Süddeutsche Zeitung

Kampagne gegen Schlösser an Pariser Brücken:Selfies im Namen der Liebe

Die historischen Brücken in Paris ächzen unter der Last tausender Vorhängeschlösser, die Verliebte als Zeichen ihrer Verbundenheit dort anbringen. Eigentlich wollte die Stadt den Brauch verbieten, doch jetzt glaubt sie, eine kreativere Lösung gefunden zu haben.

Die Beamten im Rathaus von Paris, gemeinhin Stadt der Liebe genannt, sehen sich seit einiger Zeit gezwungen, gegen eben diese Liebe zu kämpfen. Sie glauben sich in einem Feldzug gegen die Romantik - jedenfalls jene Romantik, die sich darin äußert, dass Paare als Zeichen ihrer Verbundenheit Vorhängeschlösser an diversen Brückengeländern anbringen und die Schlüssel in die Seine werfen.

Weil das seit einigen Jahren ein quasi weltumspannender Trend ist, tun das nicht nur Paare aus Paris, sondern vor allem unzählige verliebte Touristen. Im Juni ist sogar ein Stück des Geländers der berühmten Pont des Arts unter der Last tausender solcher Liebesschlösser zusammengebrochen.

Die Stadt musste reagieren. Zuerst überlegte sie, das Anbringen von Liebesschlössern einfach verbieten zu lassen. Doch weil sich wahre Liebe durch Paragrafen nicht bremsen lässt, überlegten sich die Stadtoberen jetzt eine kreativere Kampagne.

Anstatt Liebesschlösser an Geländer anzubringen, sollten sich die Paare lieber auf die Brücke stellen und vor romantischer Kulisse ein Selfie fotografieren. Diesen Beweis trauter Zweisamkeit können sie dann veröffentlichen - via Twitter oder auf einer speziellen Liebes-Internetseite, die die Stadt extra eingerichtet hat.

"Erster Baustein eines umfassenderen Aktionsplans"

Man wolle klarmachen, dass die Pariser Bauwerke schwer unter den Schlössern zu leiden hätten und im schlimmsten Fall ein abgebrochenes Geländerteil einen Ausflugsdampfer auf der Seine treffen könnte. Die Kampagne sei "ein erster Baustein eines umfassenderen Aktionsplans". Zu diesen gehöre auch der Plan, die Geländer auf den Brücken so umzugestalten, dass Vorhängeschlösser dort nicht mehr angebracht werden können.

Doch zunächst will die Stadt die Paare mit Aufklebern zur Raison bringen, die auf die neue Idee mit den Selfies hinweisen. Allerdings haben die Pariser Beamten womöglich eine Sache unterschätzt. Die Symbolkraft des Vorhängeschlosses. Wenn dessen Schlüssel auf dem Grund der Seine liegt, lässt es sich nämlich nur mit Gewalt wieder vom Brückengeländer entfernen. Ein Selfie dagegen kann man mit einem einzigen Klick löschen.

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Süddeutsche.de/AFP/olkl/kfu
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