Kanye West mit neuem Namen:Ye, Ye, Yeah!

Kanye West

Kanye West heißt jetzt offiziell Ye. Das wird häufig in der Bibel verwendet und bedeutet Du.

(Foto: Evan Agostini/AP)

Der US-Rapper und Selbstvermarkter Kanye West nennt sich um. Warum auch nicht? Von Papst Johannes II. bis Gerhard Höllerich haben das schon viele getan.

Von Martin Zips

Der zur vergangenen US-Präsidentschaftswahl angetretene, dort aber furchtbar gescheiterte Rapper Kanye West hat einen neuen Namen. Ein Gericht in Los Angeles erlaubte es dem erfolgreichen Selbstvermarkter, sich künftig nur noch "Ye" zu nennen. Als Begründung für seinen Antrag gab der offenbar von seiner Ehefrau, der ebenfalls erfolgreichen Selbstvermarkterin Kim Kardashian, getrennte Mann an, bei "Ye" handele es sich um das in der englischen Version der Bibel am häufigsten verwendete Wort. ("Judge not, that ye be not judged.") Es bedeute: "Du".

Gut, das mag schon sein, aber genau diese Buchstabenverbindung findet sich natürlich auch als Stadtname in China sowie als Top-Level-Domain in Jemen. Was kann also die Umbenennung anderes sein als der läppische Versuch eines US-Künstlers, mal wieder ins Gespräch zu kommen. Im Unterhaltungsgeschäft hat derlei ja Tradition: Gerhard Höllerich hieß irgendwann "Roy Black", Cat Stevens "Yusuf Islam" und Prince "The Artist Formely Known As Prince", kurz: "Tafkap". Solange das Publikum solche Sperenzien mitmacht, geht die Sache ja in Ordnung. Und gelegentlich muss man sich schon mal neu erfinden dürfen, so wie diese Bar in Berlin-Neukölln, die früher "Helmut Kohl" hieß und dann "Schloss Neuschweinsteiger".

Das mit dem "Ye" aus der Bibel ergibt ja auch Sinn. Erstens, weil sich mit "Du" wirklich jeder angesprochen fühlt, das ist wichtig für die Reichweite. Und zweitens, weil gerade im Christentum der Trick mit der Umbenennung immer gut funktioniert. Aus Jesus wurde "Christus", aus Saulus "Paulus" und aus Mercurius "Papst Johannes II.". Letzteres ergab im Jahr 533 schon deshalb Sinn, weil man einen Typen, der nach einer heidnischen Gottheit benannt ist, natürlich nicht mit höheren Ämtern beauftragen kann. Mercurius kann sich vielleicht der Chefredakteur einer Boulevardzeitung nennen, nicht aber der Papst.

Aber handelt es sich bei Kanye West um einen echten Neuanfang? Das "Ye" trug der Musik- und Modemogul ja schon zuvor in seinem Namen. Von einem vollständigen Imagewechsel wie beispielsweise bei Georgios Kyriacos Panayiotou (später "George Michael") oder beim Finnen Johan Julius Christian Sibelius, der später als "Jean Sibelius" französisch klang, kann daher nicht die Rede sein. Eher erinnert der Vorstoß an so halbgare Mitteilungen wie "Conchita Wurst heißt jetzt nur noch WURST!" oder "Aus Jefferson Airplane wird Jefferson Starship!" So ganz von vorne wollte Wurst, äh, West offenbar doch nicht anfangen.

Was dem Fall "Ye" jedenfalls fehlt, das ist das Geniale, das Mystische der Umbenennung. Also eine Namensneugebung, die an berühmte Vorbilder wie Novalis (zuvor Georg Philipp Friedrich von Hardenberg), Ignaz Wrobel (Kurt Tucholsky) oder Franzobel (Franz Stefan Griebl) erinnert. In der Geschichte bewährt hat sich immer auch der Zusatz der oder die "Große". So etwas dürfte gerade unter Rappern unglaublich Eindruck machen. Denn wie heißt es in einer, vom deutschen Hip-Hopper Robert Gernhardt einst geprägten, geradezu biblischen "Line"? "Preise künftig meinen Namen./Denn sonst setzt es etwas./Amen". Yeah.

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