolle kaum noch einer diese Aufgabe übernehmen.

Gerade in kleinen Vereinen kann es schwierig sein, jemanden zu finden. Bei nur 30 Aktiven beispielsweise muss man jemanden finden, der Lust und vor allem Zeit hat.

Kann man auch als Nichtmitglied Prinz oder Prinzessin werden?

Ja, wenn sich einer meldet, klar, aber er muss dann in den Verein eintreten, das hat mit Versicherungsschutz zu tun. Nach der Session kann der seine Mitgliedschaft dann wieder beenden, wenn er möchte.

Ein weibliches Dreigestirn hatten Sie ja auch schon.

Das war etwas ganz Besonderes, das gab's im ganzen Niederrhein-Gebiet noch nicht. Das Dreigestirn besteht aus Prinz, Bauer und Jungfrau. Ein männliches hatten wir vor ein paar Jahren, die Jungfrau trotzdem mit Zöpfen und Krone. Da haben sich die Frauen gedacht: was die Männer können, können wir auch. Und die haben das so toll gemacht, das ist dann vielleicht auch schwer zu toppen.

Haben die Männer anders regiert als die Frauen?

Die Dreigestirne haben jeweils eigene Lieder gehabt, mit denen sie aufgetreten sind. Bei der Prinzessin haben wir das so nicht. Das liegt oft an der Angst, als Sängerin aufzutreten. Die Männer trauen sich sowas eher zu.

Nach ein, zwei Bier wohlmöglich?

Naja, also normalerweise herrscht Alkoholverbot während der Stippvisite und der Auftritte, manchmal hat man ja sechs davon am Tag. Da ist nur Wasser und Cola angesagt. Erst nachdem die Mütze abgenommen wurde, nachdem das Offizielle vorbei ist, erst dann darf Bier getrunken werden.

Ist bei den Tanz- und Gesangseinlagen bestimmt auch nicht ungefährlich...

Vor allen Dingen, wenn der Prinz oder die Prinzessin dann auf einmal lallend auf der Bühne steht, macht das sicherlich keinen guten Eindruck. Nicht dass das wie im Sketch von Gerhard Polt endet.

Kann man mehrmals Prinz oder Prinzessin werden?

Es geht, aber nicht direkt im Folgejahr. Man kann nicht sagen, wir haben keinen im nächsten Jahr, der macht mal weiter. In drei, vier Jahren kann man sich dann nochmal melden.

Aber dann müsste man im schlimmsten Fall nicht ohne Prinzenpaar feiern.

Das ist aber irgendwie so ein ungeschriebenes Gesetz. Es sieht dann komisch aus, wenn das jemand mehrere Jahre macht. Im Schützenverein gibt es das ja, im Karneval ist das nicht üblich. Viele Vereine feiern dann ganz ohne. Wir haben dann lieber einen Teil des Prinzenpaars, als gar keinen.

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