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Karlheinz Böhm wird 80:Die Rolle seines Lebens

So tritt er auf in Deutschland, Österreich und der Schweiz, manchmal zwei- bis dreimal am Tag, und erzählt von Äthiopien, von der Not und Armut, von den guten Taten seiner Stiftung, und versucht auf diese Weise, Menschen zu motivieren, ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen. Das Wort Spende mag Böhm nicht, und er sieht sich auch nicht als Spendensammler, doch letztlich ist es genau das, was er tut, und zwar unverändert erfolgreich. Es sind nach wie vor beträchtliche Summen, die man ihm anvertraut - und allem Anschein nach ist es gut genutztes Geld.

"Das sind doch Menschen"

Als Böhm am 30. Oktober 1981 nach Äthiopien fliegt, ist es erst sein zweiter Besuch in Afrika. Er ist Außenseiter, Amateur, und in der Entwicklungshilfeszene rümpfen viele verächtlich die Nase - alternder Schauspieler in Afrika, was kann dabei schon herauskommen? Bald scheint Böhm sogar zum Ärgernis zu werden, als er nämlich Mitte der achtziger Jahre etwas tut, das als politisch höchst inkorrekt gilt:

Er engagiert sich in den Umsiedlungsgebieten im Südwesten des Landes, die von den westlichen Geberländern aus politischen Gründen boykottiert werden. Das kommunistische Regime des Mengistu Haile Mariam hat Hunderttausende aus dem dürregeplagten nördlichen Hochland in den als relativ regensicher und entwicklungsfähig angesehenen Südwesten schaffen lassen - und das Elend der Massentransporte hat die Welt empört.

Hinzu kommt der Verdacht, dass es dem Regime in Wahrheit gar nicht um humanitäre Ziele, sondern darum gehe, die nördlichen Provinzen Wollo und Tigre gewaltsam zu entvölkern, um den dort operierenden Guerilla-Bewegungen gleichsam den Boden zu entziehen. Deshalb der Boykott. Doch bestraft werden damit nicht die Machthaber, sondern die Siedler. Böhm erlebt, wie sie in "unbeschreiblichem Elend" hausen, wie sie mit den Händen den harten Boden umgraben, weil es "keinerlei landwirtschaftliche Geräte gibt, nicht mal die einfachsten Werkzeuge." Er lässt sich anrühren von dem Leid, er ignoriert die Debatten über das Pro und Contra der Umsiedlung und sagt: "Das sind doch Menschen, denen man helfen muss."

Almaz, Nicholas, Aida

In den Jahren, die folgen, sagt er diesen Satz noch sehr oft, denn wenn es an etwas in Äthiopien nicht mangelt, dann an Menschen, denen man helfen muss. Böhm und seine Helfer haben auf vielfältige Weise geholfen. Sie haben Schulen gebaut und Krankenhäuser, Veterinärstationen und Getreidemühlen, Brücken und Straßen, sie haben Bienenstöcke und Lehmöfen verteilt, haben Wasserreservoirs angelegt, haben Baumsetzlinge verteilt, haben aufgeforstet, ausgebildet und aufgeklärt. Längst hat das Naserümpfen aufgehört. Die Infrastruktur, die "Menschen für Menschen" den Äthiopiern hinstellt, gilt als vorbildlich. An Böhm bewundern viele den enormen Durchhaltewillen und die Treue zu seinem Projekt Äthiopien.

Kritisch mag man sehen, dass Böhm durch seinen Einsatz kriegerische Regime in Addis Abeba von Aufgaben entlastet hat. Auch hat sein Einsatz in mehr als 26 Jahren Äthiopienhilfe nichts daran geändert, dass das Land noch immer bettelarm ist. Daran könnte einer verzweifeln, doch Böhm sagt, Verzweiflung könne er sich nicht leisten - "ich bin glücklich über jeden, dem ich geholfen habe und dem ich noch helfen werde."

Das Wort Glück wählt er mit Bedacht, denn er hat es tatsächlich in Äthiopien gefunden - durch die Arbeit, von der er sagt, sie habe ihm seinen Lebenssinn gegeben, und natürlich durch Almaz Böhm, geborene Teshome: 1986 wird die äthiopische Agrarökologin von MfM als Viehzuchtexpertin eingestellt. Böhm weiß zunächst nichts davon, und als er es erfährt, fragt er sich verwundert: eine Frau für die Beaufsichtigung der Rinderzucht? Aber dann lernt man sich in einem Kuhstall kennen und lieben.

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