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Kampf dem Moskito:Musik gegen Mücken

Ihr hochfrequentes Sirren raubt Männern, Frauen und Kindern den Schlaf. Jetzt will ein Radiosender zurückschlagen und Moskitos mit seinem Programm abschrecken.

Titus Arnu

Der schwüle, verregnete Sommer ist eine Supersache - für Blutsauger. Stechmücken haben bei diesem Wetter eine ziemlich gute Zeit. In der Dämmerung schwärmen die Mini-Vampire aus und greifen heimtückisch an. Sie bohren ihre Rüssel durch Menschenhaut, um Blut zu saugen, manchmal stechen sie sogar durch die Kleidung. Schon das fiese Surren der bekannten Flugobjekte treibt einen leicht an den Rand des Wahnsinns.

Sie fühlen das warme Blut, sie riechen den Schweiß und schon docken die Mücken am Körper des Menschen -sogar am Finger - an.

(Foto: Foto: dpa)

Man kann in schlaflosen Mücken-Terror-Nächten lange darüber nachdenken, ob es einen Gott gibt, und wenn ja, warum er fliegende Blutsauger auf relativ unbehaarte und nervlich nicht besonders belastbare Säugetiere loslässt. Man kann auch pragmatisch zu Hausmitteln greifen und knollenweise Knoblauch knabbern, Räucherstäbchen anzünden oder sich von Kopf bis Fuß mit flüssigen Giftstoffen einreiben. Das nützt nur meistens auch nicht viel.

Wiener Radio gegen Mücken

Der Wiener Radiosender Kronehit behauptet nun, sein Programm schrecke Mücken ab. Nicht, weil die Musikauswahl so furchtbar ist, sondern wegen eines Anti-Insekten-Tons. Im Umkreis von fünf Metern um das Radio sollen Hörer vor Stichen geschützt sein. Die Theorie: Ein für Menschen angeblich nicht wahrnehmbarer, hochfrequenter Ton imitiert das Summen einer weiblichen Mücke.

Davon sollen andere begattete Weibchen (nur diese stechen) abgeschreckt werden. Die Methode, lästige Mücken mit Schlagerprogrammen totzududeln, ist leider ebenso alt wie wirkungslos. Eine ganze Reihe von Privatsendern, darunter Radio Energy Berlin, Radio Salü im Saarland und Antenne Vorarlberg, haben schon vor Jahren Anti-Mücken-Töne gesendet. Die Viecher lassen sich davon aber offenbar nicht beeindrucken.

Ist die Idee Unfug?

Können Mücken überhaupt hören? Wissenschaftler haben an der Fühler-Basis der Insekten zwar Hörorgane entdeckt. Und bei der Paarung hat die Frequenz des Summtons, der durch den Flügelschlag entsteht, eine wichtige Bedeutung, wie britische Wissenschaftler herausgefunden haben. Aber ein Territorialverhalten wurde nicht nachgewiesen - und schon gar keine Abschreckungswirkung von Tönen.

Der "Anti-Gelsen-Ton" von Kronehit soll die Gelsen (so heißen die Stechmücken in Österreich) mit einem Ton von 14850 Hertz vergraulen. Menschen mit guten Ohren hören diese Frequenz allerdings als nerviges Fiepen, und es scheint so, dass davon eher Hörer abgeschreckt werden können als Insekten.

Ein deutsches Hifi-Forum hat den UKW-Radioton von Kronehit einer Analyse unterzogen und festgestellt, dass überhaupt kein Terror-Ton im Radiolautsprecher ankommt. "Es spricht vieles dafür, dass der Anti-Gelsen-Ton ein seit über zehn Jahren von den Privatradiosendern gut gepflegter urbaner Mythos ist", urteilt das kritische Technik-Online-Magazin computer.at. Gegen Stechmücken hilft nur: Fenster zu, Radio aus.

© SZ vom 04.08.2009 / abis

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